Die Schau „Jean-Paul-Projekt“ im Korntaler Rathaus zeigt von Sonntag an die Werke von mehr als 25 Künstlern, die sich mit dem Schriftsteller auseinandersetzen. Foto: factum/Granville

Korntal-Münchingen
Im Rathaus Korntal erinnern Künstler mit einer Ausstellung an Jean Paul. Deutschlands erster Berufs-Schriftsteller ist einer, der seine Leser herausfordert.

Korntal-Münchingen - Bei Jean Paul gehen die Meinungen der Menschen auseinander: Die einen liebten den Schriftsteller, die anderen lehnten ihn ab. Das berichten die Künstler Klaus Bushoff und Günther Sommer sowie der Autor Armin Elhardt. Sie sind von der Enthusiasten-Fraktion und verehren den im Fichtelgebirge geborenen „Gegenklassiker“, der mit bürgerlichem Namen Johann Paul Friedrich Richter heißt. Für seine „witzigen, tiefgründigen und auf hoher Ebene intellektuellen“ Romane, für seine Ausschweifungen, die „von den komplexen Handlungssträngen erlösen“, für seine Anhänge, Fußnoten, Aphorismen und „abgebrochenen Gedanken“, die Vieldeutigkeit und Verwirrung stiften – und seine Literatur zu einer Herausforderung werden lassen. „Als Leser empfindet man Freude. Herauszufinden, was Jean Paul meint, macht den Reiz aus“, schwärmt Armin Elhardt. Den Stellenwert, den Shakespeare für das englische Drama habe, habe Jean Paul in Deutschland für die erzählende Prosa. „Wir verdanken ihm, dass der Roman so beliebt ist“, sagt Armin Elhardt. Er hat unter anderem das „Spuren“-Heft des Schiller-Nationalmuseums in Marbach mit dem Titel „Legationsrat Richter? Den kennt niemand. Jean Pauls Besuch in Stuttgart“ verfasst.

Der Künstler aus Freiberg am Neckar gehört zu einer ganzen Gruppe Künstler, die sich mit Jean Paul auseinandersetzen. „Er war ein verspielter Mensch. Seine Vieldeutigkeit macht ihn auch für Künstler reizvoll“, sagt Klaus Bushoff. So sind völlig unterschiedliche Werke von mehr als 25 Mitgliedern verschiedener Kunstvereine vorwiegend aus der Region Stuttgart – darunter der Kunstverein Korntal-Münchingen als Veranstalter – von Sonntag an im Korntaler Rathaus zu sehen. Entstanden ist das „Jean-Paul-Projekt“ anlässlich des 250. Geburtstags des Schriftstellers. Im Jean-Paul-Jahr 2013 beschloss die Stuttgarter Galerie Inter Art, „was zu Jean Paul zu machen“. In Korntal macht das Projekt in der Form zum sechsten Mal Station.

Beschäftigtung mit Zitaten und Jean Pauls Interessen

Manche Künstler malen Porträts von Jean Paul oder seinen literarischen Figuren, andere beschäftigen sich mit Zitaten („Ich wäre am begierigsten, die Fehler der Engel zu wissen“, Albrecht Breunlin) oder mit Dingen, für die der Schriftsteller sich interessierte. Günther Sommer vom Kunstverein Korntal-Münchingen hat die Elektrizität aufgegriffen: Indem er auch einen Dynamo in sein Bild integriert, hebt er das Thema obendrein in die Gegenwart.

Auch die Doppelgänger-Thematik in den Texten verarbeiten die Künstler. Die Schau zeigt (fiktive) Begegnungen Jean Pauls etwa mit Belmondo oder Sartre – auch als Anspielung darauf, dass die Suchmaschine Google bei der Internet-Recherche nach Jean Paul Ergebnisse zu Namensvettern des Schriftstellers mit ausspuckt. Neben Malereien hängen im Rathaus Radierungen, Texte und Comics.

Zeitlos und für die Ewigkeit

Günther Sommer hofft auf viele Ausstellungsbesucher. Er weiß, dass „Leute die Umsetzung von historischem Stoff nicht so gerne mögen“. Weil sie sich nicht damit identifizieren könnten, weil es ihnen zu anstrengend sei, sich damit zu beschäftigen. „Viele sind nicht bereit zu akzeptieren, dass die Auseinadersetzung mit historischen Figuren Spaß machen kann“, bedauert Günther Sommer. Jean Paul indes könnten die Künstler immer und immer wieder in die Öffentlichkeit rücken. Günther Sommer sagt: „Jean Paul ist zeitlos. Er schrieb für sich und die Ewigkeit.“

Vernissage: Das „Jean-Paul-Projekt“ wird am Sonntag, 4. Februar, um 11.30 Uhr eröffnet. Die Werke im Rathaus Korntal sind bis 24. Februar zu sehen – montags, dienstags und donnerstags von 8 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr, mittwochs von 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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