Unter dem Motto „Wes Montgomery & more“ spielte die Formation bereits 2023 bei der Jazztime-Reihe in Böblingen. Foto: Rainer Ortag

Das Jazzforum Aidlingen geht neue Wege und veranstaltet nun Konzerte beim Kulturnetzwerk Blaues Haus in Böblingen - am Freitag und Samstag treten bekannte Gesichter auf.

Seit den 1990er-Jahren war der Deufringer Schlosskeller für das Jazzforum Aidlingen (JFA) der zentrale Veranstaltungsort. Doch in den letzten Jahren erfüllte der Publikumszuspruch nicht mehr die Erwartungen. Einige Konzert mussten gar wegen zu geringer Vorverkaufszahlen abgesagt werden.

 

Deshalb wollten die JFA-Verantwortlichen einen neuen Weg einschlagen. Nun präsentieren sie Konzerte (auch) im Blauen Haus in Böblingen. „Unsere Hoffnung bei den Veranstaltungen im Blauen Haus ist, den Bekanntheitsgrad des Jazzforums zu vergrößern und auch Zugang zu weiterem Publikum zu bekommen“, erläutert der JFA-Vorsitzende Martin Wernado.

Lokale Größen treten auf

Wernado selbst greift zum Instrument, wenn an diesem Freitag, 15. Mai, um 21 Uhr das erste JFA-Konzert in Böblingen ansteht. Bereits am 3. Advent 2025 war die Formation Just4Jazz in Deufringen zu hören. Neben Martin Wernado, der den Bass zupfen wird, spielt sein Sohn Tobias mit, ein ausgezeichneter Gitarrist. Zudem gehören die JFA-Bigband-Sängerin Odilia Damm und Landesjazzpreisträger Alexander Bühl am Saxofon zum Ensemble.

Am Samstag, 16. Mai, um 20 Uhr steht dann „A Tribute To Wes Mongomery“ auf dem Programm. Die Gruppe Weslike huldigt dem US-amerikanischen Jazzgitarristen und ist unter anderem auch schon bei der Jazztime-Reihe in Böblingen aufgetreten. Kulturpreisträger, Pianist und Jazztime-Organisator Tilman Jäger sitzt am Piano. Zusammen mit Werner Acker, dem ehemaligen Dozenten der Musikhochschule Stuttgart und umtriebigen Gitarristen, bildet er die Triebfeder dieses Projektes. Die Schönaicherin Judith Goldbach am Kontrabass, Herbert Wachter am Schlagzeug und schließlich Andreas Francke am Altsaxofon komplettieren das Quintett.

Dass Jazzforum Aidlingen setzt zum Auftakt in Böblingen also auf lokal bekannte Gesichter. Wären nicht auch Gastspiele von Jazzern erstrebenswert, die aus anderen Teilen Deutschlands kommen?„Wir können derzeit nur Konzerte mit Musikern aus Baden-Württemberg machen, weil wir auf die Zuschüsse des Landesjazzverbandes angewiesen sind“, erläutert der JFA-Vorsitzende Martin Wernado, „und die gibt es nur für Musiker, die in Baden-Württemberg gelistet sind – ohne diese Zuschüsse wären wir schon lange tot.“ Kein Problem, hat die hiesige Jazzszene doch eine hohe Qualität zu bieten.

Was den Veranstaltungsort der weiteren JFA-Konzerte anbetrifft, will man Deufringen nicht ganz verlassen. Denn dort hat der Schlosskeller nach wie vor seinen atmosphärischen Reiz, zudem gibt es ein Stammpublikum, das über Jahrzehnte gewachsen ist. „In Deufringen wollen wir die Traditionsveranstaltung der Heckengäu-Jazztage auf jeden Fall beibehalten, immerhin ist Aidlingen ja mit dem Jazzforum verbunden“, sagt Martin Wernado.

Orga-Pluspunkte im Blauen Haus

Im Blauen Haus hingegen sind Veranstaltungen wie „Kulinarik meets Jazz“ geplant, bei der es ein mehrgängiges Menü mit jazziger Atmosphäre geben soll. Unter anderem Ruth Sabadino (Saxofon) wird sich unter diesem Motto im September ein Stelldichein geben. Neben der Hoffnung auf mehr Bekanntheit und neues Publikum für das Jazzforum Aidlingen gibt es auch organisatorische Pluspunkte im Blauen Haus.

„Hier müssen wir keine Anlage aufbauen und uns nicht ums Catering kümmern, was vieles einfacher macht“, erläutert Martin Wernado, „wir hoffen, es wird eine Win-Win-Situation für beide Veranstalter. Der Deufringer Schlosskeller soll aber nicht aufgegeben werden.“

Bleibt dem Verein zu wünschen, dass sich die Publikumsresonanz positiv entwickelt und „Jazz made in Aidlingen“ auch in Böblingen seinen Platz finden wird.