Mit Konzerten von Amy Macdonald und LP sind die Jazz Open 2021 zu Ende gegangen, das einzige deutsche Großfestival, das trotz allem gespielt hat und zum Erfolg geworden ist.
Stuttgart - Amy Macdonald bräuchte nicht mehr als ihre starke Stimme und ihre Gitarre, um „This is the Life“, „Mr. Rock ’n’ Roll“ und „Dream on“ aufzuführen, ihre von schottischem Folk durchtränkten Hymnen sind absolut lagerfeuertauglich – oder in ihrer Heimat Schottland, wegen des Wetters, absolut Pub-tauglich. Daran ändern ein Leopardentop, Amy-Winehouse-Wimpern und eine rein begleitende Rockband in Macdonalds Rücken nichts beim Jazz-Open-Finale auf dem Schlossplatz: Die 34-Jährige mit dem zauberhaften Akzent kann sich der Sympathien des Stuttgarter Publikums sicher sein. Dieses umarmt anschließend auch die New Yorkerin LP alias Laura Pergolizzi und ihre starke Band. Als spielte sie die Hauptrolle im Art-Rock-Musical ihres eigenen Lebens, schüttet die zierliche Frau in der roten Jeansjacke ihr ganzes Herz aus. LP kann tief und kehlig singen, die Töne aber auch in höchsten Lagen in theatralischer Dramatik modulieren. Sie steht in der Tradition von Künstlern wie Freddie Mercury, ihre rebellische Haltung erinnert an zwei andere große New Yorker: Bob Dylan und Lou Reed. Jemand wirft ihr eine Regenbogen-Fahne auf die Bühne, und zum Schluss singen die Menschen auf dem Schlossplatz in einem großen Chor den Refrain von LPs Hit „Lost on you“ – dann sind die Jazz Open 2021 Geschichte.
Alle Künstler haben anständig abgeliefert
Es war das einzige große deutsche Festival, das trotz allem gespielt hat. Sein Chef Jürgen Schlensog wollte nicht einfach hinnehmen, dass das reguläre Event im Juli wie schon 2020 coronabedingt ausfiel und plante eine Sonderausgabe im September – in der Hoffnung auf eine hohe Impfquote, nur mit den Open-Air-Spielstätten und mit einer kleinen Auswahl verfügbarer Künstler. So gelangten einige auf größere Bühnen als sonst. Alle haben anständige bis großartige Shows gespielt, Jazz-Open-Wiedergänger wie Katie Melua, Parov Stelar und Chilly Gonzales ebenso wie einige, die sich nachhaltig empfehlen konnten: Sophie Hunger, Lianne La Havas, LP, Ben Howard.
Im Innenhof des Alten Schlosses und auf dem Schlossplatz trafen ausgehungerte Künstler auf ausgehungerte Konzertgänger, Abend für Abend war auf beiden Seiten die Beglückung darüber spürbar, dass Livemusik wieder möglich ist. Selbst die zunächst miese Laune des Oasis-Sängers Liam Gallagher hellte sich während seines gelungenen Auftritts zusehends auf.
Dieses Festival wird in Erinnerung bleiben
Weil sich das Publikum insgesamt noch zurückhält, blieb der Zuspruch zum Teil unter den Erwartungen. Viele der rund 18 000 aber, die an 10 Tagen zu 20 Konzerten gekommen sind, dürften sich lange an dieses Festival erinnern. Es hat in schwierigen Zeiten ein Zeichen gesetzt.