Joanne K. Rowlings Privatdetektive: Robin Ellacott (Holliday Grainger) und Cormoran Strike (Tom Burke) Foto: BBC/Steffan Hill Foto:  

Der Privatdetektiv Cormoran Strike, ist der zerknautschte Held der Krimis, die Harry-Potter-Autorin Joanna K. Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith geschrieben hat. Die BBC-Verfilmung der ersten drei Romane ist jetzt bei Sky zu sehen. Und die Serie ist wirklich sehenswert.

Stuttgart - Er ist ein Trinker und notorisch pleite, ungewaschen, unrasiert. Einer der meistens verkatert in seinem zugemüllten Büro schläft. Die Platzwunde an seiner Lippe könnte von einer Schlägerei oder einem Aschenbecher stammen. So ganz ­genau weiß er das nicht, woher er das Hinken kommt, dagegen schon: Sein linkes Bein hat er bei einem Einsatz als Soldat in Afghanistan verloren.

Wenn man es unbedingt darauf anlegen möchte, Gemeinsamkeiten zwischen dem Privatdetektiv Cormoran Strike und dem Zauberschüler Harry Potter zu finden, die beide Erfindungen der britischen Autorin Joanne K. Rowling sind, dann ist es diese offensichtliche Versehrtheit, dass beide augenscheinlich von ihrer Vergangenheit gezeichnet sind. Bei Harry Potter ist es die Narbe im ­Gesicht, die ihn stets daran erinnert, was Voldemort seinen Eltern und ihm angetan hat, bei Strike ist es der Beinstumpf, der ihn nie vergessen lässt, wie sehr sein Leben verpfuscht ist.

Eher Philip Marlowe als Harry Potter

Doch vor allem hat sich Rowling, die bisher drei Cormoran-Strike-Romane unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht hat, bei ihrem zerknautschen Ermittler an den Privatdetektiven der Hard-Boiled-Krimis Raymond Chandlers oder Dashiell Hammetts orientiert. Das zeigt die BBC-Serienumsetzung, die aus sieben einstündigen Episoden besteht. Rowling selbst hat die Drehbücher geschrieben. „Der Ruf des Kuckucks“ (2013) umfasst drei, „Der Seidenspinner“ (2014) und „Die Ernte des Bösen“ (2015) machen jeweils zwei Episoden aus.

Comoran Strike (Tom Burke) erweist sich in der Serie, die jetzt auf Sky verfügbar ist, als eine britische Version von Sam Spade und Philip Marlowe – nicht ganz so rüde, dafür ein bisschen mehr zerknittert. Als einer, der lieber Selbstgespräche mit seiner Beinprothese führt, als sich wirklich mit Menschen einzulassen, und der sich deshalb auch erst schwer damit tut, sich den Namen seiner neuen Assistentin zu merken. Und dass, obwohl die erste Begegnung fast tödlich endet: Strike stößt Robin ­Ellacott (Holliday Grainger) zur Begrüßung versehentlich die Treppe herab und bekommt sie gerade noch im letzten Moment zu fassen. Doch die energische Frau, die sich ein bisschen zu sehr über den Verlobungsring an ihrem Finger freut und bisher alles außer ihrem Psychologiestudium erfolgreich zu Ende gebracht hat, wird den Vorfall schnell vergessen und Ordnung in Strikes Büro und Leben bringen.

Die Briten lieben es gemächlich

Das Fernsehen liebt brüchige Ermittlertypen wie Comoran Strike und komplexe, auf gesellschaftliche Konflikte ­reagierende Krimiplots wie jene, die Rowling in den bisher drei Strike-Romanen (der vierte namens „Lethal White“ soll noch 2018 erscheinen) erzählt. Wer ­jedoch US-Serienkrimis gewöhnt ist, muss sich auf das gemächliche Erzähltempo der britischen Serie erst gewöhnen. „Der Ruf des Kuckucks“ der die Hauptfiguren anhand ihres ersten Falls beruflich zueinander finden lässt, wird zu einem auf drei Stunden aufgeblähten Serienpiloten, dessen Handlung auch ohne große Verluste auf eine Dreiviertelstunde verknappt hätte werden können. In diesem ersten Fall geht es um den Tod eines Models. Die Polizei glaubt an Selbstmord. Doch Strike soll nach Spuren suchen, die auf einen Mord hinweisen. Und zusammen mit Ellacott wird er diese finden und sich mit einem reichen Familienclan anlegen. In „Der Seidenspinner“ geht es um einen Schriftsteller, der Opfer eines brutalen Ritualmords wird – eines Mords, den jener in seinem letzten, noch nicht veröffentlichten Roman genau so beschrieben hat. In „Die Ernte des Bösen“ schließlich wird Strike, nachdem ein Mädchen ermordet wurde, selbst zum Verdächtigen und muss sich seiner eigenen Vergangenheit stellen.

Tolles Ermittlerteam: Burke und Grainger

Krimiplots sind nicht wirklich Rowlings Stärke. Das merkt man den Drehbüchern an. Immer wieder verheddern sich die Ermittlungen in Details, die ins Leere führen. Was „Strike“ aber sehenswert macht, sind die beiden ungleichen Hauptfiguren – grandios gespielt von Burke und Grainger. Zwischen den beiden entsteht eine wunderbare Spannung, ihre Vorgeschichten werden behutsam in die Handlung eingearbeitet – da ist Strike, der den Selbstmord seiner Mutter und seine Erlebnisse in Afghanistan nie überwunden hat, da ist Ellacott, die ihr eigenes Trauma mit sich herumschleppt und weit mehr als Strikes Assistentin sein will – und in ihrem Arbeitseifer ihre eigene Hochzeit aufs Spiel setzt

Die ersten drei Folgen von „Strike“ sind auf Sky Ticket, Sky Go und Sky On Demand abrufbar. Sky Atlantic strahlt die Serie immer donnerstags um 21.15 Uhr aus.
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