Stimmgewaltig: Jens Heckermann Foto: Bernd Epple

Jens Heckermann zeigte, dass er nicht nur a cappella kann. Er kann: eigene Songs mit viel Gefühl und versiertem Gitarrenspiel und facettenreicher Stimme – da braucht es keine Begleitband.

Ein Kauz ist ein schräger Singvogel – zumindest, wenn er Jens Heckermann heißt und vorrangig mit dem A-cappella-Quintett Füenf die großen Bühnen im deutschsprachigen Raum rockt. Dass es auch alleine geht, wenn sich Bühne und Publikum auf einer Ebene in der wohnzimmerartigen Wohlfühloase befinden, durften nun rund 20 Besucher im Blauen Haus erleben. Mit seinem Künstlernamen „Kauz“ war Heckermann angekündigt und den ausgebliebenen Gästen war wohl nicht bewusst, dass sich Jens alias Pelvis von Füenf dahinter verbirgt. Das könnte eine Erklärung für das recht übersichtlich besetzte „Wohnzimmer“ gewesen sein. Die, die gekommen waren, durften sich auf eine Stimme der Extraklasse freuen. Kauz, selbst ist Profi genug, dass ihn ein leeres Rund nicht aus der Fassung bringen kann. „Ich freu mich für jeden, der da ist“, begann er denn auch seinen zweistündigen Auftritt.

 

Dieser war so gestrickt, als säße man am Lagerfeuer, wo einer die Klampfe rausholt und singt; mit dem Unterschied, dass man solche Stimmen wohl kaum dort finden würde. Lagerfeuer und County-Musik, da führt kein Weg daran vorbei: Also durfte Hank Williams‘ „ I’m so lonesome, I could cry“ aus dem Jahre 1949 den Auftakt machen. Man konnte den einsamen Cowboy förmlich über die Prärie reiten sehen.

Danach hieß es: Melancholie adé. „Ushanana“ singen die Gäste beim Refrain mit, als Kauz den Frauenaufreißer mit „dem blödesten Lied, das ihm einfällt“ gab. Mit Alela Dianes „Pirate’s Gospel“ und dem irischen Liedermacher Foy Vance war dann jedoch erst mal Schluss mit Lagerfeuer-Romantik, und Kauz packte seine erste eigene Nummer aus. „Wenn ich dich so seh“ ist die Begegnung des im Menschen verankerten schutzgebenden Gemeinschaftssinns mit der modernen Welt.

Weitere Heckermann-Nummern folgten; immer wieder zwischen Lagerfeuer-Standards eingestreut und viele mit sozialkritischem Anstrich. „Jeder der noch das Feuer der Wildheit der Menschen in sich spürt und um seine Anteile als Naturwesen trauert, findet hier Trost und Spaß in seinen Betrachtungen und schrägen Beurteilungen unserer Zivilisation“ ist auf seiner Homepage zu lesen. Die Authentizität seiner Songs und die Urkraft, die sich in seiner Stimme ausdrückt, belegen das. Seiner Vokalkunst scheinen keine Grenzen gesetzt. Der sympathische Gesangscoach, etwa für Hartmut Engler von Pur, intoniert astrein mit fesselndem Timbre in allen Tonlagen, sei es mit Falsettstimme, Ober- oder gutturalen Untertönen (Tuwa).

Bob Marley, Bruce Springsteen und viel Lagerfeuer

Neben seinen eigenen Kompositionen, Bruce Springsteen, Tom Waits und Chris Stableton („Tennessee Whiskey“) kamen auch Bob Marley („No Woman no cry“) und Robert Johnson („Sweet Home Chicago“) zu Wort, oder besser gesagt zu Song. Mit letzterem bekundete Kauz seine große Liebe zu Reggae und Blues.

Überraschend, wie passend er seine Stimme mit versiertem Gitarrenspiel unterstrich, kennt man ihn doch in erster Linie als stimmgewaltigen A-capella-Sänger, wo er bereits mehr als 2000 Konzerte in ausverkauften Hallen gab. Ihn auf den Sänger eines Vokalensembles zu reduzieren, würde ihm keinesfalls gerecht werden. Auf seinem Debut-Album „Uocha Naoah“ tritt er den Beweis an. Auf der reggaelastigen CD ist Heckermann nicht nur mit Gitarre und Stimme zu hören, sondern erweist sich als Multiinstrumentalist. Im Blauen Haus kam er überaus entspannt rüber, womit er voll den Nerv der kleinen Fangemeinde traf. So unterstrich auch Besucherin Erika Priem aus Böblingen: „Ich bin begeistert von solch einer Vielseitigkeit. Das Blaue Haus ist immer gut für eine Überraschung und eine Adresse, die sich auf jeden Fall lohnt.“