Eine Ausbildung ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab. Bei Pilz in Ostfildern fallen 137 Stellen weg. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Esslingen bleibt allgemein angespannt.

Frühlingserwachen? Nicht auf dem Arbeitsmarkt. Von der üblichen saisonalen Belebung keine Spur, meldet die auch für den Kreis Esslingen zuständige Arbeitsagentur Göppingen. Die Zahl der Arbeitslosen sei nur leicht gesunken. Pressesprecherin Kerstin Fickus spricht von einer „deutlichen Verschlechterung“ gegenüber dem Vorjahr: „Der Arbeitsmarkt ist schwieriger, herausfordernder und schnelllebiger geworden, aber er ist nicht erstarrt“. Zunehmend seien junge Menschen auf Jobsuche.

 

Der Frühling hat den Arbeitsmarkt also nicht aufblühen lassen. Im Kreis Esslingen waren laut den aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur im März 14 694 Menschen ohne Job - 927 Personen oder 6,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote wird mit 4,7 Prozent angegeben. Im März des Vorjahres lag sie bei 4,4 Prozent.

Woran liegt’s? Kerstin Fickus führt die oft gehörten Gründe an – Ukraine-Krieg, Waffengänge im Nahen Osten, US-Zölle, unsichere Lage auf dem Energiesektor, Inflation, steigende Preise. Betriebe seien zurückhaltend mit Neueinstellungen, manche würden schließen, andere in die Insolvenz gehen. Besonders betroffen sei die Industrie. Anderen Branchen gehe es besser – dem Gesundheitsbereich, dem Handwerk, dem Pflegesektor oder die IT-Branche.

Eine qualifizierte Ausbildung ist von Vorteil: Doch manche junge Menschen ziehen einen besser bezahlten, aber geringer qualifizierten Job einer Lehre vor. Foto: jörn buchheim - stock.adobe.com

Jugend bietet keine Jobgarantie. Fast jeder zehnte Arbeitslose im Kreis Esslingen war im März jünger als 25 Jahre, und zwei Drittel dieser Klientel hatten keine Ausbildung, rechnet Kerstin Fickus vor. Oft würden gerade die jungen Erwachsenen lieber einen besser bezahlten, aber weniger qualifizierten Job annehmen, als eine Ausbildung zu absolvieren. Das aber sorge für schlechtere Karten bei der Jobsuche. Ein Berufsabschluss sei der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit.

Auch gut qualifizierte Arbeitnehmer sind von Jobverlust betroffen

Arbeitslosigkeit trifft laut Zahlen der Agentur aber auch gut qualifizierte Kräfte, die lange in ihrem Beruf tätig waren. 35,8 Prozent der arbeitslos Gemeldeten im Kreis Esslingen gehören zur Altersgruppe 50+. 27,1 Prozent unter ihren waren 55 Jahre und älter. Helfen können laut Kerstin Fickus drei Zauberwörter – Flexibilität, Weiterbildungsbereitschaft und noch mehr Qualifikation.

Schwierig ist die Jobsituation auch für Langzeitarbeitslose, also Personen, die seit mindestens zwölf Monaten ununterbrochen arbeitslos gemeldet sind, und ausländische Mitbürger. Sie machen 28,1 Prozent und 46,5 Prozent unter den Arbeitslosen im Kreis aus. Doch der Arbeitsmarkt bietet laut Kerstin Fickus immer noch Chancen: „In Schockstarre zu verfallen, wäre der falsche Weg. Angst und Besorgnis sind schlechte Ratgeber.“

Nicht alle jungen Leute haben einen Job: Jeder zehnte Arbeitslose im Kreis Esslingen war im März jünger als 25 Jahre. Foto: ehrenberg-bilder - stock.adobe.c

Die Jobs oder Nicht-Jobs sind innerhalb des Kreises Esslingen ungleich verteilt. Im Geschäftsstellenbezirk Esslingen der Arbeitsagentur auch mit Esslingen, Ostfildern, Denkendorf und Plochingen lag die Arbeitslosenquote im März mit 6704 Personen ohne Job bei 4,9 Prozent – vor einem Jahr waren es noch 4,8 Prozent gewesen. Im Bereich Kirchheim, zu dem auch Kirchheim, Weilheim und Dettingen gehören, wird die Quote ebenfalls mit 4,9 Prozent angegeben, im Vorjahr lag sie noch bei 4,4 Prozent.

Unterschiedliche Entwicklungen innerhalb des Kreises Esslingen

Im Bereich der Geschäftsstelle von Leinfelden-Echterdingen mit Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt sowie dem Flughafen Stuttgart waren 2 255 Personen ohne Beschäftigung. Das waren 274 Arbeitslose mehr als noch vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg damit von 3,8 Prozent 2025 auf nun 4,3 Prozent. Im Bereich Nürtingen mit Kommunen wie Wolfschlugen, Frickenhausen, Kohlberg oder Unterensingen ist die Arbeitslosigkeit von Februar auf März um 57 auf 2928 Personen gestiegen. Das waren 238 Arbeitslose mehr als im Vorjahr. Macht eine Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent gegenüber 4,1 Prozent im März des Vorjahres.