In Böblingen hat ein neues japanisches Restaurant eröffnet. Neben Sushi gibt es Ramen, Bento-Boxen und Mochi-Eis – angerichtet nach der japanischen Kunst des Moritsuke.
Die japanische Küche ist berühmt für ihr Sushi, aber sie ist weit mehr als das. Jian-Lin Hu hat vor Kurzem das Lokal Humami an der Bahnhofstraße eröffnet – mit dem Ziel, authentische japanische Küche nach Böblingen zu bringen. Natürlich gibt es dort Sushi in verschiedensten Varianten, aber auch die Nudelsuppe Ramen, Teigtäschchen namens Gyoza oder Teishoku.
Letzteres nennt Hu auch Bento-Box und erklärt, was es damit auf sich hat: „Das ist sehr traditionell in Japan. Dort ist es üblich, viele verschiedene Kleinigkeiten zu essen“, sagt der Gastronom. Ähnlich wie in Japan, wo Teishoku auf Tabletts mit verschiedenen Fächern pro Gericht serviert wird, hat Hu für sein Lokal Holztabletts angeschafft, auf denen sein Koch je nach Wahl des Gasts zum Beispiel Misosuppe, Reis, frittiertes Hühnchen, eingelegten Rettich, Kimchi- oder Seetang-Salat anrichtet.
Der Wirt des Humami hat früher in einem bayrischen Wirtshaus gearbeitet
Hu selbst ist in China geboren und in Deutschland aufgewachsen, er hat in einem bayrischen Wirtshaus gelernt und lebt seit 15 Jahren in Stuttgart. Warum eröffnet er ein japanisches Restaurant in Böblingen? Der Architekt des Neubaus an der Bahnhofstraße sei auf ihn zugekommen und habe ihm die Fläche angeboten, sagt Hu. Sie sei gut gelegen, direkt an der Fußgängerzone. Und dass in Böblingen japanisches Essen beliebt ist, habe er beim Stöbern durch das Angebot der Stadt herausgefunden. Außerdem habe er mit Sungil Park einen Koch, der zwar gebürtiger Koreaner sei, aber acht Jahre lang als Sushi-Koch in Japan gearbeitet habe.
Dass Sungil Park weiß, was er tut, sehen die Gäste, wenn der Koch mit flinken Händen die Teller und Tabletts anrichtet oder die Sushi rollt. „Japaner legen sehr viel Wert auf Tellerkunst“, sagt sein Chef Hu. Dafür gibt es sogar ein eigenes Wort im Japanischen: Moritsuke, die Kunst des Anrichtens. Aber die Gerichte sollen nicht nur authentisch aussehen, sondern auch so schmecken. Deshalb bezieht Hu haltbare Zutaten wie die Ramen-Nudeln, Wasabi oder Sojasoße original aus Japan. Das Gemüse ist freilich von hier, und das spielt eine große Rolle auf der Speisekarte: Viele Gerichte sind vegetarisch.
Mochi-Eis, Daifuku Klebreis, Sake: Die Speisekarte ist authentisch japanisch
Original japanisch sind im Humami auch die Desserts: Da gibt es Daifuku Klebreis, eine Paste aus roten Bohnen und Früchten der Saison, oder Mochi-Eis, gestampfter Klebreis mit Eiscremefüllung. Ebenso bei den Getränken legt Hu Wert auf Authentizität: Der Wirt bietet den japanischen Reiswein Sake an, außerdem japanischen Gin und japanischen Whiskey. „Die schmecken etwas anders“, sagt Hu und betont, sie würden sehr gut nachgefragt.
Passend zur Liebe vieler Japaner zu technologischen Spielereien bietet Hu auf seiner Homepage die Nutzung von KI an, um Menüs zusammenzustellen. Wer auf die Katze Tama klickt, wird von ihr gefragt, ob man eher Lust auf herzhafte, warme oder leichte, frische Speisen hat. Weiter fragt sie nach Vorlieben oder Allergien, ob der Anlass etwa ein Geschäftsessen oder ein romantisches Dinner sei und wie hoch das Budget liege.
Gestartet ist das Humami, dessen Name sich aus dem Wirt Hu und der würzigen Geschmacksrichtung umami zusammensetzt, Anfang April mit einem Soft Opening. Inzwischen hat Hu offiziell eröffnet und freut sich darüber, dass immer mehr Passanten bei ihm stoppen und das neue Lokal ausprobieren. Ab Juni plant er zudem die Mitnahme von Speisen.