Denise Hasler (vorn) und Sebastian Brummer (im Hintergrund) im Demokratie-Stück „Die Bademattenrepublik“. Foto: Jes

Theater-Abenteuer in der Schulturnhalle: Das mobile Jes-Mitmach-Stück „Die Bademattenrepublik“ ist ein Blitzkurs in Demokratie für Grundschüler.

Stuttgart - Alles darf, nix muss. Das ist das Motto der Bademattenrepublik. Eine ziemlich pathetische Nationalhymne gibt es auch schon, und Gesetze: „Jeder und jede hat eine Stimme und bestimmt mit“, lautet eines davon. Genau darum geht es auch in dieser Stückentwicklung des Jungen Ensembles Stuttgart (Jes) : Um die Stimmen von Kindern und wie sie sich Gehör verschaffen können. Die Inszenierung der „Bademattenrepublik“ unter der Regie von Frederic Lilje und Grete Pagan hat kürzlich in der Turnhalle der Wilhelmsschule Premiere gefeiert.

Denn weil dieses Theaterstück Mitbestimmung nicht nur vorführen will, sondern Kinder ab acht zu Mitspielern macht, kommt das Jes-Team direkt zu den Schülern. Die Turnhalle wird dabei nicht zur Bühne für wenige, sondern für alle. Nur zuschauen und Beifall klatschen, das wäre bei dieser spielerischen Auseinandersetzung darüber, wie Demokratie ganz praktisch funktioniert, entschieden zu wenig.

Wörter verschwinden aus dem Wortschatz

Denise Hasler und Sebastian Brummer sind die Antreiber in diesem rasanten Turnhallen-Parcours. Im Stück heißen sie Valeska und Erol und nehmen die Viertklässler ab der ersten Minute in Beschlag. „Habt ihr den Brief gelesen, den wir euch letzte Woche geschrieben haben? Dann wisst ihr also, dass ihr furchtlos sein müsst. Und habt ihr auch Eure Ausweise mit, do you have your passports?“ In der Umkleide werden die Schülerinnen und Schüler blitzschnell zur Gemeinschaft beschworen, die auch mal Regeln übertreten muss.

Haslers und Brummers Energie und Ernsthaftigkeit zeigen Wirkung – kein Gekicher, alle machen mit. Erst wird die Präsidentin mittels Badematten gewählt, und dann wird es schon brenzlig: Die Republik ist bedroht; Außerirdische sind dabei, die Stimmen der Bürgerinnen und Bürger abzusaugen. Deshalb kann Valeska beim Bäcker nicht mehr sagen, dass sie einen Knautzen mit . . . haben will. Das Wort Nuss ist schon aus ihrem Wortschatz verschwunden.

Die Aliens kommen zwar nicht in die Turnhalle, ihre Botschaften aber schon. Dafür gibt es den „Weltraumempfänger“, ein irres Teil mit vielen Bildschirmen, Antennen und Lautsprechern, das Magie und verzerrte Stimmen in die Turnhalle bringt. Wie können die Bewohner der Bademattenrepublik verhindern, dass ihnen die Stimme genommen wird, die die Aliens für ihren Energiehaushalt brauchen? Wer hat eine Idee? Die Schülerinnen und Schüler haben viele – zum Beispiel das Geräusch von Windrotoren aufnehmen und dieses statt der Stimmen ins All schicken.

Das Ende der Geschichte steht fest

An dieser Stelle stößt das Prinzip des Partizipations-Theaters an seine Grenzen: Denn so gut manche Vorschläge der Kinder sind, umgesetzt werden sie nicht. Das Ende der Geschichte ist festgeschrieben. Die Handlung geht nur auf, wenn sich Valeska und Erol mit ihrer Strategie durchsetzen. Weil die beiden so dermaßen schlagfertig und improvisationsgeschult agieren, fällt das den Schülerinnen und Schülern vermutlich erst in der Nachbesprechung auf.

Das Tempo der Inszenierung ist rasant, die Spannung lässt nie nach, und die Schüler bleiben bei diesem ideenreichen und auch humorvollen Demokratie-Blitzkurs ständig in Bewegung – mit dem Kopf und mit dem Körper. Die kurze Lektion am Ende, die Valeska und Erol an der Stehtafel erteilen, hätten sie sich getrost sparen können. Denkstoff haben die beiden vierten Klassen der Wilhelmsschule da sowieso schon genug bekommen.

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