Könnte in jedem Varieté auftreten mit seinem Temperament: Iiro Rantala Foto: Act

Seine Lieblingsstücke von John Lennons Soloalben hat der finnische Pianist Iiro Rantala neu interpretiert wie auch einige Beatles-Songs – und dem Jubilar zum 75. Geburtstag im Theaterhaus ein Ständchen gebracht.

Stuttgart - Ein schönes Geburtstagsständchen gibt Iiro Rantala John Lennon zum 75., dem er ein ganzes Album gewidmet hat: Er lässt die Menschen am Freitag im ausverkauften Saal T 3 des Theaterhauses im Kollektiv den Beatles-Klassiker „All You Need Is Love“ singen. Das erweist sich wegen des 7/4-Taktes in der Strophe („Love, love, love“) als gar nicht so einfach, macht aber gerade deshalb Spaß – Applaus für einen Künstler, der sein Publikum nicht unterschätzt.

Rantala, ein versierter Jazz-Virtuose mit flinken Fingern und ein Romantiker mit einem Faible für die alte Schule des Stride-Pianos, lässt sich ganz auf den Briten und seine Kompositionen ein, die nach eigener Aussage seine Jugend grundiert haben. Er spielt mit den Harmonien des ­A-cappella-Stücks „Because“, macht aus „Watching The Wheels“ einen ganz tiefen Blues, prononciert bei „Norwegian Wood“ extrem das Staccato, formuliert bei ­„Woman“ auf den Tasten die Entschuldigung des Komponisten an Yoko Ono für eine Party-Auszeit in Kalifornien, dämpft bei „Working Class Hero“ die Saiten mit Handtüchern und zeichnet so akustisch das Schicksal des Underdogs nach.

Rantala inszeniert drastische Stimmungsumschwünge, bietet Kabinettstückchen, gibt sich alle Mühe, die Harmonien zu brechen, die Welthits zu zertrümmern – kommt letztlich aber doch immer bei den großen Melodien Lennons an, die er ohne Reue in kitschiger Überzeichnung aufblühen lässt. Für den Welthit „Imagine“ brauche er ein wenig Hilfe, sagt er mit finnischer Ironie, darum spiele er vorab den Beatles-Evergreen „Help“ – dieser Jazz-Abend hat eine Dramaturgie. Zum Schluss dann „All You Need Is Love“, das Publikum ist aus dem Häuschen – was soll danach noch kommen? Rantala hat sich ein Bonbon aufgespart: Eine kunstvoll auf Solo-Piano heruntergebrochene Interpretation von „Strawberry Fields Forever“ beschließt einen Abend, der dem viel zu früh verstorbenen Jubilar bestimmt gefallen hätte; so viel Lennon pur gibt es nicht alle Tage zu hören.

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