Auch bei der U20-Nationalmannschaft des DFB im Einsatz: Hannes Wolf (re.) und sein Co-Trainer Daniel Stredak. Foto: IMAGO/Maximilian Koch

Mehr Ballkontakte, keine Wartezeiten: Ex-VfB-Cheftrainer Hannes Wolf zeigt in Stuttgart, wie jedes Kind im Sportunterricht aktiv mitspielt.

„Wer hatte heute den Ball?“ „Ich!“, antworten die Kinder, nachdem Hannes Wolf die Frage gestellt hat. Mehr als zwanzig Arme schnellen in die Höhe. Der DFB-Direktor für Nachwuchs, Training und Entwicklung nickt zufrieden. Was wie eine einfache Frage klingt, ist der Kern einer größeren Idee: Mehr Bewegung, mehr Spielfreude und mehr Beteiligung im Schulalltag.

 

Seit Herbst 2025 läuft beim DFB die bundesweite Initiative „Jahr der Schule“. Eine von vielen Fortbildungen fand am vergangenen Freitag im Rahmen des Futsal-Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen England in der Porsche Arena statt. U20-Nationalmannschaftstrainer Hannes Wolf und sein Co-Trainer Daniel Stredak leiten dabei eine Schulstunde. 29 Drittklässler stehen in der Halle, etwa 300 Lehrer und Trainer verfolgen aufmerksam die Geschehnisse.

Vier Felder sind aufgebaut, drei davon mit jeweils vier Toren. Auf dem vierten bilden zwei umgedrehte Kästen Basketballkörbe. Während Stredak die Gruppen einteilt, erklärt Wolf das Prinzip: kleine Teams, viele Ballkontakte, keine langen Wartezeiten. „Je weniger Spieler auf einem Feld, desto mehr Kontakte“, sagt er. Gespielt wird im Drei-gegen-Drei. An jedem Feld stehen sogenannte Spielbegleiter, die sofort einen neuen Ball einwerfen, wenn einer ins Aus fliegt. Nach drei Minuten wird gewechselt – jede Gruppe durchläuft jede Sportart, jedes Kind übernimmt einmal Verantwortung. Dieser Ablauf wiederholt sich bis zum Ende der Stunde.

Und tatsächlich: Alle sind beteiligt. Vereinsfußballer ebenso wie Kinder, die zum ersten Mal einen Basketball oder Handball in der Hand halten. Alle rennen, kämpfen um den Ball und niemand steht lange am Rand.

Wolf sieht in der Schule einen entscheidenden Ansatzpunkt. „Wir haben eine veränderte Gesellschaft“, sagt er. „Das, was früher der Bolzplatz gemacht hat, also Schule bis 13 Uhr und dann raus, ist heute anders.“ Viele Kinder bleiben bis zum Nachmittag in der Schule und in der Freizeit nehmen digitale Geräte viel Raum ein. „Da brauchen wir einen Zugang zum Sport. Und der kann nicht allein über die Vereine laufen.“ Im Vergleich zum Training in Vereinen brauche es in der Schule ein Modell, das einfach funktioniere. „Keine wilden Regeln. Es geht um den Kern des Spiels: angreifen, verteidigen, umschalten. Und das mit möglichst hoher Beteiligung für jedes Kind.“

Für die Lehrkräfte, die in der Arena sitzen, ist das mehr als eine neue Übungsidee. Es ist ein Konzept, das sich in den Schulalltag übertragen lässt – ohne großen Aufwand, teure Ausstattung und lange Vorbereitung. Wolf betont: „Das muss so einfach sein, dass es jeder machen kann.“

Am Ende der Stunde stellt Wolf eben jene Frage nach dem Ball, die jedes Kind enthusiastisch mit „Ich“ beantwortet. Ein Zeichen dafür, worum es geht: Jeder soll spielen, jeder soll den Ball haben.