Von Sean Connery bis Daniel Craig: Ein Besucher betrachtet eine Wand mit Aufnahmen der verschiedenen Bond-Darsteller. Foto: dpa

James Bond ist eine Klasse für sich – und das nicht nur, wenn es darum geht, die Welt vor dem Untergang zu retten. Eine Ausstellung in Paris würdigt nun den speziellen „Bond-Stil“.

Paris - Kaum haben sich die Tore der Pariser Grande Halle hinter einem geschlossen und die Augen ans Halbdunkel gewöhnt, wird deutlich: Der Besucher ist der Welt des James Bond nicht nur nahe gekommen. Er ist mitten hinein katapultiert worden. Links der Aston Martin, den Daniel Craig als bisher letztes Alter Ego des Helden in „Spectre“ den Tiber entlang- und schließlich in dessen Fluten hinein steuert, rechts das 1964 von Sean Connery in den Schweizer Alpen strapazierte Vorgängermodell. Wer die Augen von den fälschlich auf dem Schrottplatz vermuteten Luxuskarossen löst, blickt in einen Pistolenlauf. Mannshoch ist er und wie die schnellen Autos unverzichtbarer Bestandteil des Bond-Universums.

Trailer für Trailer hat der Agent ihn zu durchschreiten. Der Ausstellungsbesucher soll es ihm offenbar nachtun – zu den ungestüm vorwärts drängenden Klängen des „James Bond Theme“ versteht sich. Aber was heißt da: soll. Er muss. Die Gesten der Hostessen sind eindeutig. Und was passiert, wenn der Besucher den Gesten solcher Bond-Girls in spe nicht Folge leistet, ist bekannt. Dann kommt irgendein Rabauke und verleiht der Einladung Nachdruck. Also hinein in den Pistolenlauf, zumal es am Ende des Laufs verführerisch golden glitzert. Die tote Jill Masterson liegt dort auf ihrem Liebeslager oder vielmehr eine Nachbildung der mit Gold überzogenen Bond-Gespielin.

Trotz des furiosen Auftakts dauert es ein wenig, bis man wirklich hineinfindet in diese im Pariser Osten auf 1500 Quadratmetern errichtete Agentenwelt.

Im dritten Saal der Ausstellung „James Bond 007 – 50 Jahre Style Bond“, einem Spielcasino, ist es so weit. Hier fühlt man sich weniger als Fremdkörper. Hier darf man mehr als gucken und staunen, geht als Casino-Besucher selbst im Bond-Universum auf. Man schreitet Spiegelwände entlang, beugt sich über Spieltische, auf denen sich Chips türmen. Teppichboden dämpft den Schritt. Die Deckenbeleuchtung suggeriert Sternschnuppenregen oder verglimmendes Feuerwerk. Und auch wenn es nur Kleiderpuppen sind, die in Smoking oder Robe zocken, verbreiten auch sie Casino-Flair.

James Bond in Endlosschlaufe

Zumal ja auch auf einem Riesenbildschirm gepokert und geblufft wird. Sean Connery, Roger Moore, Pierce Brosnan oder auch Daniel Craig demonstrieren dort in Endlosschleife ihr Können, räumen rund um den Globus kräftig ab. Im Casino wird auch deutlich, dass es in der Tat einen „Bond-Style“ gibt, wie der Titel der Ausstellung suggeriert. Ob Pager oder Autotelefon, so manches, was der Quartiermeister Q dem Agenten als lebensrettende Technik aufgedrängt hat, ist in die Jahre gekommen. Die von dem ehemaligen britischen Geheimdienstoffizier Ian Fleming erschaffene Persönlichkeit des Protagonisten ist es nicht.

James Bond steht für den britischen Gentleman par excellence. Er trägt nicht dick auf, hält wenig von modischer Vergänglichkeit und viel von zeitloser Schönheit, für die er tief ins Portemonnaie greift. Seien es maßgeschneiderte taillierte Jacketts, Slim-Fit-Hosen oder die im Casino präsenten Smoking-Anzüge des Helden, sie können sich noch immer sehen lassen. Eine Kleidung scheint das obendrein zu sein, in der man sich heftig prügeln kann, ohne dass sie Schaden nimmt – von gelegentlich verrutschenden Krawattenknoten einmal abgesehen. Und da Bond bei aller Liebe zum makellosen Outfit eben auch eine Spielernatur ist, gesellt sich ein Quantum Leichtigkeit hinzu, lockert das konservative Erscheinungsbild auf.

Requisiten von 007

Was für die Kleidung gilt, trifft auch auf die Accessoires zu, angefangen von diversen Aktenkoffern und Feuerzeugen bis hin zum Sowjetpanzer, mit dem Pierce Brosnan in „Golden Eye“ durch St. Petersburg walzte. Selbst der Panzer wurde aufgehübscht, wurde verschlankt, ohne dass das Gefährt darüber freilich wirklich elegant geworden wäre.

Deutlich wird in der Ausstellung schließlich auch, dass der Agentenjob an Reiz verliert, wenn man ihm zu nahe kommt. Der schmelzende Eispalast aus „Stirb an einem anderen Tag“ schlägt als hüfthohes Plastikmodell niemanden mehr in Bann. Und auch die tief im kollektiven Gedächtnis verankerte Szene, in der die Muschelfischerin Honey Ryder alias Ursula Andress einer Meeresgöttin gleich an Land geht, einen Bikini, einen Militärgürtel und ein Messer am Leib, büßt beim Betrachten der in einem Glaskasten exponierten Badebekleidung erheblich an Flair ein. Solch ernüchternde Erfahrungen sind in der Grande Halle allerdings die Ausnahme. Das meiste bleibt dort in gnädigem Halbdunkel – und das bis zum 4. September.

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