Fluglärm ist für viele Menschen im Kreis Esslingen ein großes Problem. Jetzt liegt der Bericht der Lärmschutzbeauftragten vor. Foto: Horst Rudel

Die neue Flugroute für den Flughafen Stuttgart sorgt für mehr Beschwerden. Das stellt die neue Lärmschutzbeauftragte fest. Die Bürgerinitiative hat eine Petition gestartet.

Das neue, verkürzte Abflugverfahren für Flüge in Richtung Süden sorgte für viele Lärmbeschwerden in den neu betroffenen Kommunen. Etwa 85 Prozent aller Lärmbeschwerden kamen aus Orten, die einen räumlichen Bezug zum neuen Abflugverfahren haben. Das hat Kathrin Frank, die neue Lärmschutzbeauftragte für den Flughafen Stuttgart, mitgeteilt. Im Jahr 2024 seien weniger als ein Prozent der Flugbewegungen über diese Route abgewickelt wurden.

 

Ein räumlicher Vergleich des Beschwerdeaufkommens zeigt der Expertin, dass Orte ohne Bezug zum seit 2023 betriebenen neuen Abflugverfahren „weiterhin ein zu den Vorjahren vergleichbares Beschwerdeaufkommen haben.“ Bei den neu Betroffenen sieht das anders aus.

Die Bürgerinitiative „Vereint gegen Fluglärm“ fordert, dass der Kompromissvorschlag umgesetzt wird, nach dem auf der neuen Flugroute erst ab 8 Uhr geflogen werden soll. Darauf hatte sich eine Mehrheit in der Fluglärmkommission geeinigt.

Ostfilderns Oberbürgermeister Christof Bolay, der Vorsitzende des Gremiums, hatte aber damals schon deutlich gemacht, dass die Akteure am Flughafen da wohl nicht mitziehen. Dazu müssten auch die Fluggesellschaften einverstanden sein. Die Slots zwischen 6 und 8 Uhr sind am Flughafen die gefragtesten. Nun sammelt die Initiative Unterschriften für eine Petition, die fordert, dass sich der Landtag mit dem Thema auseinandersetzt. Wenn mindestens 10 000 gültige Unterschriften gesammelt werden, muss der Petitionsausschuss in der Regel eine öffentliche Anhörung abhalten.

Kathrin Frank ist neue Fluglärmschutzbeauftragte. Foto: RP Stuttgart

Dass Fluglärm im gesamten Kreis Esslingen ein Problem bleibt, stellte die neue Lärmschutzbeauftragte in ihrem Bericht für das Jahr 2024 klar, der in diesem Jahr später kommt als sonst. Der Grund ist, dass der bisherige Lärmschutzbeauftragte, Stefan Köhler, nach Angaben des Regierungspräsidiums Stuttgart gegangen ist. So war die wichtige Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, die unter dem Fluglärm leiden, „mehrere Monate“ nicht besetzt. Kathrin Frank hat ihre Stelle im September 2025 angetreten. Sie ist Ingenieurin und Privatpilotin. Das Regierungspräsidium, bei dem die Stelle angesiedelt ist, verwies auf die Bedeutung. „Fluglärm ist ein Thema, das viele Menschen bewegt. Umso wichtiger ist es, dass Bürgerinnen und Bürger eine kompetente und neutrale Ansprechpartnerin haben“, sagte Regierungspräsidentin Susanne Bay.

Weniger Nachtflüge sorgen „für eine gewisse Entlastung“

Dass der Bedarf nach wie vor groß ist, stellte die neue Lärmschutzbeauftragte klar. „Das Beschwerdeaufkommen rund um den Flughafen bleibt hoch“, sagt Frank. Dennoch sorgten weniger Nachtflüge für eine gewisse Entlastung. Immer wieder komme es zu Lärmbeschwerden von Bürgerinnen und Bürgern – auch wenn die vorgegebenen Grenzwerte eingehalten würden.

Die Lärmschutzbeauftragte hat da aus ihrer Sicht „die vermittelnde Aufgabe“, den Bürgerinnen und Bürgern zu erklären, wieso der wahrgenommene Lärm in der Regel gesetzeskonform ist. Wird gegen Vorgaben verstoßen, ist es Aufgabe der Lärmschutzbeauftragten, einzuschreiten und den Grund zu ermitteln. „In diesem Fall verfolgt man das Fehlverhalten der Fluglinien und sorgt so für Lärmverbesserungen im Flugverkehr“, sagt Frank. 2024 habe es aber keine Notwendigkeit gegeben, Fluglinien wegen ihres Fehlverhaltens zu verfolgen.

Das Beschwerdeaufkommen rund um den Flughafen bleibt hoch. Foto: Horst Rudel

95 481 Flüge im vergangenen Jahr

Die Beschwerden, die während der Vakanz eingegangen sind, hat die Lärmschutzbeauftragte nun erfasst und in die Statistik eingearbeitet. Insgesamt sind demnach 13 788 Beschwerden beim Lärmschutzbeauftragten eingegangen. Anonyme Beschwerden würden allerdings nicht erfasst. 29 Prozent der Beschwerden wurden von vier Beschwerdeführen eingereicht, die sich vielfach beschwert haben. Diese Beschwerden werden nach Franks Worten erfasst, „jedoch aus der flächenhaften Verteilung der Beschwerden herausgerechnet, um ein räumliches Verzerren des Beschwerdeaufkommens zu vermeiden.“ Im Jahr 2024 sind die Flugbewegungen auf 95 481 angestiegen. Die Anzahl von Nachtflügen hat im selben Zeitraum abgenommen. „Grund hierfür ist, dass Nachtpostflüge ab dem 1. April 2024 eingestellt wurden“, sagt Kathrin Frank. Das entlastet die Bürgerinnen und Bürger aus ihrer Sicht deutlich.

Die Lärmschutzbeauftragte Kathrin Frank ist unter der Telefonnummer: 0711 / 72 24 93 49 oder per E-Mail an: lsb@rps.bwl.de zu erreichen.

Schutz gegen Fluglärm

Der Jahresbericht
Den vollständigen Jahresbericht 2024 sowie Informationen zur Rolle der Arbeit der Lärmschutzbeauftragten für den Flughafen Stuttgart sind auf der Internetseite des Regierungspräsidiums Stuttgart unter: rp.baden-wuerttemberg.de abrufbar.

Die Petition
Die Petition der Initiative „Vereint gegen Fluglärm“ kann unter: www.petitionen.landtag-bw.de eingesehen und unterzeichnet werden. Aktuell haben mehr als 1500 Menschen unterzeichnet.