João Gilberto (1931-2019) bei einem Auftritt im Jahr 2004 Foto: dpa

Mit seiner Interpretation von „The Mädchen aus Ipanema“ machte João Gilberto die moderne Mischung aus Samba und Jazz auf der ganzen Welt berühmt. Zuletzt lebte er krank und verschuldet in seiner Wohnung in Rio. Nach seinem Tod huldigen ihm viele Weggefährten.

Rio de Janeiro - Der legendäre brasilianische Sänger und Gitarrist João Gilberto ist tot. „Mein Vater ist gestorben. Sein Kampf war edel. Er hat versucht, seine Würde zu bewahren, während er seine Eigenständigkeit immer weiter verlor“, schrieb sein Sohn João Marcelo Gilberto am Samstag auf Facebook. Nach Angaben des Nachrichtenportals G1 starb Gilberto am Samstag im Alter von 88 Jahren in seiner Wohnung in Rio de Janeiro.

Der Musiker galt als der Vater des Bossa Nova. Durch seine Interpretationen von „Das Mädchen aus Ipanema“ und „Chega de Saudade“ (Nie mehr Sehnsucht) gelangte er zu Weltruhm. Zuletzt lebte er Medienberichten zufolge schwer krank und hoch verschuldet in Rio de Janeiro.

Die Unesco würdigt Gilberto mit einer Schweigeminute

„João Gilberto ist von uns gegangen, das größte Genie der brasilianischen Musik“, schrieb die Sängerin Gal Costa auf Instagram. „Er wird sehr vermisst werden. Sein Erbe hat eine große Bedeutung für Brasilien und die Welt.“ Die Unesco, Weltkulturorganisation der Vereinten Nationen, würdigte Gilberto am Sonntag auf ihrer Welterbe-Tagung in Baku (Aserbaidschan) mit einer Schweigeminute.

Gilberto brach mit 16 Jahren die Schule ab und zog nach Salvador, um Musik zu machen. Später ging er nach Rio de Janeiro und schloss sich dort der Gruppe Garotos da Lua an. Zwar nahm er bereits damals einige Singles auf, allerdings war er als Musiker größtenteils erfolglos, bis er den typischen Rhythmus des Bossa Nova erfand. Bei der „Neuen Welle“ der brasilianischen Musik handelte es sich um eine moderne Mischung von Samba und Jazz. Für die Arrangements seiner Lieder arbeitete er auch immer wieder mit dem deutsch-amerikanischen Komponisten Claus Ogerman zusammen.

Erfolg mit „Das Mädchen von Ipanema“

Als erster großer Bossa-Nova-Hit gilt „Chega de Saudade“, das von Antônio Carlos Jobim und Vinícius de Moraes geschrieben und von Gilberto interpretiert wurde. Mit seiner Album-Trilogie „Chega de saudade“ (1959), „O amor, o Sorriso e a Flor“ (1960) und „João Gilberto“ (1961) machte er den Bossa Nova auch außerhalb von Brasilien populär.

„Das Mädchen aus Ipanema“ beispielsweise wurde zunächst von Gilbertos Frau Astrud auf Portugiesisch eingesungen, später aber ins Englische übersetzt und von zahlreichen Künstlern interpretiert, darunter von Frank Sinatra. Für sein Werk wurde Gilberto mit zwei Grammy-Awards ausgezeichnet, sechsmal war er nominiert.

„Das ist ein monumentaler Verlust, nicht nur für den Bossa Nova, sondern für die gesamte brasilianische Musik“, sagte der Journalist und Bossa-Nova-Experte Ruy Castro im Fernsehsender Globo TV. Der Sänger Caetano Veloso sagte: „Für mich war João Gilberto der größte Künstler überhaupt.“

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