Johann-Philipp-Palm-Preis verliehen Mutiger Einsatz für Presse- und Meinungsfreiheit

Von Kathrin Zinser 

Die Preisträgerinnen Josephine Achiro Fortelo Olum und Štefica Galić Foto: Jan Potente
Die Preisträgerinnen Josephine Achiro Fortelo Olum und Štefica Galić Foto: Jan Potente

Zwei Journalistinnen aus Bosnien und dem Südsudan haben in Schorndorf den Johann-Philipp-Palm-Preis erhalten: Sie setzen sich trotz massiver Bedrohungen für Presse- und Meinungsfreiheit in ihren Heimatländern ein.

Schorndorf - Sie werden bedroht, beleidigt, mitunter sogar tätlich angegriffen, weil sie ihre Arbeit machen: Die Radiojournalistin Josephine Achiro Fortelo Olum aus dem Südsudan und die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Štefica Galić aus Bosnien. Für ihren unermüdlichen, leidenschaftlichen Einsatz und großen Mut haben die beiden Frauen am Sonntag in Schorndorf den mit insgesamt 20 000 Euro dotierten Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit erhalten. Der Preis wird alle zwei Jahre im Gedenken an den Schorndorfer Buchhändler Johann Philipp Palm verliehen

Štefica Galić kämpft seit Jahren gegen den radikalen Nationalismus im ehemaligen Jugoslawien. Sie klärt über die Verbrechen der bosnisch-kroatischen Armee während der Jugoslawienkriege auf. In Zeitungsartikeln, auf ihrem Internetportal „tacno.net“ und in Vorträgen benennt sie Täter und Tatorte, weshalb sie als Nestbeschmutzerin gilt. Unter Tränen schilderte die Preisträgerin, wie sie wegen ihres Engagements bis heute massiven Repressionen durch Nationalisten ausgesetzt ist. Hilfe von staatlicher Seite erhält sie nicht. Trotzdem will die Journalistin nicht aufgeben: „Meine Arbeit ist das Resultat dessen, was ich als moralische und menschliche Pflicht empfinde“, erklärte Galić.

Einsatz für eine bessere Welt

Der Preis erreiche sie zu einem Zeitpunkt, da sie fast den Glauben an das Gute verloren habe. Die Auszeichnung werde ihr nun Inspiration und Ansporn sein im Kampf für eine bessere und gerechtere Welt, so die Preisträgerin. Denn Štefica Galić ist davon überzeugt, dass es für die Menschen in Bosnien nur dann eine gemeinsame Zukunft geben kann, wenn die Vergangenheit aufgearbeitet wird und sich alle Bevölkerungsgruppen des Landes aussöhnen.

Für die Meinungs- und Pressefreiheit in ihrer Heimat Südsudan setzt sich Radiojournalistin Josephine Achiro Fortelo Olum seit Jahren in verschiedenen Funktionen ein. Momentan leitet sie unterschiedliche Projekte, um lokale Radiostationen zu stärken und für den Frieden zu werben. Dabei diskutiert sie in ihren Sendungen Tabuthemen wie Flucht und Vertreibung und lässt Menschen unterschiedlicher Ethnien und politischer Überzeugungen zu Wort kommen. Da ein Großteil der Bevölkerung nicht lesen kann und so auf das Radio als Informationsquelle angewiesen ist, sei diese Arbeit für die Demokratie und den Friedensprozess im Südsudan von großer Bedeutung, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Journalismus ist wichtig für die Demokratie

Olum berichtete in ihrer Dankesrede von Verhaftungen, Verfolgungen und Morden an Journalisten in ihrer Heimat. Keines dieser Verbrechen werde jedoch verfolgt. „Der Mangel an Gerechtigkeit ist unerträglich“, sagte sie. Olum war in der Vergangenheit selbst mehrfach ernsten Bedrohungen ausgesetzt. Besonders stolz zeigte sich die Radiojournalistin darüber, dass in diesem Jahr zwei Frauen mit dem Palm-Preis ausgezeichnet werden. Denn nach wie vor gebe es eine große Geschlechterungleichheit in den Medien, so Olum.

Die Bedeutung des Journalismus’ für die Demokratie hob Heiner Bielefeldt, Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg, in seinem Festvortrag hervor: Ohne das Fundament sauber recherchierter Tatsachen sei eine öffentliche Kommunikation nicht möglich. Journalistische Arbeit, insbesondere investigative, könne das kritische Vertrauen in die Demokratie stärken, weil sie Missstände aufdeckt. „Das Gerede von der Lügenpresse richtet sich paradoxerweise gegen Medien, die sich um solide Recherche bemühen“, so Bielefeldt. Dahinter stehe die Absicht, recherchierenden Journalismus insgesamt zu diskreditieren. Das sei jedoch keine schicksalhafte Entwicklung, sondern: „Wir können dagegen angehen“, erklärte der Professor – so wie Štefica Galić und Josephine Achiro Fortelo Olum es tun.

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