Eberhard Budziat (links) und Hans Fickelscher sind am Sonntag in der Diakonie Stetten aufgetreten. Foto: Gottfried Stoppel

Bereits zum vierten Mal sind die Jazzmusiker Eberhard Budziat und Hans Fickelscher vor Menschen mit Behinderung aufgetreten. Für die Zeit nach der Corona-Pandemie strebt Budziat eine langfristige Kooperation an.

Kernen - Vogellieder sind besonders beliebt, wenn Eberhard Budziat und Hans Fickelscher vor Senioren oder Menschen mit Behinderung musizieren – so wie am vergangenen Sonntag in der Diakonie Stetten in Kernen. „Wir haben extra ein Vogelliedermedley zusammengestellt, das kommt super an“, sagt Budziat. Die Mitglieder der drei Wohngruppen, vor denen das Duo jeweils 20 Minuten im Freien und mit Sicherheitsabstand spielt, wünschen sich aber auch Stücke wie „Über den Wolken“ oder „Marmor, Stein und Eisen bricht“. Begeistert singen und tanzen sie mit.

Es ist bereits das vierte Mal, dass die beiden Musiker mit Tuba, Posaune und Djembe in der Einrichtung auftreten. „Den Leuten ist es halt total langweilig“, sagt Budziat – denn in Zeiten der Corona-Pandemie herrschte über Wochen ein striktes Besuchsverbot, das erst vor Kurzem unter bestimmten Auflagen vorsichtig gelockert worden ist.

Auftritte brachen weg

Die Pandemie hat sich auch auf den Musiker Budziat ausgewirkt, der, wie er erzählt, die eine Hälfte seines Einkommens durch Auftritte erwirtschaftet, die andere durch Musikunterricht. Während der Unterricht weitgehend über das Internet fortgeführt werden konnte, brachen die Auftritte zunächst völlig weg. „Ich hab überlegt, was ich machen kann“, sagt Budziat, der in Korb wohnt. Für seine Mutter, die in einem Pflegeheim lebt, spielte der 58-Jährige gemeinsam mit seiner Frau vor dem Fenster. „Das kam sehr gut an, alle sind an ihre Fenster gekommen“, erinnert er sich.

So entstand schließlich die Idee, gegen eine Gage in Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen zu spielen. Da passte es gut, dass zunächst das Kulturamt der Stadt Schorndorf Musiker suchte, die bereit waren, in den Höfen oder auf den Terrassen von Pflegeheimen zu spielen. „Dort bin ich mit einem Trompeterkollegen der Musikschule aufgetreten“, erzählt Budziat.

Repertoire erweitert

Es folgten sechs Auftritte in Altersheimen in Fellbach und drei in der Diakonie Stetten – zusammen mit dem Schlagzeuger und Perkussionisten Hans Fickelscher. Der Kontakt zu ihm kam über Budziats Frau zustande. Mit seiner afrikanischen Trommel ist Fickelscher für den Rhythmus zuständig. „Djembe und Posaune zusammen klingen ganz gut eigentlich“, sagt Budziat.

Ihr Repertoire haben die beiden Jazzmusiker für ihr neues Publikum erweitert – nicht nur um Osterchoräle zu den Feiertagen, sondern auch um Volks- und Vogellieder sowie Polkastücke. „Das ist gut für die Leute, da können sie mitmachen, tanzen und singen und werden richtig lebendig“, hat der Musiker beobachtet. Über die Musik könne man Menschen auf der emotionalen Ebene erreichen. „Gerade in Zeiten von Corona können wir ihnen so einen Zugang zu einer anderen Welt ermöglichen und zeigen, dass es noch etwas anderes gibt als nur das Negative“, ist der 58-Jährige überzeugt.

Deshalb strebt er für die Zukunft eine langfristige Kooperation mit Altersheimen und Behinderteneinrichtungen an: Nach der Corona-Pandemie möchte Eberhard Budziat mit Musikerkollegen in den Heimen in der Region auftreten – „mit Stücken, die die Leute noch von früher kennen“, sagt er. Natürlich gehe es auch darum, Geld zu verdienen. „Aber man gibt den Menschen ja auch etwas durch die Musik“, sagt der hauptberufliche Musiker.

Aktuelle Meldungen, wissenswerte Hintergründe und nützliche Tipps – in unserem Dossier bündeln wir alle Artikel zu Corona.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: