Coole Urbanität: Der Mannheimer Trompeter Thomas Siffling Foto: Opus/Reiner Pfisterer

Einige Glanzpunkte haben im Rahmen der diesjährigen Jazz Open einheimische Künstler gesetzt – mit sehr unterschiedlichen Ansätzen.

Stuttgart - Cooler wird’s nicht: Die Songs von Steely Dan verbreiten wohlige Atmosphäre am Dienstag im Stadtpalais, und die Musiker die sie vortragen, nennen sich Stuttgart Allstar Band. Allstars braucht es auch, um die schillernden Stücke der New Yorker Donald Fagan und Walter Becker zu interpretieren, die ihre Band nach einem japanischen Dildo benannt haben sollen und ihre Alben in den 70ern mit der Crème de la Crème der kalifornischen Fusion-Szene aufnahmen. Der Fanta-Vier-Schlagzeuger Flo Dauner ist für den Groove zuständig, die Landesjazzpreisträgerin Gee Hye Lee sitzt für Fagan am Piano, Frank Kuruc für Becker an der Gitarre, der Lokalmatador Sandi Kuhn (Saxofon) und Uli Röser (Udo Lindenberg, Posaune) sind fürs Gebläse zuständig. Die Sängerin Josée Hurlock intoniert mit betörender Stimme Songs wie – „Josie“ natürlich.

Das Konzert ist Teil des neuen, eintrittsfreien Teils der Jazz Open, den die Stadt Stuttgart (80 000 Euro) und die BW-Stiftung (40 000 Euro) gemeinsam finanzieren. Lokale Künstler bekommen hier die Chance, an schönen Orten in der Stadt auf sich aufmerksam zu machen. Und wie: Im Musikpavillon vor dem Königsbau etwa hatten der Saxofonist Alexander Bühl (Ostfildern) und sein Sextett ein feinsinnig arrangiertes Gershwin-Programm mit scharf geschnittenen Bläsersätzen zu bieten, das bald eine ganze Traube interessierter Passanten aus dem Shopping-Modus holte.

Auch im regulären Jazz Open-Programm haben einheimische Künstler gezeigt, dass sie auf Augenhöhe mitspielen. Der bereits erwähnte Saxofonist Jakob Manz, 17, und seine beherzte Stuttgarter Studentenband brachte im Vorprogramm von Gogo Penguin die Spardawelt zum Beben.

Und im Alten Schloss bereitete an einem lauen Sommerabend der Mannheimer Trompeter Thomas Siffling mit seiner Band Flow den Boden für Stanley Clarke mit urban pulsierendem Groove-Jazz, schnittigen Trompeten-Echos und stilechtem E-Piano-Wabern.

Das Hip-Jazz-Trio Flüstertüte (Tübingen) um den MC Lukas Pfeil, der in seinen munter fließenden Raps den Nerv der Gegenwart trifft und sich am E-Saxofon als Jazz-Virtuose mit Gespür für Melodien präsentiert, hat die Chance als Vorband im Bix genutzt, um für sich zu werben.

Angesichts all dieser großartigen Musiker, gerade der vielen jungen, muss sich niemand Sorgen machen um die Zukunft des Jazz in Baden-Württemberg. Man darf darauf auch ein bisschen stolz sein, denn das Land der Tüftler offenbart damit eine Offenheit, für die keine andere Musik so sehr steht wie der Jazz.

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