Unter Studenten beliebt: die Uni Hohenheim Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Rund 90 Prozent der Ziele, die von der Uni Hohenheim vor fünf Jahren avisiert wurden, sind laut Rektor Dabbert erreicht worden. Er führt den Erfolg auf das Festhalten an der Gesamtstrategie zurück – was übrigens auch die Frauenförderung nach vorn gebracht hat.

Stuttgart - An Superlativen fehlte es der Uni Hohenheim im vergangenen Jahr nicht: Unter Studenten ist sie die beliebteste in Baden-Württemberg, im Forschungsranking gehört sie zu den besten 30 Prozent weltweit, in der Agrarforschung und weiteren Fächern belegt sie die besten Plätze, ach ja, und ihr Rektor ist laut Hochschulverband der beliebteste im Land – was Stephan Dabbert in aller Bescheidenheit am Freitag allerdings nicht erwähnte, als er Universitätsrat und Senat seinen Jahresbericht 2017 vorlegte.

Stattdessen präsentierte er ein „Kondensat aus dem, was besonders gut gelaufen ist“. Zum Beispiel die Bewilligung des 54 Millionen Euro teuren Forschungsbaus, der von Forschern aus den Tierwissenschaften sowie sechs weiteren Fakultäten genutzt wird. Sie entschlüsseln komplexe Lebensgemeinschaften von Mikroorganismen unter anderem im Verdauungstrakt von Nutztieren und loten die Bedeutung der Mikroorganismen für Tiere und Umwelt aus. Das Hightechlabor soll ein Zentrum von überregionaler Bedeutung werden.

Schwerpunktthema ist Bioökonomie

Die vor fünf Jahren eingeschlagene Strategie der Universität habe die Gelderbewilligung maßgeblich beeinflusst. Gute Rahmenbedingungen seien bereits vorhanden gewesen, Pläne zur Personalentwicklung gefasst und Stiftungsgelder eingeworben worden. „Wenn man solche Themenfelder angeht, bedarf es einer gewissen Koordination, als Ganzes kann die Uni erhebliche Power einbringen. Am Schluss braucht man auch ein bisschen Glück“, so Stephan Dabbert.

Seit 2013 konzentriert sich die Uni unter anderem auf die Bioökonomie. Dabei geht es um die Nutzung von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen, um neue Rohstoffe, Produkte und Verfahren zu entwickeln. 2017 erhielt die Uni Hohenheim den Auftrag, ein Bioökonomie-Projekt mit 22 externen Partnern zu koordinieren. „Rund 90 Prozent der Ziele von vor fünf Jahren dürften erreicht worden sein in 2017“, so Dabbert. „Wir sollten damit nicht zufrieden sein. Wir sind in einem Bereich unterwegs, wo man nicht quartalsweise die Strategie wechseln kann.“

90 Frauen wollten Karrierebus nehmen

Die Gleichstellungsbeauftragte verwies in ihrem Jahresbericht ebenfalls auf eine Erfolgsgeschichte: „Jeder zweite Ruf auf eine Professur geht inzwischen an eine Frau“, so Ute Macken­stedt. Der Weg dorthin war nicht leicht. „In den 1980ern wurde noch gefragt: Gibt’s dieses Problem überhaupt?“ Zwei Frauenbeauftragte warfen das Handtuch, einmal ist im Streit gar der gesamte Senat zurückgetreten. Heute ist Hohenheim als familiengerechte Hochschule zertifiziert, fördert seit 2017 Existenzgründerinnen und seit Langem den wissenschaftlichen Nachwuchs, hat ein Berufungsmanagement eingeführt, das verantwortlich ist für die Berücksichtigung von Gleichstellungsaspekten und lädt zur Fahrt im Karrierebus ein, der die Wissenschaftlerinnen mit Firmen und Start-ups zusammenbringt. Auf Anhieb hatten sich dazu 90 Frauen angemeldet. Die Frage eines Zuhörers, wann denn das Ziel erreicht sei, konterte Mackenstedt gelassen: „Als Biologin weiß ich, dass sich eines nicht ändert: dass die Frauen die Kinder kriegen.“

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