Der 500 Jahre alte Hochaltar prägt das Innere der Schlosskirche. Foto: /Gottfried Stoppel

Der im Jahr 1520 geweihte hölzerne Jakobusaltar in der Winnender Schlosskirche wird 500 Jahre alt. Dargestellt sind unter anderem wundersame Geschehnisse in der Partnerstadt Santo Domingo de la Calzada.

Kunstwerk - Die Winnender Schlosskirche mit ihrem über die Regionsgrenzen hinaus bekannten hölzernen Jakobsaltar ist seit Jahrhunderten eine Station am Jakobsweg von Rothenburg ob der Tauber nach Rottenburg am Neckar. Für Pilger liegt in der Kirche auch heute jederzeit ein Stempel für den Pilgerpass bereit. Vor zwei Jahren ist der Hochaltar mit Szenen aus dem Leben des Heiligen Jakobus und wundersamem Geschehen in Santo Domingo de la Calzada für rund 60 000 Euro restauriert worden. Jetzt feiert das im Jahr 1520 geweihte Kleinod seinen 500. Geburtstags.

Ein Brathähnchen fliegt davon

Das Kunstwerk zeigt verschiedene Stationen des Heiligen Jakobus – unter anderem das sogenannte Hähnchenwunder, das sich einst in Santo Domingo de la Calzada am Jakobsweg abgespielt haben soll. In der nordspanischen Stadt soll ein bereits gegrilltes Federvieh vom Teller eines Richters fortgeflogen sein zum Zeichen, dass ein zum Tode verurteilter Pilger unschuldig war.

Das Wunder wird dem Heiligen Jakobus zugesprochen, der von den Verwandten des Verurteilten zu Hilfe gerufen worden war. Dass der angeblich bereits seit 36 Tagen am Galgen hängende Pilger mit des Heiligen Hilfe noch am Leben sei, habe demnach der Richter gegenüber den Eltern mit den Worten quittiert: „Eurer Sohn ist so tot wie dieses Hähnchen am Grill.“ In diesem Augenblick, so die Anekdote, sei just dieses Brathähnchen wieder quicklebendig geworden und davongeflogen. Das Ende der Geschichte, so wird dies in der Infobroschüre zur Winnender Schlosskirche zitiert: „Der Sohn kommt frei; der Wirt hängt statt seiner.“ Jener niederträchtige Gastronom nämlich hatte dem Pilger demnach einen angeblich gestohlenen Kelch – der Grund für die Verurteilung – heimlich selbst in seinen Ranzen gesteckt.

Santo Domingo de la Calzada, wie Winnenden am Jakobsweg nach Santiago de Compostela gelegen, ist seit Jahren eine Partnerstadt Winnendens. Welcher Meister den prächtigen Hochaltar in der im 14. Jahrhundert vom Deutschritterorden erbauten Winnender Schlosskirche dereinst geschnitzt hat, ist nicht bekannt.

Fest am Gedenktag für Jakobus

An diesem Samstag, 25. Juli ist der Gedenktag für Jakobus des Älteren. Ihm sind in Winnenden sowohl die Schlosskirche als auch der Hochaltar gewidmet. Zwar spielen die Heiligengedenktage in der evangelischen Kirche kaum eine Rolle, trotzdem feiert die Schlosskirchengemeinde an diesen Tag das halbe Jahrtausend ihres Jakobusaltars.

Der ursprünglich geplante Festgottesdienst für den Hochaltar wird allerdings der Corona-Pandemie wegen nicht stattfinden. Stattdessen gibt es als Geburtstagsfest eine Fahrradtour und eine geführte Wanderung auf dem Jakobsweg. Außerdem wird – unter Beachtung der Abstandsregeln – zur musikalisch umrahmten Besichtigung des Jakobsaltars in die Schlosskirche eingeladen.

Die Pilgerstrecke ist 20 Kilometer lang und führt von Oppenweiler zur Schlosskirche, Treffpunkt ist am Samstag um 10 Uhr am Bahnhof Oppenweiler. Die rund 40 Kilometer weite Radtour zum Altar startet ebenfalls um 10 Uhr am Murrhardter Bahnhof. Für beide Touren gilt laut der Kirchengemeinde: Die Anreise geschieht privat, Getränke und Verpflegung sind selbst mitzubringen. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung erforderlich. Für die Fahrradtour: pfarramt.winnenden.schlosskirche@elkw.de); für die Wanderung: Nadescha.Arnold@gmx.de. Am Festtag, dem 25. Juli, ist die Winnender Schlosskirche von 13 bis 19 Uhr geöffnet. Dort ist eine kleine Pilgerstraße durch die Kirche bis zum Altar gekennzeichnet. Mundschutz und Abstand sind Pflicht. Zur vollen Stunde erklingt von der Orgelempore Musik.

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