Studierende der Universität Stuttgart bei der Arbeit. Foto: Lichtgut/Achim Zweygardt

30 000 Studierende und Mitarbeiter hat die Uni Stuttgart. Deren Erfolg strich Rektor Wolfram Ressel bei der Jahresfeier heraus und stellte große Zukunftspläne vor.

Stuttgart - Die Universität Stuttgart habe „eine 80-prozentige Effizienz, das ist einzigartig in Deutschland“. So läutete Wolfram Ressel den Lobesreigen bei der akademischen Jahresfeier am Freitagabend ein. Er führte die Chance ins Feld, dass sich das Haus um den Status einer Exzellenzuniversität bewerben könne. „Wenn dies auch gelänge, würde ich vor Stolz nicht mehr stehen können“, so der Rektor.

Die Zukunftspläne der Universität sind nicht weniger bescheiden. Noch seien die Verträge nicht unterschrieben, aber gemeinsam mit der Universität Tübingen sowie mehreren ansässigen Firmen auch aus der Automobilbranche plane man die Gründung eines Cyber Valley Baden-Württemberg. Auch der Campus selbst steht vor dem Umbruch: „Was die Universität richtig belastet, ist das Thema Infrastruktur.“ Für die Sanierung würde eine Milliarde Euro benötigt. Doch Ressel signalisierte Fortschritte: „Die Verträge sind unterschrieben, wir gehen in die Sanierung des Naturwissenschaftlichen Zentrums.“ Es soll 650 Millionen Euro kosten und 2030 abgeschlossen sein. Weitere Neubauten und Sanierungen schlagen mit rund 170 Millionen Euro zu Buche, außerdem werde das Studierendenwerk auf dem Telekom-Areal in Vaihingen ein Gästehaus mit 270 Betten und Tagungsräumen betreiben, was Ressel mit sichtlicher Genugtuung verkündete.

Klage gegen Studiengebühren

In Anbetracht der dargelegten guten finanziellen Situation der Universität stellte der Vorsitzende des Universitätsrats, Professor Bernhard Keimer, in seinem Grußwort fest: „Ich konnte sehr gut schlafen, weil die Universität sehr solide ist.“ Johannes Rothmund vom akademischen Mittelbau hofft auf neue „Datenverarbeitungssysteme, die die Arbeit erleichtern“, und Fritz Otlinghaus, der Vorsitzende der Studentischen Vereinigung, kündigte eine Klage gegen die Studiengebühren für Nicht-EU-Studenten an, „notfalls bis nach Karlsruhe“. Nach den Darlegungen Ressels soll die Zahl der ausländischen Studierenden allerdings nicht zurückgegangen sein.

Ehrungen und eine Doktorwürde

Für außergewöhnliches Engagement ist der 46-jährige Mathematiker Michael Eisermann mit dem Lehrepreis ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert und muss zweckgebunden zur Verbesserung der Lehre eingesetzt werden. Thomas Wagner ist zwar seiner Alma Mater längst entwachsen und als Unternehmensberater tätig, hat sich aber 30 Jahre lang als ehrenamtliches Vorstandsmitglied der Freunde der Universität Stuttgart für die Belange der Hochschule eingesetzt, unter anderem für den Neubau des Internationalen Zentrums und das Luft- und Raumfahrtzentrums Baden-Württemberg. Dafür ist ihm die Ehrenmedaille verliehen worden. Mit der Ehrendoktorwürde ehrte Ressel den Experimental- und Weltraumphysiker Berndt Feuerbacher. Er war an zahlreichen Weltraummissionen beteiligt und hat die Kometensonde Philae konstruiert. Die naturwissenschaftliche Ausrichtung der Universität erfuhr durch den Festredner Professor Konrad Wegener von der ETH Zürich Zuspruch. Im Zusammenhang mit dem Technologiewandel in der Arbeitswelt mahnte er: „Aus Industriestandort darf nicht Industrie stand dort werden.“

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