In Nürtingen hat die zweite Jobfinder-Messe für die Region stattgefunden, bei der Arbeitssuchende und Unternehmen gezielt zusammengeführt wurden. Der Anlass der Veranstaltung: der Wegfall zahlreicher Stellen beim Maschinenbauer Heller.
Die Idee ist simpel: Es gibt Menschen ohne Job, und es gibt Unternehmen, die zwar Jobs haben, aber zu wenig Personal. Die könnte man doch in einen Raum bringen. Nach diesem Prinzip hat nun in Nürtingen die Jobfinder-Messe stattgefunden. Ausgerichtet wurde sie von der Agentur für Arbeit Göppingen, vom Jobcenter Landkreis Esslingen, von der Stadt Nürtingen und dem Kreis-Bündnis Fachkräftesicherung. Mehrere Tausend Suchende waren eingeladen worden, gut 850 kamen. Eine Personengruppe hatte man bei der Konzeption der Veranstaltung besonders im Blick gehabt: die Beschäftigten der Firma Gebrüder Heller in Nürtingen. Schon im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass der Maschinenbauer mit einem deutlichen Auftragsrückgang zu kämpfen hat und Personal abbauen muss. Rund 150 Beschäftigte sind zum 1. April in eine Transfergesellschaft eingetreten. Dieser Jobverlust war nun ein konkreter Anlass für die Messe gewesen.
Kirchheim hat es im Herbst vorgemacht
Es ist ein Veranstaltungsprinzip, das im vergangenen Herbst bereits in Kirchheim erprobt worden war. Seinerzeit hatten durch die Insolvenz bei Recaro ebenfalls viele Menschen ihre Arbeitsstelle verloren, und die Agentur für Arbeit in Göppingen, die für die Kreise Esslingen und Göppingen zuständig ist, und die Stadt Kirchheim hatten sich spontan zusammengetan und eine Messe auf die Beine gestellt. 23 Firmen sowie mehr als 600 Besucherinnen und Besucher hatten damals teilgenommen. Nun gab es das Ganze eben für Nürtingen – und die dort Betroffenen. Einer von ihnen ist Julian Rohner. Sieben Jahre war der gelernte Industriemechaniker aus Frickenhausen bei Heller tätig gewesen, bis die Kündigung kam. „Für uns beide war das total überraschend“, sagte er auf der Messe und blickte zu einem Ex-Kollegen, einem 36-jährigen Zerspanungsmechaniker, den dasselbe Schicksal ereilt hat. Das Messeangebot fanden sie gelungen. „Es sind sogar Firmen da, mit denen wir während unserer Heller-Zeit zusammengearbeitet haben“, sagte Julian Rohner. Mit seinen 30 Jahren ist er nicht verzagt. Die Situation sei eben so, „da tun sich neue Türen auf“.
Positive Stimmung und viel Tatendrang wollten auch die Veranstalter versprühen. „Vier Stunden Chancen und Perspektiven“ bot die Messe nach Ansicht von Karin Käppel, der Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göppingen. „Wir wollen nicht tatenlos zusehen bei den Problemen, sondern gegensteuern“, betonte auch der Nürtinger Oberbürgermeister Johannes Fridrich. „Wir haben immer noch Fachkräftemangel“, schob er nach. Dennoch ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt aktuell angespannt. Die Frühjahrsbelebung ist ausgeblieben. Die Zahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk Göppingen hat seit Februar sogar um 1,5 Prozent auf 21 480 Personen zugenommen. Gegenüber dem Vorjahres-März waren gar 2035 Menschen mehr ohne Job. Darunter waren 13 767 Arbeitslose im Kreis Esslingen (plus 1,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat) und 7713 Arbeitslose im Kreis Göppingen (plus zwei Prozentpunkte). Die Arbeitslosenquoten betrug im Kreis Esslingen demnach im März 4,4 Prozent, im Kreis Göppingen lag sie bei 5,3 Prozent.
Aber ja, es gibt Unternehmen, die Leute suchen, manche sogar händeringend. Mehr als 40 fanden sich in Nürtingen ein, um sich potenziell Interessierten vorzustellen. Der Branchenmix: querbeet, von der Bank über einen großen Discounter bis hin zum Handwerksbetrieb oder zur Deutschen Bahn. Auch das Landratsamt Esslingen präsentierte sich als Arbeitgeber. Laut dem Landrat Marcel Musolf sind aktuell acht Prozent der Stellen unbesetzt, und weitere Lücken drohen. „Bis 2025 gehen 40 Prozent in den Ruhestand“, sagte er über sein 2500-köpfiges Team. Ebenfalls auf der Suche nach etwa 15 neuen Leute ist die Firma Kächele Vibrastop aus Weilheim. „Wir suchen dringend“, sagte Yamina Bennacer aus der Personalabteilung. Als Firma müsse man sich durchaus rühren, um auf sich aufmerksam zu machen. „Man muss etwas kreativ werden und mehr in das Persönliche reinkommen“, sagte sie. Von der Messe in Nürtingen versprach sie sich viel. Kächele sei bereits auf der Veranstaltung in Kirchheim gewesen, „dort haben die Bewerber uns überrannt“. Seinerzeit habe sie schon vor Ort 20 bis 30 Lebensläufe entgegengenommen.
Rund 40 Prozent der Recaro-Beschäftigten sind wieder in Lohn und Brot
Wie viele Bewerber und Arbeitgeber sich in Nürtingen gefunden haben, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Die Jobfinder-Premiere in Kirchheim hat im Herbst jedoch offenbart: Es geht was. Etwa 40 Prozent der 144 Recaro-Beschäftigten, die in eine Transfergesellschaft gegangen sind, arbeiten laut der Arbeitsagentur inzwischen anderswo. Grundsätzlich waren auch in Nürtingen sowohl Unternehmen als auch Gäste angetan. Hans Pietschmann, in Kirchheim Kursleiter bei der Deutschen Angestellten-Akademie, einem Weiterbildungsunternehmen, war mit gut 15 Jobsuchenden gekommen und lobte: „Ich finde die Messe sehr gut, weil sie die Möglichkeit gibt, sich auf Augenhöhe zu begegnen und nicht unter dem Druck eines Vorstellungsgesprächs.“
Eine Messe pro Quartal geplant
Turnus
Zwei Jobfinder-Messen hat die Agentur für Arbeit Göppingen bereits gemeinsam mit Stadtverwaltungen und anderen Akteuren in der Region ausgerichtet, das Ganze soll nun verstetigt werden und künftig etwa einmal im Quartal stattfinden. Einige der nächsten Termine stehen bereits fest.
Termine
Am 1. Juli wird eine Messe im Stadthaus in Ostfildern im Stadtteil Scharnhauser Park steigen, für Oktober ist etwas in Göppingen geplant, der Termin ist allerdings noch nicht fix. Fest steht indes bereits, dass am 26. November in Filderstadt ebenfalls eine Jobmesse sein soll. Anfang 2026 soll es im Kreis Esslingen weitergehen.