Zeitungen sind nur eines von vielen Druckerzeugnissen. In Heidelberg setzt man auf Verpackungen. Foto: dpa

Das größte Werk Wiesloch solle unter der Entwicklung nicht leiden, betont das Unternehmen. Hier soll die Digitalstrategie des seit Herbst amtierenden Vorstandschefs Hundsdörfer umgesetzt werden. Das Ziel: Der Gewinn von zuletzt 36 Millionen Euro soll bis 2022 auf mehr als 100 Millionen Euro steigen.

Frankfurt - Die Heidelberger Druckmaschinen AG will ihre Produktion in China ausbauen. Das bislang hauptsächlich für chinesische Kunden zuständige Werk in Qingpu bei Shanghai solle künftig für den gesamten asiatischen Raum produzieren, „vielleicht auch die eine oder andere Maschine für den Weltmarkt“, sagte Vorstandschef Rainer Hundsdörfer am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Die China-Pläne sollten aber nicht zulasten der Produktion im größten Werk Wiesloch gehen, wo das Unternehmen derzeit ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum aufbaut: „Zumindest die neuen Maschinen werden sicher immer in der Nähe zur Entwicklung gebaut werden“, sagte Hundsdörfer.

Auch plane das Unternehmen, dessen weltweite Belegschaft in den vergangenen fünf Jahren um gut 20 Prozent geschrumpft ist, „keinen großen Personalabbau“ mehr. „Den großen Schritt, wo wir tief reingeschnitten haben, haben wir hinter uns“, sagte Finanzvorstand Dirk Kaliebe. Heidelberger Druck war während der weltweiten Rezession 2009 in eine tiefe Krise geschlittert, hinzu kam der Umbruch der Druckindustrie durch die wachsende Bedeutung des Internets.

Das Unternehmen soll zum „Amazon der Druckbranche“ werden

Die Digitalisierung will das Unternehmen, das seit 2016 wieder schwarze Zahlen schreibt, nun als Chance nutzen: Hundsdörfer sieht die Zukunft des Maschinenbauers als „Amazon der Druckbranche“. Wie das Online-Kaufhaus Amazon soll Heidelberger Druckmaschinen künftig als Serviceplattform agieren. Konkret soll den Kunden neben Druckmaschinen und deren Wartung auch die dazugehörige Produktpalette angeboten werden, wie Software und Farben – auch von anderen Herstellern. Mithilfe der Daten, die das Unternehmen schon jetzt von den Maschinen zugespielt würden, könnten die Bedürfnisse der Kunden künftig automatisch ermittelt werden, sagte Hundsdörfer.

Im Zuge dieser neuen Strategie erwirbt Heidelberger Druck von Fujifilm das Geschäft mit Lacken und Drucksaal-Chemikalien in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. Zu Beginn der Woche hatte das Unternehmen bereits die Übernahme des Software-Anbieters Docufy bekanntgegeben, der sich auf technische Dokumentationen spezialisiert hat. Zusammengenommen kosten die beiden Akquisitionen nach Vorstandsangaben rund 20 Millionen Euro – angesichts eines Nettogewinns von 36 Millionen Euro im zurückliegenden Geschäftsjahr kein Pappenstiel. In den nächsten Jahren will Hundsdörfer das Ergebnis deutlich steigern, für 2022 strebt er einen Nettogewinn von „mehr als 100 Millionen Euro“ an. Dafür soll der Umsatz von zuletzt 2,5 Milliarden Euro auf drei Milliarden Euro erhöht werden. Große Hoffnung setzt das Unternehmen dabei in den Verpackungsdruck, für den im vergangenen Jahr eine neue Maschine präsentiert wurde. Technisch sei das Unternehmen den Wettbewerbern damit mindestens ein Jahr voraus, sagte Hundsdörfer. Gleichwohl komme man um weitere Einsparungen nicht herum. So soll nicht jeder Mitarbeiter, der in den Ruhestand geht, ersetzt werden. Insgesamt sollen die Kosten in den nächsten fünf Jahren um 50 Millionen Euro sinken.

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