Joachim Löw (links) hat Thomas Schneider als Co-Trainer zum DFB-Team geholt. In der Bilderstrecke werfen wir einen Blick auf die Karriere des ehemaligen VfB-Spielers und -Trainers Schneider. Foto: dpa/AFP, Montage StZ

Bei der Suche nach einem Nachfolger für Hansi Flick hat sich Joachim Löw für einen alten Bekannten entschieden: für Thomas Schneider, seinen früheren Spieler beim VfB. Es ist also das nächste Stuttgarter Duo, nachdem Löw selbst 2004 von Jürgen Klinsmann zum DFB geholt worden war.

Düsseldorf - Auch ein Weltmeistertrainer lebt nicht ausschließlich auf der Sonnenseite. Seinen Espresso im Kaffeehaus, so berichtet Joachim Löw, müsse er zumindest in der Regel noch immer selbst bezahlen. Und auf seinem Schreibtisch im Schwarzwaldort Wittnau stapelt sich auch gut sieben Wochen nach dem WM-Triumph ein Berg unerledigter Post. Er sei noch nicht dazugekommen, sagt der Bundestrainer, schließlich habe er den Erfolg auch „maximal genießen“ wollen.

Eine Aufgabe aber hat Löw vor der Neuauflage des WM-Finals am Mittwoch gegen Argentinien in Düsseldorf (20.45 Uhr/ZDF) erfolgreich abgehakt: die Wahl seines neuen Assistenten. Bei der Suche nach einem Nachfolger für den zum DFB-Sportdirektor beförderten Hansi Flick hat sich der Bundestrainer für einen alten Bekannten entschieden: für Thomas Schneider, seinen früheren Spieler beim VfB. Es ist also das nächste Stuttgarter Tandem, nachdem Löw selbst 2004 von Jürgen Klinsmann zum DFB geholt worden war.

Von 1996 bis 1998 haben sie beim VfB zusammengearbeitet, Löw als junger Chefcoach, Schneider als aufstrebender Verteidiger, den allein Verletzungen daran hinderten, „eine große Karriere zu machen“, wie Löw sagt. DFB-Pokalsieger sind sie gemeinsam geworden und haben im Jahr darauf das Europacupfinale erreicht – es war eine der erfolgreichsten Zeiten in der jüngeren VfB-Geschichte. Dann trennten sich die Wege wieder, weil Löw dem damaligen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder nicht glamourös genug war. „Wir haben uns aber über die Jahre nie aus den Augen verloren“, sagt Schneider nun.

Der Vertrag von Schneider läuft ebenfalls bis 2016

Schon damals, so sagt der neue Assistent, „habe ich gemerkt, dass wir sehr ähnlich über den Fußball denken“. Als „große Herausforderung“ empfindet der 41-Jährige die neue Aufgabe, er fühlt sich „sehr geehrt“ und ist „der Überzeugung, dass wir uns sehr gut ergänzen und optimal zusammenarbeiten werden“. Das gelte auch für den Teammanager Oliver Bierhoff und den Torwarttrainer Andreas Köpke.

Dass die Chemie innerhalb der sportlichen Leitung stimmt, daran hat auch Joachim Löw keinen Zweifel. Schneider passe „sehr gut zu uns“, er werde sich „wunderbar in unser Team einfügen“, sagt der Bundestrainer und ist „von seinen menschlichen Qualitäten und seinen Fähigkeiten als Trainer zu hundert Prozent überzeugt“.

Schon seit Monaten stand fest, dass Löw einen neuen Assistenten braucht. „Ganz bewusst“ habe er sich vor und während der WM mit diesem Thema nicht beschäftigt und sich erst nach dem Titelgewinn Gedanken gemacht. Auf der Suche nach einer „ähnlich guten Konstellation wie mit Flick“ hat Löw „verschiedene Erkundigungen“ eingeholt und „intensive Gespräche“ mit verschiedenen Kandidaten wie dem U-19-Europameistertrainer Marcus Sorg geführt. Bei Schneider hat der Bundestrainer am Ende offenbar das beste Gefühl gehabt. Am Montag folgte die endgültige Einigung mit dem VfB-Eigengewächs, dessen Vertrag beim DFB wie jener von Löw bis zur Europameisterschaft 2016 läuft.

Löw hat den Weg seines Ex-Schützlings verfolgt

Schon seit Jahren, sagt Joachim Löw, beobachte er Thomas Schneiders Weg als Trainer, der beim FC Dingolfing begonnen hat: „Er ist mir sehr positiv aufgefallen.“ Die gute Ausbildung, der Erfolg, den Schneider mit der U 17 des VfB Stuttgart hatte, mit der er Deutscher Meister wurde, der Umgang mit jungen Spielern und „die sehr vernünftigen und nachvollziehbaren Ansichten vom Fußball“, die mit seinen übereinstimmen – all das hat Löw die Entscheidung am Ende einfach gemacht: „Thomas ist ein starker Charakter und hat eine eigene Meinung.“

Auch Schneider musste bei diesem Angebot vermutlich nicht lange nachdenken. Verunglückt war sein Einstand als Profitrainer beim VfB. Als Nachfolger von Bruno Labbadia wurde er vor fast genau einem Jahr vom Jugend- zum Chefcoach ernannt, sollte junge Spieler einbauen und tat dies auch. Weil jedoch auch unter ihm der Erfolg ausblieb, wurde er nur ein gutes halbes Jahr später schon wieder gegen Huub Stevens ausgetauscht. Nun hat er die Möglichkeit, auf die Fußballbühne zurückzukehren – diesmal sogar auf die ganz große.

Gegen Argentinien und im ersten EM-Qualifikationsspiel am Sonntag in Dortmund gegen Schottland (20.45 Uhr/RTL) wird Schneider noch nicht auf der deutschen Trainerbank sitzen. Seinen Einstand wird der neue Assistent erst beim Doppelspieltag im Oktober in Polen und gegen Irland feiern. „Dann habe ich genügend Vorlauf, um mich auf die anstehenden Aufgaben intensiv vorzubereiten“, sagt Thomas Schneider und freut sich „schon jetzt sehr darauf, alle Spieler und das gesamte Team hinter dem Team kennenzulernen“.

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