Matthias Klopfer (links) und Jürgen Dobler befürworten Investitionen in die Sicherheit des Stadtfestes Schowo. Foto: Stoppel

Überregionale Negativ-Schlagzeilen hat im Jahr 2017 das Schorndorfer Stadtfest Schowo gemacht. Der Oberbürgermeister Matthias Klopfer und der Hauptorganisator Jürgen Dobler berichten, wie sie der Schowo 2018 entgegensehen.

Schorndorf - Letztendlich wird wohl niemals ans Tageslicht kommen, was genau sich während der Schowo in der Nacht zum Sonntag im Schorndorfer Schlosspark zugetragen hat. Klar ist: Etwa tausend junge Menschen haben gefeiert, es gab eine Schlägerei, Flaschenwürfe gegen Polizisten und Sachbeschädigungen. Zudem wurden mehrere Frauen auf dem Stadtfest sexuell belästigt. Fünf Monate sind seitdem vergangen. Der Oberbürgermeister Matthias Klopfer und Jürgen Dobler, Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft Schorndorfer Vereine, blicken im Interview zurück.

Herr Klopfer, Herr Dobler, was denken Sie, verbindet ein Hamburger mit dem Schorndorfer Stadtfest? Ausufernde Gewalt? Migrantenmob?
Klopfer Ich denke, da muss man den Ball flach halten. Einem Hamburger muss man nämlich erst einmal erklären, dass Schorndorf bei Stuttgart liegt. Ich bin wirklich viel unterwegs, und ich werde nicht mehr auf die Schowo angesprochen. Auch wenn es natürlich richtig ist, dass es während der Schowo ein noch nie da gewesenes mediales Großaufgebot gab. Aber das war mit Festende schlagartig vorbei.
Dobler Ich war gerade erst in Hamburg. Dort kennt man eher die Ringer des ASV Bauknecht als die Schowo.
Wenn Sie nun mit fünf Monaten Abstand an das Stadtfest zurückdenken – wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?
Dobler Es sind außerhalb des Festgeländes Dinge passiert, für die wir nichts konnten und von denen wir gebeutelt wurden. Für mich ist die Schowo immer psychisch und physisch anstrengend, und das war dieses Mal extrem. Gleichzeitig hatten wir selten so gutes Wetter, alles hat geklappt – und insgesamt war diese Schowo eine der wirtschaftlich erfolgreichsten. Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Der Bierumsatz ist um drei Prozent gestiegen. Das freut mich, denn die meisten Standbetreiber sind auf die Schowo-Umsätze angewiesen, um ihr Vereinsleben zu finanzieren.
Klopfer Ich erinnere mich auch an ein wunderschönes Finale am Dienstag – das ist ja traditionell der Abend der Schorndorfer. Aber es war natürlich eine unglaublich anstrengende Schowo. Gut war, dass ich mich am Samstag danach in den Flieger ans Mittelmeer setzen konnte. Noch besser war, dass es dort kein Internet gab.
Welchen Schaden hat der Wirbel bei den ehrenamtlichen Helfern hinterlassen?
Klopfer Ich war als Gast bei der Mitgliederversammlung der Vereinsgemeinschaft. Und am längsten wurde darüber diskutiert, ob Aperol verkauft werden darf oder nicht.
Dobler Ja, das ist unser Job, dass wir uns mit solchen Themen auseinandersetzen . . .
Klopfer . . . und damit, welche Musik die richtige ist und was die Vereine machen, wenn am Schowo-Sonntag das Fußball-WM-Finale steigt. Es war eigentlich business as usual angesagt.
Dobler Polizei, DRK und Ordnungsamt haben im Rückblick berichtet, wie das Fest aus ihrer Sicht war. Aber da gab es keine Rückfragen, es war einfach kein Thema mehr. Und man muss auch sagen: Wir hatten früher schon schlimmere Jahre. So gab es zum Beispiel keinen Schwerverletzten.
Klopfer Neu waren die Flaschenwürfe gegen Polizisten. Die Gewalt gegen Polizisten hat zugenommen, das ist ein bundesweites Problem und darf nicht akzeptiert werden.
Insgesamt wurden während der Schowo 71 Straftaten registriert, deutlich mehr als im Vorjahr. Also scheint die Gewalt auf der Schowo doch anzusteigen.
Klopfer Das ist richtig, und dies muss man auch benennen. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass es bei vielen bei einem Anfangsverdacht geblieben ist. Und sexuelle Belästigung war bis vor Kurzem kein Straftatbestand und konnte nicht zur Anzeige gebracht werden. Sexuelle Belästigung gab es schon immer, aber inzwischen redet man darüber. Das ist wichtig und gut so. Damit ändert sich zum Glück auch das Anzeigeverhalten der Frauen. Denn es ist erschreckend, wie viele Frauen betroffen sind.
Dobler Ich bin seit etwa 24 Jahren in der Schowo-Organisation. Es gab damals Jahre, in denen nach dem Fest 18 Biertischgarnituren kaputt waren. Die Leute waren so betrunken, dass sie völlig haltlos waren. Schon seit über 15 Jahren schenken wir deswegen auf der Schowo keinen harten Alkohol mehr aus – dass seitdem keine Biertischgarnituren mehr kaputtgehen, ist eines der sichtbaren Zeichen für deutlich weniger alkoholbedingte Randale. Die Schowo hat diesbezüglich landauf, landab ein sehr positives Image, gerade auch im Vergleich mit anderen großen Stadtfesten. Dass es bei uns meist friedlicher zugeht, liegt eben sehr stark mit an dieser Selbstbeschränkung.
Dieses Jahr steht die 50. Schowo an, die Jubiläums-Schowo. Wird es spürbare Änderungen geben?
Klopfer Ich denke, dass es mehr Polizei geben wird, da ist man sensibilisiert. Ich hoffe, dass das Aufgebot dann Jahr für Jahr wieder kleiner werden kann. Zudem wollen wir – und nicht nur während der Schowo – an verschiedenen Punkten in der Stadt die Beleuchtung verbessern. Auch damit man besser sieht, falls etwas passiert. Für mich wird sich ändern, dass ich nachts unterwegs bin und um 3 Uhr bei der Besprechung mit der Polizei, dem DRK und dem Veranstalter dabei bin. Da lag ich bisher schon im Bett. Und klar: Ich werde vor der nächsten Schowo angespannter sein.
Dobler Aufgeregt bin ich immer, vor allem am Freitag. Den ersten Festabend genießen wir mit besonderer Vorsicht, vor allem, wenn das Wetter sehr heiß ist. Und wir als Veranstalter finden es eine gute Sache, wenn in die Sicherheit investiert wird. Über viele Jahre konnten wir auf einen privaten Sicherheitsdienst verzichten, in diesen Zeiten aber müssen wir uns anpassen.
Der Schauplatz des Geschehens, der Schlosspark, wird wegen Umbauarbeiten für die Gartenschau nicht zur Verfügung stehen.
Klopfer Das ist sicher die größte Herausforderung. Wir wissen noch nicht, wohin die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gehen werden. Aber der Schlosspark wird definitiv Baustelle sein.
Dobler Die Jugendlichen wünschen sich einen Platz, an dem sie die Schowo spüren, aber nicht die Erwachsenen sehen. Wo sie chillen und hocken können, wo es beleuchtet ist und es ein Klo in der Nähe gibt.
Klopfer Und bisher haben wir noch keinen Platz gefunden, der das alles bietet. Wir sind deshalb auch schon gezielt mit den Jugendlichen in Gesprächen, etwa über unsere Schorndorfer Jugendinitiative.
Was wünschen Sie sich für die Jubiläums-Schowo?
Klopfer Ein ganz normales Stadtfest mit viel Freude, schönem Wetter und einem deutschen WM-Sieg am Schowo-Sonntag.
Dobler Dass wir in Frieden unseren Job machen können, den wir nämlich gerne machen. Und richtig groß wollen wir dann erst die Schowo 50+1 feiern – 2019, während der Remstal-Gartenschau. Dann, wenn die Stadt blüht und am schönsten ist.
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