Wencke Myhre (links oben), hier bei einer Fernsehsendung vor einigen Jahren, kommt am 11. Juli zu einem „Wohnzimmerkonzert“ in die Fellbacher Schwabenlandhalle. Rechts oben das Duo Symbio, das bei „Midsommar“ am 21. Juni im Rathausinnenhof spielt. Links unten Kari Heimen aus dem hohen Norden Norwegens, daneben das Krupka Trio mit Chorälen im Jazzstil. Foto: dpa

Der 8. Europäische Kultursommer verspricht von Mai bis Juli ein „Fest der nordischen Königreiche“. Skandinavisches Lebensgefühl bieten die Gastländer Dänemark, Schweden und Norwegen.

In Fellbach (Rems-Murr-Kreis) zieht bald und über Monate hinweg „Hygge“ ein, und wer sich die jeweiligen Künstler, Organisten, Autorinnen, Heavy-Metal-Sänger, Adels-Expertinnen und Interpreten mit dem passenden Grußwort willkommen heißen möchte, darf das „Hallo“ in der jeweiligen Fremdsprache so aussprechen: „Hej“, „hei“ oder „heisan“. Also auf Dänisch, auf Schwedisch oder auf Norwegisch.

 

Anlass hierfür ist der Europäische Kultursommer, den die Stadt Fellbach seit 2001 alle drei Jahre veranstaltet – mit dem Ziel, die kulturelle Vielfalt Europas erlebbar zu machen und damit den europäischen Zusammenhalt zu stärken.

Fast drei Monate volles Programm

Nach Frankreich im Jahr 2023 richtet sich 2026 nun der Blick nach Norden, denn in diesem Frühsommer sind eben Dänemark, Schweden und Norwegen die Gastländer in der Stadt am Fuße des Kappelbergs. Die Organisatoren kündigen einen „Sommer der nordischen Königreiche“ an.

Und dass Kulturamtsleiterin Maja Heidenreich und ihr kleines Team ein exquisit besetztes und in Qualität wie Quantität beeindruckendes Programm auf die Beine gestellt und Könner ihres jeweiligen Fachs an Land gezogen haben, lässt sich beim Blick aufs Programm schnell konstatieren. Bald jeden Tag in den knapp drei Monaten von der Eröffnung am 9. Mai bis zu kurz vor den Sommerferien lockt ein hochkarätiges Event nach dem anderen.

Insgesamt sind es bei diesem mittlerweile 8. Europäischen Kultursommer nach Heidenreichs Angaben rund 50 verschiedene Veranstaltungen – Konzerte, Lesungen, Vorträge, Vernissagen oder Workshops. In den elf Wochen bis zum Finale am 25. Juli können die Besucherinnen und Besucher all das erleben, was das skandinavische Lebensgefühl ausmacht: Gemütlichkeit, Wohlbefinden, klares Design und die Freude daran, Dinge zu gestalten. Das Festival möchte dazu einladen, die Vielfalt der Musik, Literatur, Kunst und Kulinarik der drei nordischen Gastländer zu erleben.

Ein Highlight des vielfältigen Programms bildet das Konzert mit der bekannten norwegischen Schlagersängerin und Entertainerin Wencke Myhre. In einem exklusiven, intimen Wohnzimmerkonzert zeigt sie am 11. Juli im Uhlandsaal der Schwabenlandhalle neue musikalische Facetten. Dazu erzählt die mittlerweile 79-Jährige, die sich bereits 2006 ins Goldenen Buch der Kappelbergstadt eingetragen hatte, Anekdoten aus sieben Jahrzehnten Showbusiness und gewährt dem Publikum besondere Einblicke hinter die Kulissen eines bunten Lebens.

Angesichts der Entfernungen gestaltet sich die Anreise für die Künstlerinnen und Künstler etwas schwieriger als beim Vorgängerland Frankreich. Angesichts der generellen Fellbacher Sparbemühungen ist das Budget begrenzter als bisher, wobei das Kulturamt einige finanzielle Kooperationspartner gewinnen konnte. Im Übrigen, so versichert Heidenreich bei einem Pressegespräch: „Der Kultursommer wurde von der Stadt nie in Frage gestellt.“

Sicher eine Rolle gespielt haben die Kosten beim großen Eröffnungsfest am 9. Mai, das dieses Mal nicht in der riesigen Alten Kelter, sondern im Uhlandsaal der Schwabenlandhalle stattfindet. Der Vorteil: Dort kann an dem Abend länger gefeiert werden als in der Alten Kelter.

Im Mittelpunkt des Fests steht die dänische Band Phønix, die Folkmusiktradition in moderner Interpretation präsentiert. Kari Heimen aus Sápmi, dem Land der Küstensamen im hohen Norden Norwegens, verkörpert den Joik der Samen, eine der ältesten und kraftvollsten Gesangstraditionen Europas.

Hier noch ein paar weitere Highlights aus dem Programm:

  • Am 5. und 6. Juni gibt es einen zweitägigen Jazzgipfel. Das norwegische Krupka Trio liebt die Kirchenliedertradition und lässt am 26. Juni alte Choräle im Jazzstil neu erstrahlen.
  • In der Schwabenlandhalle ist der berühmte dänische Chor Vocal Line am 20. und 21. Mai zu Gast.
  • Die skandinavische Metalszene, die sich vom Untergrundphänomen zum nationalen Kulturgut entwickelt hat, wird am 22. Mai vom Heavy-Metal-Duo Malmzeit vorgestellt.

Auch Fellbacher Vereine, Chöre und Orchester beteiligen sich mit vielseitigen Beiträgen passend zu den Gastländern am Kultursommer-Programm.

Während der knapp drei Monate des Europäischen Kultursommers verwandelt sich die Städtische Galerie in ein Lego-Lese-Café. Im Untergeschoss der Galerie präsentiert Lego-Künstler Martin Schaal einige herausragende Fellbacher Bauten im Originalmaßstab. Im Stadtmuseum dreht sich ab 10. Mai in der Ausstellung „Einfach gut“ alles um das Thema „Dänisches Design“.

Midsommar und Fête de la Musique am 21. Juni

Und wenn am 21. Juni Midsommar und die Fête de la Musique verschmelzen, feiert Fellbach den längsten Tag des Jahres. „Und zwei Trollologen beobachten Trolle auf der Durchreise“, beschreibt Maja Heidenreich einen der originellen Programmpunkte.

Der Vorverkauf für alle Kultursommer-Veranstaltungen beginnt am Montag, 20. April, im i-Punkt im Rathaus Fellbach. Dort wird demnächst auch die Programmbroschüre ausgelegt und kann dann auch von der speziellen Homepage heruntergeladen werden: www.fellbach.de/kultursommer.