Der frühere Leukämiepatient Jochen Weißer trifft seinen Lebensretter Fabio Fantoli am Rande eines Fußballturniers. Dank zweier Stammzellenspenden des 29-Jährigen konnte der 53-Jährige aus Frickenhausen die Krankheit besiegen.
Ob er aufgeregt ist? Jochen Weißer schüttelt den Kopf. „Es gab schon andere Momente, da war ich nervöser“, sagt er. Als jedoch Fabio Fantoli auf ihn zugeht, läuft er los, fällt dem jungen Mann aus Bad Peterstal-Griesbach auf dem Sportplatz in Frickenhausen am Rande eines Hallenturniers des örtlichen Fußballvereins um den Hals. Er hat ihm sein Leben zu verdanken. Ohne die Stammzellen des Schwarzwälders würde Jochen Weißer heute wahrscheinlich nicht mehr leben. Im Herbst 2019 war der heute 53-Jährige aus Frickenhausen an Leukämie erkrankt – und Fabio Fantoli hat ihm zweimal seine Stammzellen gespendet.
Der junge Hobbyfußballer vom SV Bad Peterstal hatte sich erst kurz vor Weißers Erkrankung am Rande eines Ligaspiels gegen den SV Lautenbach typisieren und in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) als potenzieller Spender eintragen lassen. „Ich bin da einfach zu dieser Aktion hingegangen ohne lange nachzudenken“, erzählt der 29-Jährige. Knapp drei Monate später sei dann schon die Nachricht gekommen, dass er möglicherweise als Spender in Frage komme. „Der Anruf war für mich eine ziemliche Überraschung, die ich am Anfang kaum richtig fassen konnte“, erzählt der junge Mann am Rande des ersten Treffens mit Jochen Weißer. Nach den erfolgreichen Voruntersuchungen habe er nur noch seine Angst vor den Nadeln und vor dem Blut in den Griff kriegen müssen.
Als wäre ein Schalter umgelegt worden
Mit Erfolg! Im April 2020 war es soweit. Bei dem jungen Mann kam die periphere Stammzellentnahme zum Einsatz, die bei 90 Prozent aller Spenden angewendet wird. Das Blut wurde dazu fünf Stunden lang aus seiner rechten Armvene durch einen Filter geführt, in dem die Stammzellen zurückblieben, und fand dann den Weg durch die andere Armvene zurück in seinen Körper. Ob es schmerzhaft war? „Überhaupt nicht“, erzählt Fabio Fantoli weiter, der wegen seiner Angst vor Nadeln zuvor noch nicht einmal beim Blutspenden war. Zu diesem Zeitpunkt hatte Jochen Weißer, ein Fan und langjähriges Mitglied des 1. FC Frickenhausen, schon eine mehrmonatige Leidensgeschichte hinter sich, die im Herbst 2019 urplötzlich begonnen hatte – auf dem Weg zu seiner Arbeit. „Normalerweise bin ich täglich rund 30 Kilometer mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Das war für mich kein Problem. Aber eines Morgens war es kurz vor dem Ziel so, als wäre bei mir ein Schalter umgelegt worden“, erinnert sich der Frickenhausener Familienvater an den Tag, der sein Leben auf den Kopf stellen sollte.
Dem trainierten Radler kippte der Kreislauf weg, Fieber und Gliederschmerzen folgten. Nach der Untersuchung seines Blutbilds schickt ihn die Hausärztin ins Krankenhaus, wo sich nach weiteren Tests die schlimme Befürchtung bestätigt: Jochen Weißer hat Blutkrebs. Im März 2020 rieten ihm seine Ärzte, sich transplantieren zu lassen.
Rückschlag im September 2021
Nach der ersten Stammzellenspende ging es dem 53-Jährigen aus Frickenhausen erst einmal besser und er begann wieder zu arbeiten – bis im September 2021 der Rückschlag kam. „Die Leukämie war zurück“, erzählt er. Drei Monate später hätten ihm seine Ärzte eröffnet, ihm nicht mehr helfen zu können. „Ich habe mit meinem Leben abgeschlossen“, erinnert sich Weißer. Bei einer Routineuntersuchung seines Knochenmarks im Februar 2022 dann die große Überraschung. „Der Krebs war weg“, erzählt er. Niemand wisse warum und es gebe auch keine medizinische Erklärung dafür.
Weil sein Blutbild jedoch in einem „desolaten Zustand war“, wie Jochen Weißer erzählt, haben sich die Ärzte für einen sogenannten Stammzell-Booster entschieden und Fabio Fantoli musste noch einmal spenden. „Dieser Stammzell-Booster von Fabio hat mir das Leben gerettet“, weiß der 53-Jährige. Heute geht der Industrieelektroniker wieder seiner Arbeit nach.
Klar sei alles nicht mehr so einfach wie vor der Erkrankung. Aber mit den Nebenwirkungen komme er klar und er sei Fabio Fantoli unendlich dankbar für dessen Spenden, mit denen er „mir das Leben und Zeit mit meinen Kindern geschenkt hat“.
Für die Registrierung selbst genügt ein kleiner Abstrich
DKMS
Wer anderen Leukämiepatienten helfen und deren Leben retten möchte, kann sich auch bei der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren lassen. Das Registrierungsset kann online unter www.dkms.de bestellt werden. Für die Registrierung selbst genügt ein kleiner Abstrich mit einem Wattestäbchen im Mundraum. Danach geht das Set wieder zurück zur DKMS.
Ablauf
Vor einer möglichen Spende wird jeder noch einmal gefragt, ob er wirklich spenden möchte. In derzeit 90 Prozent aller Fälle kommt bei einer späteren Spende die periphere Stammzellentnahme (Apherese) zum Einsatz. Dabei wird wie bei einer Dialyse fünf Stunden lang über die Armvenen Blut entnommen, gefiltert und wieder in den Körper zurückgeführt. In zehn Prozent der Fälle werden die Stammzellen aus dem Knochenmark entnommen. Dazu ist ein kleiner operativer Eingriff unter Vollnarkose notwendig