Hollywood-Star Johnny Depp und Amber Heard liefern sich drei Jahre nach ihrer Scheidung erneut eine Schlammschlacht. Es ist nur einer von vielen Rosenkriegen unter Prominenten – und doch in seinen Details ganz besonders unappetitlich.
London - Exkremente im Ehebett, Prügeleien im Privatjet: Dass die Ehe zwischen Hollywood-Star Johnny Depp und Schauspielerin Amber Heard alles andere als harmonisch verlief und noch weniger harmonisch endete, ist bekannt. Was sich derzeit im Fall „John Christopher Depp II vs. News Group Newspaper Ltd“ vor einem Londoner Gericht abspielt, ist mit dem Begriff Rosenkrieg jedoch nur unzureichend beschrieben. Es ist eine Schlammschlacht, deren Ende nicht abzusehen ist. Denn nach Depp wird auch Heard aussagen, die den Schauspieler kaum pfleglicher behandeln dürfte, als er sie.
Depp hatte die „Sun“ wegen Rufschädigung verklagt, weil die britische Boulevardzeitung ihn 2018 unter Berufung auf Heard als Frauenschläger bezeichnet hatte. Der Artikel habe seinem „persönlichen und beruflichen Ansehen“ schwer geschadet. In den USA strengte er ein weiteres Verfahren gegen Heard direkt an.
Depp sagt seit fünf Tagen aus, vorgesehen waren drei
Ursprünglich waren für Depps Kreuzverhör drei Tage vorgesehen. Nach fünf Tagen sagt er immer noch aus. Heard wirft dem Schauspieler 14 Fälle von häuslicher Gewalt vor. Der hatte die Vorwürfe stets abgestritten und geht nun in die Gegenoffensive: spektakulär anzusehen, aber unappetitlich im Detail. So berichtete Depp, dass Heard eine Wodkaflasche auf ihn geworfen habe, was ihn eine Fingerkuppe kostete, von verwüsteten Zimmern, derben Beschimpfungen und Streiten, in denen Heard handgreiflich geworden sei – und von dem Endpunkt der Ehe 2016, als er Kot in seinem Bett gefunden habe: „Ich dachte, das wäre ein seltsam passendes Ende für die Beziehung.“
Vorwürfe, er habe sie geschlagen, wies Depp erneut zurück. Die Tatsache, dass ihn die „Sun“ deshalb als „Frauenschläger“ gebrandmarkt habe, habe ihn in den Augen der Öffentlichkeit von „Aschenputtel zu Quasimodo“ werden lassen. Die Ablehnung jeglicher Gewalt gegenüber Frauen sei ein „zentraler Teil“ seines Moralkodex, weil er in jungen Jahren Zeuge häuslicher Gewalt geworden sei, betonte er. Depps Anwälte hatten „Handgreiflichkeiten“ eingeräumt, aber darauf bestanden, dass diese von Heard ausgegangen seien.
Schon zuvor waren Zweifel an Amber Heards Anschuldigungen aufgekommen, etwa als sie beschuldigt wurde, ihre Ex-Freundin angegriffen zu haben oder als ein Tonband einer Therapiesitzung auftauchte, auf dem sie zugibt, Depp geschlagen zu haben und ihn dann als Opfer häuslicher Gewalt verhöhnt.
Seine Ex-Frau beschrieb Depp als berechnend und soziopathisch. Die Schauspielerin mit einer diagnostizierten Borderline-Persönlichkeitsstörung wolle sein Leben zerstören, klagte er und beschuldigte Heard, der „aggressive Teil“ in ihrer konfliktreichen Ehe gewesen zu sein. Der Prozess soll drei Wochen dauern. Neben der mit Spannung erwarteten Aussage von Heard, werden auch Depps Ex-Freundinnen Vanessa Paradis und Winona Ryder als Zeuginnen auftreten. Beide hatten die Vorwürfe gegen den Schauspieler bereits als unsinnig bezeichnet.
Johnny Depp, das war mal großes Kino. Nun ist er Teil eines Schmierentheaters, das am Ende keine Sieger kennt, außer die Anwälte – und doch ist er nur einer von vielen Promis, die sich einen Rosenkrieg lieferten. Kim Basinger und Alec Baldwin – in den 90er Jahren eines der Traumpaare Hollywoods – verpulverten in ihrem Sorgerechtsstreit Millionen.
Angelina Jolie und Brad Pitt, das Traumpaar der 2000er, trennten sich ebenfalls mit einer Schlammschlacht: Jolie warf Pitt vor, auf eines ihrer Kinder losgegangen zu sein. Pitt gestand Alkoholprobleme, gab sich reuig, den Streit beendete er damit jedoch nicht.
Noch bitterer lief es für Lady Di und Prinz Charles. „Ich weigere mich, der einzige Prinz von Wales zu sein, der keine Geliebte hat“, soll Charles vor der Hochzeit erklärt haben, die Diana später als den „schlimmsten Tag ihres Lebens“ bezeichnete. Charles betrog Diana von Anfang an mit seiner Jugendliebe Camilla. Diana litt unter Bulimie und stürzte sich in Affären. Der Rosenkrieg zog sich über Jahre, geschürt von den britischen Boulevardmedien, die keine Mühen scheuten, um zu erfahren, dass Charles gerne Camillas Tampon wäre und Diana mit ihrem Reitlehrer ins Bett stieg. 1996 folgte die Scheidung.
Kopf hoch und Haltung bewahren, statt Teller zu werfen
Inzwischen vergessen so viele Menschen im Scheidungsfall jegliche Contenance, dass sich der britische Knigge Debrett’s 2012 veranlasst sah, einen Ratgeber herauszugeben. Darin heißt es: „Die Verführung ist groß, die teuren Vintage-Weine vom Ex ins Klo zu kippen, aber ein Familienrichter wertet das nicht unbedingt als Zeichen der Reife. Haltet lieber euren Kopf und zivilisierte Standards hoch.“ Dafür ist es im Fall Depp gegen Heard eindeutig zu spät.