Katrin Strotbek und Martin Gropper ziehen um. Den Glauben an den Rechtsstaat haben sie verloren. Foto: Gottfried Stoppel

Eingeschlagene Fenster, zerstochene Reifen und tätliche Angriffe: Über fast zehn Jahre versuchte ein Gärtner aus Remshalden, sich dagegen zu wehren. Jetzt zieht er weg – um in Waiblingen neu anzufangen.

Remshalden - Es hätte so schön sein können. Über den Stiefmütterchen lacht die Sonne. Blumenduft liegt in der Luft, Bienen summen. „Frühling“, sagt Martin Gropper, und die Augen des hageren, braungebrannten Mannes lachen. Aber eigentlich ist ihm zum Heulen zumute. Nach rund zehn Jahren, in denen er und seine Partnerin Katrin Strotbek ihre Gärtnerei in Remshalden-Geradstetten aufgebaut haben, macht er dicht. Der Betrieb zieht weg.

Aus dem Grund dafür macht das Paar keinen Hehl. Die beiden haben am Eingang große Schilder aufgestellt. „Es ist unmenschlich und unter Gefahr für Leib und Leben für uns und unseren Mitarbeitern hier weiter einen Betrieb zu führen“, ist auf einem zu lesen. „Wegen einem Kriminellen müssen wir eine neue Existenz in Beinstein aufbauen“, auf einem anderen. Der Mann, der damit gemeint ist, lebt direkt gegenüber und heißt Thomas M. Er hat Gropper die Gärtnerei verpachtet – obwohl das Gelände ihm gehört, darf er es laut einem Gerichtsurteil nicht mehr betreten. Gründe dafür gibt es viele.

Der Verpächter wird zu Haftstrafen verurteilt – und bekommt Freigang.

Kurz nachdem sie den Betrieb übernommen hatten, habe es mit ausgekippten Mülleimern angefangen, erzählt Gropper. Es folgten zerschlagene Blumentöpfe, beschädigte Autos, abgestellter Strom und mit einer Steinschleuder zerschossene Gewächshausscheiben. Gropper hat alles dokumentiert und in vielen Aktenordnern gesammelt. Er hat Fotos gemacht, Überwachungskameras aufgehängt, Anzeige erstattet, immer wieder.

Auf unzähligen Videos ist M. zu sehen, der mal scheinbar seelenruhig, mal wutentbrannt Zäune zusammentritt, Blumentöpfe umwirft, um das Gebäude schleicht. Manchmal ist auch ein Maskierter zu sehen. Immer wieder wurde M. verurteilt. „Aber es kümmert ihn einfach nicht“, erzählt Katrin Strotbek. Schadenersatz und Anwaltskosten holte das Paar sich immer wieder über Kontopfändungen, inzwischen gibt es dort aber offenbar nichts mehr zu holen.

Im vergangenen Jahr wurde M. zwei Mal zu Haftstrafen verurteilt – wegen eines Angriffs auf einen Mieter und auf einen von Gropper beauftragten Sicherheitsmann. Doch schon bald bekam M. Freigang. Seine Haft bezeichnete er in der Lokalzeitung als „Schullandheim“. Just an den Wochenenden, an denen M. Freigang hatte, wurde Groppers Transporter beschädigt.

Darum ist es so schwer, dem Treiben ein Ende zu setzen:

Sein Anwalt Hendrik Leibfritz erklärt, warum es so schwer ist, dem Treiben ein Ende zu setzen: „Im Zivilrecht gelten sehr strenge Maßstäbe – wenn auf dem Video ein maskierter Täter zu sehen ist, wird es schwierig mit der Beweislast.“ Und bei den Strafsachen sei die Staatsanwaltschaft Stuttgart zuständig – und diese stelle aus seiner Sicht zu viele der Verfahren ein. Die Polizei sei vermutlich überlastet. Da M. direkt gegenüber wohnt, greife auch der Stalking-Paragraf nicht: „Da ist mit einem Annäherungsverbot nichts zu machen.“

Matthias Höfer, M.s Anwalt, lässt ausrichten, er wolle sich zu dem Fall nicht äußern. M. selbst hat gegenüber der „Waiblinger Kreiszeitung“ alle Vorwürfe abgestritten. Sein Motiv bleibt unklar: Schon vor Jahren soll er vergeblich versucht haben, Gropper zu kündigen. M. geht nach Urteilen gegen ihn durch alle juristischen Instanzen und klagt auch selbst. Mal geht es um Betriebskostenabrechnungen, mal um den Verkaufsbereich der Groppers, der ihm ein Dorn im Auge ist. „Das ist eindeutig vorgeschoben“, sagt Matthias Höfer.

Die Brandstiftung von 2018 kann dem Mann nicht nachgewiesen werden

Im März 2018 wütete ein Großbrand in den Gewächshäusern. Schnell stellte die Polizei fest: Es war vorsätzliche Brandstiftung. Für das Gärtnerpaar war klar, dass M. verantwortlich gewesen sein müsse. Die Staatsanwaltschaft fand keine Beweise dafür und stellte das Verfahren ein.

Das Gärtnerpaar zieht daher jetzt weiter nach Waiblingen-Beinstein. Martin Groppers Bruder hat dort eine Gärtnerei – und die Betriebe würden sich gut ergänzen, glaubt Gropper. „Viele Kunden haben versprochen, die fünf Minuten zu fahren“, sagt er. Alle Mitarbeiter machten den Umzug mit.

Bis es mit der neuen Gärtnerei losgehen kann, wird aber wohl noch ein knappes Jahr vergehen, schätzt Martin Gropper. „Bis dahin haben wir weiter Angst.“ Mit dem Rückbau hat die Gärtnerei schon begonnen. Das blieb seinem Widersacher nicht verborgen. „Er ist hergekommen, hat Fotos von uns gemacht und sich einen Ast gelacht.“

Auch von der Gemeinde Remshalden fühlt sich Gropper im Stich gelassen. Dort ist der Fall bekannt: „Der Streit zwischen Herrn Gropper und Herrn M. ist mehrmals gerichtlich durchgefochten worden“, betont der Bürgermeister Reinhard Molt. Dass Gropper nun wegziehe, sei bedauerlich. „Aber wir müssen uns auf die Rechtsprechung verlassen – und in Deutschland gilt nun einmal die Unschuldsvermutung.“ Er befürchte allerdings, dass sich nun kein Pächter mehr findet, der die Gärtnerei in Geradstetten weiter betreiben will.

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