Auf dem rheinland-pfälzischen Fliegerhorst Büchel sind „Tornado“-Kampfjets der Bundeswehr stationiert, die US-Atombomben im Ernstfall abwerfen würden – damit beteiligt sich Deutschland an der nuklearen Abschreckungsstrategie der Nato. Foto: dpa

Nukleare Abschreckung ist aktueller denn je – die Bundeswehr setzt im Ernstfall auf Nato-Befehl Atombomben der USA ein. Da der „Tornado“, der die Waffen tragen kann, 2025 ausgemustert wird, sucht die Regierung einen Nachfolger und löst ein heftiges Tauziehen um Deutschlands größten Rüstungsauftrag der kommenden 20 Jahre aus.

Berlin - Im heftigen Tauziehen um Deutschlands größten Rüstungsauftrag der kommenden 20 Jahre zeichnet sich eine Doppel-Lösung ab. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es in Bundesregierung und -tag das Bestreben, die 80 überalterten Tornado-Kampfflugzeuge, die spätestens 2025 außer Dienst gehen sollen, zur Hälfte durch amerikanische F-35 zur ersetzen, die wie der Tornado Atombomben tragen können. Die andere Hälfte soll durch das britisch-deutsch-italienisch-spanische Kampfflugzeug Eurofighter ohne Atomwaffen-Befähigung ersetzt werden.

Die Bundesregierung hat angekündigt, noch vor Weihnachten darüber zu entscheiden. Die Doppel-Lösung würde voraussichtlich besonders teuer. Es geht um ein Gesamtvolumen von zehn bis 15 Milliarden Euro. Sie würde aber widersprüchlichen sicherheits- und industriepolitischen sowie militärischen Erfordernissen nach Einschätzung vieler Experten am ehesten gerecht.

Atomare Abschreckung stärken, Risiken verteilen

Ohne den Tornado wird Deutschland über kein Waffensystem mehr verfügen, mit dem es seine Verpflichtung zur Nuklearen Teilhabe erfüllen kann. Sie sieht vor, dass Flugzeuge europäischer Nato-Partner US-Atombomben tragen können. Dies soll die Abschreckung stärken und Risiken verteilen.

Die F-35 kann B61-Atombomben tragen, die im rheinland-pfälzischen Büchel lagern sollen. Kauft Deutschland hingegen eine Atomwaffen-fähige Weiterentwicklung des Eurofighter – auch das steht wie zwei weitere US-Modelle zur Debatte – muss diese dafür erst in den USA zertifiziert werden, was mindestens acht Jahre dauert.

Frankreichs Regierung behauptet, ein Kauf der F-35 anstelle der Weiterentwicklung europäischer Technologie gefährde das ebenfalls bald zu beschließende Projekt einer Kampfflieger-Plattform voll Künstlicher Intelligenz für die Zeit nach 2040, und macht Druck in Berlin.

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