An der Rosensteinstraße erinnert ein Herz an die Unfallopfer. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ein Notarzt berichtet über die Lage am Unfallort: Schon vier Minuten nach dem Alarm kann er nur noch den Tod feststellen.

Stuttgart - Irgendwer tuschelt immer. Nie ist es ganz still im größten Sitzungssaal des Stuttgarter Landgerichts. Mal räuspert sich wer, dann raschelt ein Bonbonpapier, jemand schnäuzt sich. Doch am Montag ist es auf einmal absolut ruhig im Saal 1, wo gegen den 20-jährigen Stuttgarter verhandelt wird, der am 6. März mit einem gemieteten Jaguar einen tödlichen Unfall verursacht haben soll. Es spricht der Notarzt, der sich am Unfallort um eines der Opfer kümmerte – und nichts mehr tun konnte.

Es sei ein ruhiger Abend mit wenig Verkehr gewesen, berichtet der 35-jährige Arzt. Schon vier Minuten nach der Alarmierung seien seine Mannschaft und er von der Hauptrettungswache an der Neckarstraße beim Ufa-Palast gewesen. Er habe sich zu dem extrem deformierten Kleinwagen begeben, der ununterbrochen gehupt habe. „Der Fahrer war in sich zusammengesunken, sein Kopf lag auf der Hupe“, berichtet der Notarzt. Und noch etwas sieht er beim Blick in den Wagen, was ihm vor Augen führt, wie heftig der Aufprall auf den kleinen Citroën gewesen sein muss: „Die Frau saß schräg hinter dem Fahrer“, so weit hatte es den Beifahrersitz verschoben, berichtet der Mediziner. Mit vereinten Kräften sei es gelungen, den Mann rauszuziehen. Er habe beim ersten Blick in den Wagen leblos gewirkt, und das habe sich beim Untersuchen bestätigt: „Er war schon tot“, sagt der Arzt.

Eltern der Opfer sollen von ihren Kindern erzählen

Er habe aufgrund des stumpfen Traumas, das eingetreten sein musste, vermutet, dass die Hauptschlagader im Körper des 25-Jährigen abgerissen sei. „Dann schlägt das Herz noch ein paar Mal und pumpt Blut ins Leere“, erläutert der Arzt im Zeugenstand die schrecklichen Unfallfolgen. Ein umgehend angeschlossenes EKG habe eine Nulllinie ergeben. Von Wiederbelebungsmaßnahmen habe man abgesehen, da diese bei einem solchen Verletzungsmuster nichts bringen würden, erklärt der Notarzt. Um die Frau auf dem Beifahrersitz habe sich ein zweites Team gekümmert.

Über das Leben des 25-Jährigen, der mit seiner 22 Jahre alten Freundin bei dem Unfall ums Leben kam, werden die Verfahrensbeteiligten am kommenden Montag mehr erfahren. Die Vorsitzende Richterin Cornelie Eßlinger-Graf kündigte an, dass dann die Eltern, die als Nebenkläger in dem Verfahren auftreten, oder deren Vertreter, Fragen zu den Unfallopfern beantworten werden. Wer sich von ihnen dazu in der Lage sieht, das wollen sie zuvor der Kammer mitteilen.

Das Verfahren gegen den 20-Jährigen, der den Unfall mit einem gemieteten Jaguar F-Type bei Tempo 169 verursacht haben soll, wird am Mittwoch fortgesetzt.

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