Marty Balin im Jahr 2016 bei der Verleihung der 58. Grammy Awards in Los Angeles Foto: dpa

Wer in den Achtzigern schon einen Radioknopf bedienen konnte, kennt wahrscheinlich den Hit „Hearts“ von Marty Balin. Zuvor hatte der nun mit 76 Jahren gestorbene Sänger und Songschreiber mit der Band Jefferson Airplane die Hippie-Ära geprägt. Wir stellen ihn und einige seiner Hits vor.

San Francisco - Wer eine Liste der großen Schnulzen der Achtziger zusammenstellt, kommt an dem gekonnt dahingejammerten „Hearts“ von Marty Balin aus dem Jahr 1981 kaum vorbei. Aber Balin, der sich als ziemlicher Könner angerauten Schmusepops erwies, hatte da längst ganz andere Musikgeschichte geschrieben. Der nun am 27. September 2018 im Alter von 76 Jahren verstorbene Balin war einer der Sänger, Songschreiber und Mitbegründer der Rockband Jefferson Airplane gewesen, der psychedelischen Hippie-Band schlechthin.

Was sich heute so leicht hinschreibt und den Glanz der ewigen Pop-Ruhmeshalle verstrahlt, war damals Elternhorror pur. Die Texte, die wabernden Gitarrenklänge, das lasziv umhertaumelnde Timing von Songs wie „White Rabbit“ machte klar: Hier wurden musikalische Besichtigungsreisen durchs Land der Drogenerfahrungen unternommen.

Geplatzte Hippie-Träume

Im Vordergrund stand bei Jefferson Airplane fraglos die Stimme der Sängerin Grace Slick, aber Balins Tenor bildete ein passendes Gegengewicht. Wobei Jefferson Airplane, die beim legendären Woodstock-Festival neben Janis Joplin, Jimi Hendrix und The Who auftraten, ein schönes Beispiel für die Unhaltbarkeit der Hippie-Illusion lieferten, gerade breche ein Zeitalter allgemeinen Liebhabens heran. Einige Bandmitglieder gingen einander schwer auf die Nerven, Balin verließ die Gruppe 197o im Grimm. 1974 aber, als die schlimm zerrüttete Band unter dem Namen Jefferson Starship mit neuen und alten Mitgliedern einen Relaunch hinlegte, kam Balin für einige Jahre wieder mit an Bord.

Dass die Band nun viel weniger nach verräucherter Aussteigernächten klang, sondern eleganten, tanzschultauglichen Mainstream-Pop wie Balins „Miracles“ lieferte und eine der Größen des Stadionrocks wurde, sahen ein paar alte Fans natürlich als Verrat. Balin dürfte über solches Festhaltenwollen am Status Quo gelächelt haben. Ursprünglich hatte er Maler werden wollen, dann war er am Broadway als Musicalsänger gelandet, war in die Folkrockszene gewechselt und hatte mit Jefferson Airplane den nächsten Wechsel vollzogen. Wo andere über Kommerzialisierung schimpften, sah er wohl Gefühlsreifung und Interessenverlagerung. Auf Youtube findet man Stationen seines musikalischen Werdegangs:

1.) Jefferson Airplane: „Come up the years“ (1966)

2.) Jefferson Airplane: „Comin’ back to me (1967)

3.) Jefferson Starship: „Miracles“ (1975)

4.) Marty Balin: „Hearts“ (1981)

5.) Marty Balin: „Atlanta Lady“ (1981)

6.) Marty Balin: „Summer of Love“ (live 2014)

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