Die Jazz Open haben begonnen. Am Donnerstag haben im Alten Schloss Diana Ezerex und Lawrence gespielt, im Sparda Event-Center trat Schlagzeuglegende Billy Cobham auf.
Anschwellende Trommelwirbel eröffnen die Jazz Open 2024. Zum 30. Mal geht dieses Festival über die Bühnen und macht im Jubiläumsjahr für elf Tage Stuttgart zum europäischen Zentrum von „Jazz & Beyond“.
Der Auftakt findet am Donnerstag im Alten Schloss bei den Konzerten von Lawrence und Diana Ezerex, vor allem aber im Sparda Event-Center statt, wo - wie jedes Jahr - die German Jazz Trophy verliehen wird. 2024 wird die Schlagzeuglegende Billy Cobham geehrt. Der Fusion-Drummer und Komponist kommt mit einem Gehstock herein. Dann legt dieser 80-Jährige seinen Stock beiseite, greift zu zwei Sticks und nimmt an einem riesigen Drumset Platz. Nun vollzieht sich eine erstaunliche Wandlung. Mit eleganter Leichtigkeit entwickelt Cobham eine entfesselte Rhythmuspower. Sein Punch kommt aus geschmeidiger Weichheit, nie aus brutaler Härte. Freunde von Muhammad Ali denken an dessen Boxstil. Die musikalische Reise führt zurück in die Seventies. Und Cobham wirbelt wie einst im Mai. Da rührte er bei den Brecker Brothers, beim großen Miles Davis oder John McLaughlin die Trommeln. Mit seinem wegweisenden Album „Spectrum“ hatte er damals dem Jazzrock die Richtung vorgegeben. Das machte ihn zum begehrten Meister der Zunft. Peter Gabriel, Stanley Clarke, Deodata, McCoy Tyner und andere Größen baten ihn ins Studio, auf Live-Bühnen. Als Privatlehrer unterrichte Cobham freundlicherweise auch Angelo Kelly von der gleichnamigen Family und weckte dessen Interesse für Jazz.
German Jazz Trophy für Cobham
Schlagartig wird jedem und jeder im ausverkauften Saal klar, dass hier eine Legende den Takt angibt. Schneidende Gitarrenriffs, ein eintöniger, aber hocheffizienter E-Bass, schwebende Keyboardklänge und ein Perkussionsderwisch bringen unter der Ägide von Cobham am Drumset den Klangraum schier zum Bersten. Jubelrufe und Applaus im Sparda Event-Center. Der steigert sich, als die vier Mitspieler die Bühne verlassen und Cobham mit einem virtuosen, sorgfältig aufgebauten Solo die Menschen begeistert.
Eine Trophäe von O. H. Hajek
Flo, der Schlagzeug spielende Sohn von Wolfgang Dauner, bezeichnet Billy Cobham nach Jon Hiseman als entscheidenden Einfluss. Seine Schwester Sian und Dauners Witwe Randi Bubat sind im Saal. Flo Dauner, soeben von einer Tour mit den Fantastischen Vier zurück, ist verhindert. 2003 war sein Vater Wolfgang Dauner an diesem Ort mit der German Jazz Trophy geehrt worden. Bei einem Konzert im Theaterhaus hatten Wolfgang Dauner, Wolfi Schmid und Billy Cobham einige Jahre zuvor einen starken Auftritt. Cobham erhält nun wie alle Geehrten vor ihm eine farbenfrohe Kleinplastik von O. H. Hajek. Statt des erkrankten Markus Brock moderiert Susanne Herzberger, Obi Jenne, Stuttgarts bekannter Schlagzeuger, hält eine launige Lobrede, Martin Buch, der neue Sparda-Chef, überreicht einen Scheck, und der Jazz-Open-Geschäftsführer Jürgen Schlensog schüttelt des Trommlers Rechte, bevor der sich auf seinen Stammplatz setzt und mit anschwellenden Trommelwirbeln das Konzert und damit auch die Jazz Open eröffnet.