Joachim Król im Hospitalhof, neben sich ein Poträt des jungen Król. Foto: Lichtgut/Michael Latz

Schauspieler Joachim Król hat zugunsten der Telefonseelsorge im Hospitalhof aus autobiografischen Texten gelesen und mit links den Saal gefüllt. Dabei überzeugte Król nicht nur mit seinem Humor.

Stuttgart - Dass Joachim Król als Filmschauspieler das humoreske Fach beherrscht, wissen seine Fans, seit er mit Detlev Bucks „Wir können auch anders“ 1993 einem breiteren Publikum bekannt wurde. Zuletzt war er in der Rolle des Opa Willi, in der Kinoverfilmung von Hape Kerkelings Autobiografie „Der Junge muss an die frische Luft“ von Oscar-Regisseurin Caroline Link zu sehen. Króls Begabung, Ereignisse und Erfahrungen aus seinem Leben, in kurze, meist ziemlich amüsante Prosa zu gießen, ist weniger bekannt.

Einblick in diese unbekannte Seite des Theater- und Filmschauspielers gewährte Król anlässlich des Auftakts der jährlich stattfindenden Benefiz-Veranstaltungsreihe zugunsten der evangelischen Telefonseelsorge Stuttgart am Sonntagabend im Hospitalhof. Auch wenn Króls Texte noch gar nicht veröffentlicht, geschweige denn bekannt sind – den Saal füllte der im westfälischen Herne geborene Schauspieler dennoch mit links. Eine Tournee-Pause hat es möglich gemacht.

Ängst und Unsicherheiten eines Schauspielers

„Als ich gehört habe, wie viele Menschen, die Telefonseelsorge anrufen, war ich geschockt“, erklärte Król seinen Beweggrund, weshalb er auf Anfrage sofort bereit gewesen sei, den Abend zu bestreiten. Rund 20 000 Mal im Jahr werde die Hilfe der Telefonseelsorge in Anspruch genommen, hinzu kämen unzählige Gespräche im Chat der Telefonseelsorge sowie per E-Mail, erfahren die Zuhörer vor Beginn des Abends, durch den der einstige SWR1-Moderator Stefan Siller geführt hat. Ein vergnüglicher Abend also zugunsten einer ernsten Sache? Sicher. Aber Joachim Króls Humor ist sowohl auf der Leinwand als auch in seinen Texten stets auch etwas Brüchiges zu eigen. Wenn er in seinen Prosastücken von seinen Anfängen als Schauspieler erzählt, scheinen hinter den witzigen Anekdoten immer auch die Ängste und Unsicherheiten durch, die den jungen Bergmannsohn aus Herne auf seinem Weg begleiteten. Król macht deutlich, dass ihm die Schauspielerei nicht in die Wiege gelegt war. Und wenn er in den frühen 1970er-Jahren im Hippie-Look durch die Straße seines Wohnviertels ging, „standen alle hinter den Gardinen und beobachteten mich“. Den jungen Joachim Król mit noch langen Haaren stellt sich der Schauspieler an diesem Abend als Fotografie zur Seite.

Er spielt den Lesenden

Erinnerungen. Auch daran, dass seine große Sehnsucht schon bald das Schauspielhaus im nahen Bochum war, wo zu dieser Zeit der Regisseur Peter Zadek Theatergeschichte schrieb. „Bis dahin hatte das Schauspiel aber nur in meinen Gedanken stattgefunden“, gesteht Król.

An diesem Abend liest er weniger, als dass er den Lesenden spielt. Es sind vor allem die punktgenau platzierten Gesten, die dem Vortrag seine komödiantische Note verleihen. Doch in Król steckt natürlich auch ein Schalk, der auch auf die absurdesten Seiten seines Berufs mit Humor blicken kann. So etwa, wenn ihm Menschen auf den Straßen Kölns, wo er heute lebt, begegnen und ihm ungefragt versichern, es würde sie „wahnsinnig machen, ständig erkannt und angesprochen zu werden“. Der sympathische Schauspieler kann darüber lachen – und sein Publikum dankt es ihm.

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