Jan Böhmermann in der Kulisse seiner „Wetten dass...?“-Sendung Foto: dpa

Nun ist es also passiert: Jan Böhmermann hat den ersten Teil seiner ganz persönlichen „Wetten dass...“-Sendung moderiert. Es war eine Gratwanderung zwischen Klamauk und feinsinniger Satire.

Köln - Der Beginn kommt arg bemüht daher. Ein paar Witzchen über die Erdogan-Affäre, die Deutschland im Sommer in Atem gehalten hat, der Hinweis an die Zuschauer, das brandgefährliche Samsung Galaxy Note 7 gegebenenfalls auszumachen – als dann noch zur Saalwette fünf saarländische Ehepaare, die nicht zugleich Geschwister sind, ins Studio gebracht werden sollen, schwant dem Zuschauer Übles.

Hat sich der TV-Narr Jan Böhmermann selbst einen Gefallen getan mit seiner Ankündigung, nach zwei Jahren die TV-Legende „Wetten dass...?“ wieder aufleben zu lassen? Jenes familienverbindende, samstagabendliche Fernsehlagerfeuer, das die Nation Jahrzehnte lang einte, das sich aber vom tragischen Sturz des Wettkandidaten Samuel Koch im Dezember 2010 als Fernsehformat nie mehr erholte und von Markus Lanz schließlich nach und nach ins Quotengrab moderiert wurde.

Dann kommt die erste reguläre Wette: Baggerfahrer Bruno wettet, dass er seine Ehefrau Susanne mit seinem Bagger zum Orgasmus bringen kann – der Zuschauer fasst sich an den Kopf. Aber als die Susanne dann in ihrem Gazé-Mäntelchen und der roten Reizwäsche, aus denen der üppige Busen quillt, neben ihrem Bruno steht und treuherzig erzählt, man sei beim wöchentlichen Tequila-Abend darauf gekommen, das Eheleben ein bisschen aufzupeppen, entwickelt sich die Sendung. Denn dann ist klar: Jan Böhmermann hat sich vorgenommen, die vielen Marotten und den Pseudohype um gigantische Wetten und Stars von Weltrang rund um „Wetten dass...? satirisch aufzuspießen.

Mit dem Bagger zum Orgasmus?

Das funktioniert dann im Laufe der Sendung ziemlich gut: Die Gäste schauen gerne mal nur kurz vorbei, glauben fest an ihre Wettkandidaten und entschwinden alsbald zum nächsten Auftritt. Die Moderatoren der Außenwetten geben sich fußballkommentatorenmäßig enthusiastisch und haben dann doch meistens nur über leere Bilder zu sprechen, auf denen ein Bagger hin- und herschwingt, oder die einen Eierkocher auf einem Lastwagen präsentieren.

Die ganze Absurdität der Wetten, die es bisweilen in die legendäre ZDF-Sendung geschafft hatten, bringt dann die zwölfjährige Tanja auf den Punkt: Sie wettet, dass sie deutsche Politiker mit ihren Füßen erkennen kann. „Spüre ich da ein Hitlerbärtchen?“ fragt Tanja, während sie einem bayerischen Mannsbild auf dem Gesicht herumtritt, und zu der Parteizugehörigkeit eines zweiten Politikers will ihr partout nichts einfallen: „FDP? Das sagt mir gar nichts.“

Keine großen Momente im ersten Teil

Große Augenblicke kamen beim ersten Teil der Parodie noch nicht so richtig zustande. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass „Wetten dass...?“ selbst viele solcher erinnerungswürdiger Momente geschaffen hat. Und damit ist nicht Michaels Jacksons zerrissenes T-Shirt während des Earth Songs gemeint. Legendär war zum Beispiel die Sendung, in der Heidi Klum ihrer Doppelgängerin, der Komikerin Martina Hill, begegnete, und der Zuschauer kurze Zeit ernsthaft verwirrt war. Oder der Streit, als der Schauspieler Götz George mit Thomas Gottschalk aneinander geriet und bis zuletzt unklar blieb, ob der Zoff nun gespielt war oder nicht.

Man darf gespannt sein, ob es Jan Böhmermann im zweiten Teil besser gelingt, solche Meta-Momente zu schaffen. Das Zeug hat er dazu, wie er zuletzt vor allem seiner TV-Attacke auf die RTL-Sendung „Schwiegertochter gesucht“ bewiesen hatte. Da hatte er den Machern einen gefälschten Kandidaten untergeschoben und die dubiosen Praktiken rund um die Sendung enthüllt.

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