Die VfB-Profis Wataru Endo und Hiroki Ito treffen im Achtelfinale auf ihren Teamkollegen Borna Sosa. Der Stuttgarter Vorstandschef Alexander Wehrle blickt auf das Spiel voraus.
Das Selbstvertrauen könnte kaum größer sein. Von nichts weniger als der „stärksten Mannschaft in der japanischen WM-Historie“ spricht Nationaltrainer Hajime Moriyasu vor dem WM-Achtelfinale gegen Kroatien an diesem Montag (16 Uhr), die Vorrundensiege gegen Spanien und Deutschland haben die Brust der Japaner breit und breiter werden lassen. Mittendrin im Überraschungsteam, das erstmals in der Geschichte des Landes ein WM-Viertelfinale erreichen will: Wataru Endo und Hiroki Ito, die beim VfB Stuttgart eine solche Euphorie zuletzt nur sporadisch erlebt hatten.
Für die beiden aber hat das Spiel noch aus einem anderen Grund eine spezielle Note: Sie treffen auf einen Teamkollegen. Mit Borna Sosa teilen sie beim VfB normalerweise tagtäglich die Kabine, jetzt sind sie für 90 Minuten direkte Kontrahenten. Gleich drei Profis eines Abstiegskandidaten im WM-Achtelfinale? Der nicht ganz alltägliche Umstand sorgt auch beim Stuttgarter Vorstandschef Alexander Wehrle für einen Schuss Stolz: „Es freut uns sehr, dass der VfB bei der WM weiter mit drei Spielern vertreten ist. Das ist großartig für den Verein.“ Er habe ihnen auch jeweils persönlich zum Einzug ins Achtelfinale gratuliert.
Die WM als Schaufenster – auch für die VfB-Profis?
Für alle drei ist es ohne Einschränkung das größte Länderspiel ihrer Laufbahn. Für Sosa, der erst im September des vergangenen Jahres für Kroatien debütierte nach der Aufregung über seinen geplatzten Verbandswechsel zu Deutschland. Für Endo, der zwar seit 2015 schon 46 Länderspiele absolviert hat – vor vier Jahren bei der WM in Russland aber keine Minute zum Einsatz kam. Und natürlich auch für Ito, der im Juni seine erste Partie überhaupt für Japans A-Elf absolvierte.
Nun ist eine solch große Bühne natürlich immer auch ein Schaufenster. Die Welt sieht zu, große Vereine auch. Mit guten Leistungen könnten die VfB-Profis Begehrlichkeiten wecken und ihre Chancen auf den nächsten Karriereschritt steigern. Endo hatte vor Turnierbeginn offen über seine Champions-League-Ambitionen gesprochen, Sosa ist ohnehin seit Längerem ein Wechselkandidat.
Wann die WM-Fahrer wieder ins Training einsteigen, ist offen
Erst kürzlich hatte der 24-Jährige in der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ betont, dass jeder Spieler vorankommen wolle. Natürlich auch er: „Ich bin sicher, dass es nach der WM auch bei mir so weit sein wird.“ Eilig aber habe er es nicht mit einer Veränderung. Es könnte also noch bis zum Sommer dauern – aber auch ein Winterwechsel ist nicht kategorisch vom Tisch.
Der VfB steckt in einem Dilemma: Sosa ist der wertvollste Spieler im Kader, sein Marktwert liegt bei rund 20 Millionen Euro und könnte während der WM weiter steigen. Geld, das der Verein angesichts klammer Kassen eigentlich gut gebrauchen kann. Gleichzeitig aber wird der neue Sportdirektor Fabian Wohlgemuth auch sorgfältig abwägen müssen, wie viel Qualitätsverlust sich das Team im Abstiegskampf leisten kann. Ohne Frage ein Drahtseilakt.
So oder so: Auch wenn sich in der Winterpause nichts tun sollte, wird die WM den VfB bis in den Januar hinein beschäftigen: Mit jedem weiteren Sieg bleiben die Spieler ein paar Tage länger in Katar – und steigen entsprechend später ins Training ein. Sollte der neue Stuttgarter Trainer den WM-Fahrern auch jene drei Wochen Pause gönnen, die alle anderen bekommen haben, würden sie frühestens kurz vor Jahresende einsteigen und damit mehrere Wochen der Vorbereitung verpassen.
Wehrle sieht darin kein Problem: „Nein, das ist überhaupt kein Thema“, sagt der Vorstandschef des VfB: „Da geht es jetzt um Sport auf der großen Bühne und darum, dass sie ihre Ziele erreichen.“ Er erhofft sich sogar einen Schub: „Wichtig ist, dass sie mit einer großen Erfahrung und gesund wieder zurück zum VfB kommen.“
Wie sind die Startelf-Chancen der VfB-Profis im Achtelfinale
Ob die Stuttgarter Profis ihre WM-Ziele am Montag aber alle von der ersten Minute an auf dem Feld verfolgen werden, ist längst nicht sicher. Borna Sosa war zwar in den bisherigen Spielen als linker Außenverteidiger gesetzt, konnte jedoch am Sonntag wegen Fiebersymptomen nicht am Abschlusstraining der Kroaten teilnehmen.
Endo liefert sich bislang mit Hidemasa Morita (Sporting Lissabon) und Ao Tanaka (Fortuna Düsseldorf) einen Dreikampf um zwei Plätze im defensiven Mittelfeld – jeder musste in der Vorrunde je einmal auf die Bank. Und Verteidiger Ito kommt bislang nur auf eine Einwechslung gegen Costa Rica (0:1), wo er beim Gegentor eine unglückliche Figur machte und das Abseits aufhob. Ein Einsatz von Beginn an ist daher fraglich.
Sicher ist also bislang nur eines: So richtig schlecht kann es aus Stuttgarter Sicht gar nicht enden. „Mindestens ein VfB-Spieler wird im Viertelfinale stehen“, sagt Wehrle, „das ist eine wunderbare Sache.“ Und vielleicht ja noch nicht das Ende der WM-Reise.