Wohl kein Rockstar ist so cool wie Lenny Kravitz. Bei den Jazz Open wird der US-Musiker stürmisch umjubelt – und feiert danach backstage gewohnt lässig und ganz ohne Alkohol. Ist dieser Mann wirklich schon 60 Jahre alt?
Der wahrscheinlich coolste Rockstar der Welt altert womöglich rückwärts. Lenny Kravitz ist angeblich sechzig, sein Sixpack, seine schlanke Statur und seine ultracoole Sonnenbrille aber sagen: Das kann nicht sein! Vielleicht ist alles immer auch eine Frage der Einstellung, nicht nur eine Frage des Trainingseifers im Gym. Bei den Jazz Open sagt der US-Sänger zwischen seinen einpeitschenden Songs Sätze wie: „Every Day is a Celebration.“
Nach dem umjubelten Schlossplatz-Konzert zeigt der vegane Asket, wie die Celebration völlig easy ganz ohne Alkohol gelingt. Sein federnder Schritt ist Ausdruck seines lockeren und leichten Lebens. Im Mitteltrakt des Neuen Schlosses, in dem einst württembergische Könige Hof hielten, macht sich der King of Rock ohne Starallüren rasch Freunde beim Team. Im Ehrenhof nimmt er sogar ein Bad in der Menge der Fans. Zeitweise lebt Kravitz in Paris, wo sich der Sportfan auf die Olympischen Spiele freut und auf die Lebensweise der Teilnehmenden.
Jeder Tag ist ein Fest! That’s correct, Mister Kravitz, stimmt auf alle Fälle, was die Jazz Open angeht. Jeder Programmtag ist anders beim 30. Geburtstag des Festivals, jeder Tag bringt neue Begeisterung hervor. Dass man jeden Tag genießen sollte, weil man nie weiß, wann es vorbei ist – dies lehrt ein Mann, der auf dem Schlossplatz schmerzlich vermisst wird. Wie fühlt sich das Festival an, wenn Lupus fehlt? Merkwürdig fühlt sich das an, ja, man kapiert es einfach nicht.
Wolf Horlacher, den alle Lupus nannten, war ein legendärer DJ in Stuttgart und über Jahre Dauergast bei den Jazz Open. Auf der Tribüne des Festivals gab er vor zehn Jahren seiner Frau Sabine Ballhause, einer Radiologin, das Ja-Wort. Selten fehlte er bei den Jazz Open, auch schon früher in der Liederhalle war er dabei. Kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres ist Lupus, ein Musikpionier, mit 74 Jahren gestorben.
Vor seinem Tod sah Horlacher das Jubiläumsbuch zum 30. Festivalgeburtstag, in dem er auf zwei Seiten als einer der Gesichter der Jazz Open gewürdigt wird. „Er hat mir im vergangenen Jahr den Dauerpass für das Festival geschenkt“, sagt seine Frau. Auch für sie fühlt es sich merkwürdig an. Der Abend bei Lenny Kravitz schmerzt, weil Erinnerungen hochkommen, aber gleichzeitig genießt sie, was ihr Lupus genossen hätte. „Zu 50 Prozent ist es schön, zu 50 Prozent tut es weh“, sagt Sabine Ballhause.
Every Day is a Celebration! Lupus lehrt: Genießt das Leben, genießt die Musik, genießt die Jazz Open, genießt den Schlossplatz, genieße jeden Tag – man weiß nie, was am anderen Tag passieren wird.
Lenny Kravitz genießt sein asketisches Leben und begeistert mit nahezu jugendlicher Power den ausverkauften Schlossplatz. Im Publikum sieht man Entertainer Roland Baisch, der von seine Show am 27. Oktober zu seinem 70. Geburtstag im Theaterhaus erzählt. Auch Innenminister Thomas Strobl und seine Frau, die ARD-Programmdirektorin Christine Strobl, sind da. Wirtin Sonja Merz und La-Commedia-Chef Luigi Aracri verraten ihre gemeinsamen Pläne: Auf dem Volksfest wird es im Herz-Zelt in einer der Seitenlogen erstmals einen italienischen Bereich mit über 300 Plätzen geben – mit eigener Küche, mit italienischen Gerichten, mit italienischen Weinen. La Dolce Vita goes Wasen! Künftig übernimmt Zubrovka-Chef Denis Gugac die Schatzi-Bar von Sonja Merz – als Nachfolger von Kevin Schmieg, der zum VfB wechselt.
Am Samstag brummt Stuttgart mit dem CSD und den Jazz Open noch mehr,
Wenig zu tun an diesem Abend hat Dany Schwarz, der als Aufpasser der Business-Etage darauf achtet, dass die Gäste an den Theken nicht zu laut sind und das Konzert nicht stören. Bei Lenny Kravitz ist es viel zu laut für Small-Talk. Aus Amsterdam ist ein Freund von Dany Schwarz angereist. Der Mann aus Holland ist ein Kollege von ihm, war Leibwächter von Keith Richards, was er mit einem Handyfoto beweisen kann. Die beiden sagen, wie schön es wäre, die Rolling Stones würden mal zu den Jazz Open kommen. Der Freund aus Amsterdam wolle seine Beziehungen spielen lassen. Ob was daraus wird? Man wird ja mal träumen dürfen!
Every Day is a Celebration! In Stuttgart trifft dies schon seit Wochen zu. Von der Fußball-EM ging’s schnurstracks in einen Konzertsommer der Extraklasse. An diesem Samstag wird die gesamte Innenstadt zur Partyzone – bei der größten CSD-Politdemo in der Geschichte von Stuttgart. Punktgenau zur Pride ist am Freitagabend der nonbinäre Sam Smith auf der Bühne des ausverkauften Schlossplatzes. Am Samstag spielt Jamie Cullum, am Sonntag Sting.
Als Opener am Donnerstagabend entfacht die wunderbare Nik West Riesenjubel. Die Bassistin aus Arizona war 2020 „Covergirl“ des bereits gedruckten Jazz-Open-Magazins, sollte damals schon mit Lenny Kravitz auftreten. Corona machte ein Strich durch die Rechnung. Jetzt feiern die beiden beim Stuttgarter-Topfestival das Leben!