Die gegen Wolfsburg bärenstarke VfB-Flügelzange mit Chris Führich (li.) und Jamie Leweling darf sich im WM-Jahr auch Hoffnungen auf weitere Einsätze in der Nationalmannschaft machen. Foto: Baumann

Gegen Wolfsburg haben Doppeltorschütze Jamie Leweling und Passgeber Chris Führich Werbung in eigener Sache betrieben. Das steigert ihre Chancen bei Bundestrainer Julian Nagelsmann.

Als sein Tore-Doppelpack beim deutlichen 4:0-Heimerfolg gegen die überforderten Wölfe geschnürt war, da verbrachte Jamie Leweling gemeinsam mit seiner Mutter noch einen gemütlichen Sonntagabend. „Wie man das halt so macht als guter Sohn“, sagte der Flügelstürmer des VfB, der in der Region Nürnberg aufgewachsen ist, mit einem Augenzwinkern – und spendierte gerne ein Abendessen für zwei. Schließlich gilt es ja auch mal den Moment zu genießen.

 

Denn sportlich läuft es aktuell bestens für Jamie Leweling, jenen Spieler, der zuletzt neben dem Torhüter Alexander Nübel noch vom VfB Deutschland übrig geblieben war. Als einziger Stuttgarter Feldspieler ist der 25-Jährige zuletzt von Bundestrainer Julian Nagelsmann noch in die Nationalelf berufen worden. Und er legte am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg mit einer WM-reifen Leistung nach. Denn neben seinen beiden Treffern überzeugte Leweling mit Sprintstärke, Dynamik und einem guten Spielverständnis.

Effektiv ist er obendrein: Sechs seiner sieben Bundesligatore hat der viermalige A-Nationalspieler, dem bei seinem Debüt im Oktober 2024 gegen die Niederlande gleich der 1:0-Siegtreffer gelungen war, in diesem Jahr für den VfB erzielt. Insgesamt kommt er in dieser Runde bisher auf 14 Scorerpunkte. Das ist ein persönlicher Rekord – und unterstreicht die gestiegene Effektivität des 1,85-Meter-Mannes. „Ich trainiere viel, bin klar im Kopf“, sagt Leweling zu seinem Erfolgsrezept.

„Sie waren beide sehr gut. Bei Jamie stechen noch die zwei Tore heraus, aber ich fand die Leistung von Chris nicht minder gut. Er hat unter anderem ein Tor vorgelegt – und eines eingeleitet“, sagte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß.

Dessen Team profitierte gegen die Wölfe nämlich nicht nur von Leweling, der zum 3:0 per sehenswertem Dropkick traf, sondern insgesamt von einer starken Flügelzange. Denn auf links zündete Chris Führich wie zuletzt eigentlich immer den Turbo, war spielfreudig, ideenreich, legte Leweling den Treffer zum 2:0 mit starker Vorarbeit auf – und zeigte auch eine starke Defensivleistung, was in dieser Qualität neu bei ihm ist. Zuletzt war Führich beim VfB stets in der Jokerrolle in Erscheinung getreten; seinen Startelfplatz gegen Wolfsburg hatte er sich nicht zuletzt durch einen starken Auftritt in der Europa League zuhause gegen Celtic Glasgow (0:1) verdient, als er der beste VfBler war.

War gegen Wolfsburg an der Entstehung von zwei Toren beteiligt: Chris Führich Foto: Baumann

Anders als Senkrechtstarter Leweling ist Führich ja bereits bei der EM 2024 dabei gewesen. Dass er lange Zeit mit einer Formdelle kämpfte, hat ihn bei Nagelsmann viel Kredit gekostet. Doch inzwischen ist Führich wie viele Stuttgarter Kollegen wieder in Topform. „Wir agieren alle nahe an unserem Leistungsmaximum, deshalb sind wir in allen drei Wettbewerben noch gut mit dabei – und spielen guten Fußball“, sagt Jamie Leweling über sich und die Kollegen wie Führich, Deniz Undav (jetzt 50 Tore in 104 Spielen für den VfB) oder Angelo Stiller, der als starker Antreiber im Mittelfeld ebenfalls Werbung für sich machte.

Viel hat die positive Entwicklung auch bei der Flügelzange Leweling/Führich mit der Arbeit von Trainer Hoeneß zu tun, dessen Impulse sich nach nunmehr exakt 100 Bundesligaspielen für den VfB nicht nur an einem Punkteschnitt von 1,82 Zählern pro Partie (das ist Club-Rekord) ablesen lässt. Schließlich hat der Chefcoach in seinen bald drei Jahren in Stuttgart viele Spieler besser gemacht, hat sie auf ein neues Level gehoben. „Unter ihm habe ich mich zu dem Spieler entwickelt, der ich jetzt bin. Er hat mir viel geholfen, hat mir viel Vertrauen gegeben. Ich glaube, wir beide wissen, was wir aneinander haben“, sagte Jamie Leweling, der „Man of the Match“ gegen Wolfsburg, über seinen Trainer: „Wir haben alle einen guten Draht zu ihm, er strahlt Ruhe aus und wir können tollen Fußball spielen“.

Mit dem Wolfsburg-Sieg ist der VfB an die punktgleichen Hoffenheimer auf Rang drei herangerückt. Hat als Vierter seinen Vorsprung auf die Konkurrenz ausgebaut. Es ist also noch viel möglich in dieser Saison für die Stuttgarter – was sich auch für die Flügelzange mit Blick auf die WM auszahlen könnte, vielleicht für Führich, ziemlich sicher für Leweling.

„In der WM-Quali waren aus Stuttgart zum Beispiel deutlich weniger Spieler dabei, weil sie auch nicht gut gespielt haben zu der Zeit. Jetzt haben sie wieder einen Run“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann dem „Kicker“ zu seinen Gedanken bei der Zusammenstellung des WM-Kaders, dessen Grundzüge bei der Nominierung für die März-Länderspiele in der Schweiz sowie gegen Ghana in Stuttgart (30. März) deutlich werden sollen. Bei jeder WM, so Nagelsmann, müsse es auch Spieler geben, die während eines derart langen Turniers von der zweiten Reihe aus Druck machten, mit Kaderplatz 15 oder 16 zunächst zufrieden seien. Eine Rolle, mit der sich die beiden Stuttgarter Außenstürmer durchaus anfreunden könnten.