James Franco als Zauberer-Hochstapler mit dem goldigen Porzellanmädchen in Sam Raimis Film „Die fantastische Welt von Oz“. Foto: Verleih

James Franco spielt in „Die fantastische Welt von Oz“ einen Kirmes-Illusionisten, der in der Fantasiewelt Oz zum Helden wird.

Soeben hat James Franco (34) einen Stern auf dem berühmten „Walk of Fame“ in Hollywood bekommen. Ein Gespräch mit dem US-Schauspieler über die Vorgeschichte zum „Zauberer von Oz“, über typisch amerikanische Figuren und das Glück, selber Filme zu drehen.

Mr. Franco, worin liegt der Unterschied der neuen Verfilmung zum Klassiker?
Unsere Version ist eine Art Vorgeschichte, die mit der Originalfassung von 1939 nicht viel zu tun hat. Wir erzählen, wie ein junger Mann in das Land von Oz gelangt und warum man ihn dort für einen Zauberer hält, obwohl er im Unterschied zu den dort hausenden Hexen gar keine magischen Fähigkeiten ­besitzt. Wie einst das Mädchen Dorothy unternimmt der Zauberer eine Reise in dieses unbekannte Land. Im Unterschied zu ihr ist meine Figur ein Anti-Held, der eher durch die Geschichte stolpert, als dass er das Heft in der Hand halten würde.

Wie würden Sie den Helden Oscar Diggs, genannt Oz, beschreiben?
Alberner Witzbold, Betrüger, Verführer und klassischer Varieté-Typ. In gewisser Hinsicht spricht diese Figur viele ­Aspekte an, die typisch amerikanisch sind. Sie ist eine Mischung aus Charlie Chaplin und Clark Gable. Oz ist albern wie auch schneidig-verwegen, aber er besitzt nicht die traditionellen Qualitäten eines Helden. Er setzt sich mit seinen Problemen auf unkonventionelle Art und Weise auseinander, mogelt sich immer irgendwie durch.

Was hat Sie an der Rolle gereizt?
Im Unterschied zu Mittelerde im „Herr der Ringe“ regiert in Oz die Unschuld, es ist wie ein Reich der Kinder. Damit die Geschichte für Erwachsene spannend wird, tritt meine Figur als Anti-Held auf, genau darin liegt für mich der Reiz. Zudem fand ich es spannend, dass Sam Raimi Regie geführt hat, mit dem ich schon vier Filme gedreht habe. Und ich war als Kind ein totaler Fan von Oz.

Wie viel Franco steckt im Zauberer Oz?
Wir haben beide einen Job, in dem wir Leute unterhalten und ihnen Illusionen bieten. Im Unterschied zu mir stammt Oz aus armen Verhältnissen und will dieser Vergangenheit entkommen. Er denkt sehr materialistisch und sucht nach Reichtum – das würde ich bei mir nicht so sehen.

Haben Sie für den Film das Zaubern gelernt?
Ich bin schon zwei Wochen vor ­Beginn der Dreharbeiten zur Produktion ­gestoßen, um mit Lance Burton, dem großartigen Las-Vegas-Magier, üben zu können. Er arbeitete jeden Tag mit mir. Schließlich beherrschte ich einige Tricks mit Tauben und Feuer, konnte Objekte aus ­Hüten ziehen und Dinge zum Schweben bringen. Und ich glaube, am Ende war ich ziemlich gut.

Wie schwierig ist es, ohne reale Kulissen vor einer grünen Wand zu spielen, auf die erst später digitale Charaktere und Kulissen projiziert werden?
Ganz so leer war die Bühne nicht. Wir hatten reale Darsteller, die etwa die Rolle des Affen Finley oder des Porzellanmädchens übernahmen. Mit ihnen habe ich die ersten Durchgänge gespielt, später haben Puppenspieler meine Gegenparts übernommen. Erst am Ende stand ich ganz alleine vor der Kamera. Glücklicherweise hatte ich ja ­bereits einige Erfahrungen mit Trickaufnahmen vom „Planet der Affen“.

Warum ist die Geschichte des Zauberers von Oz seit Generationen so überaus populär?
Entscheidend ist sicherlich, dass Oz eine so ideale Parallelwelt zu unserer Realität darstellt. Am besten funktionieren Geschichten dann, wenn ein Held aus unserer Welt in eine Fantasiewelt gerät. Nach dem Erfolg des ersten Romans wollte Lyman Frank Baum gar keine weiteren Bücher mehr schreiben. Doch wie bei George Lucas mit „Star Wars“ verlangten die Fans eine Fortsetzung. Die Enttäuschung war groß, als es beim zweiten ­Roman keine Dorothy mehr gab. Gerade ­diese zahlreichen weiblichen Figuren machen Oz ja so einzigartig, weil Fantasy sonst meist von Männern dominiert wird.

Sind solche große Studioproduktionen künstlerisch genauso befriedigend wie kleine Independent-Filme?
Für mich hat beides seine Berechtigung. Auf einen Film wie Oz bin ich stolz, weil nur mit diesem enormen Aufwand eine derartige Welt der Fantasie geschaffen werden kann. Independent-Filme können gleichfalls einzigartig sein, sie müssen nur bereit sein, ­etwas zu riskieren. Wenn ich ein düsteres Thema spannend finde, dann lässt sich das nur als unabhängige Produktion umsetzen.

Wie steht es mit Ihren Regie-Ambitionen?
Regie zu führen macht mir unglaublich großen Spaß und gefällt mir besser als die Schauspielerei. Dabei geht es mir vor allem um den gemeinsamen Prozess des Filmemachens. Man kann sich mit all jenen Leuten umgeben, die man mag – und steht immer im Zentrum der Entscheidungen.

Wie stolz sind Sie auf die MTV-Nominierungen in den Kategorien Bester Filmkuss für „Milk“ und Bester Filmkampf in „Spider-Man“?
Ich würde sagen, ich fühle mich geehrt – aber das sind schon ziemlich seltsame Preisverleihungen.

Sie spielen häufig schwule Figuren. Hatten Sie nie die üblichen Image-Bedenken, dass Homosexualität einer Karriere in Hollywood schaden könnte?
Das ist mir wirklich völlig gleichgültig. Das waren alles großartige Rollen – was hätte da schon Schlimmes passieren können? Dass man mich für schwul hält? (Lacht.)

Ist Ihre „Spider-Man“-Karriere abgeschlossen, oder treten Sie dort nochmals an?
Nein, ich glaube nicht, dass die mich nochmals für einen „Spider-Man“ haben wollen.

Dafür geht „Oz“ in Serie?
Ich habe für zwei Filme unterschrieben. Wenn dieser ein Erfolg wird, dann gibt es ­sicher eine oder zwei Fortsetzungen.

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