Mit der Sommerzeit am Sonntag, 29. März, steigt laut Kreisjägervereinigung Waiblingen das Risiko für Wildunfälle. Vor allem in der Dämmerung und Setzzeit sind Tiere unterwegs.
Der Moment kommt oft ohne Vorwarnung: Am Waldrand bewegt sich etwas, ein Reh springt aus dem Gebüsch – und steht plötzlich mitten auf der Straße. Gerade im Frühjahr kann das für Autofahrer im Rems-Murr-Kreis gefährlich werden. Mit der Umstellung auf die Sommerzeit am Sonntag, 29. März, warnen Jäger vor einer erhöhten Gefahr von Wildunfällen. Autofahrerinnen und Autofahrer sollten in den kommenden Wochen besonders aufmerksam unterwegs sein, teilt die Kreisjägervereinigung Waiblingen mit.
Der Grund: Während sich der Tagesrhythmus der Menschen durch die Zeitumstellung verschiebt, bleiben Wildtiere bei ihrem natürlichen Aktivitätsmuster. „Wildtiere richten sich nicht nach unserer Uhrzeit, sondern nach ihrem natürlichen Tagesrhythmus“, erklärt Kreisjägermeisterin Melanie Müller. Besonders in den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung seien Rehe, Wildschweine und anderes Wild aktiv. Durch die Zeitumstellung fallen viele Pendlerfahrten wieder stärker in diese Aktivitätsphasen.
Frühjahr ist Hochphase für Wildunfälle
Nach Angaben der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) ereignen sich besonders viele Wildunfälle im Jahresverlauf in den Monaten April und Mai. Auch im Rems-Murr-Kreis beobachten Jägerinnen und Jäger nach Angaben der Kreisjägervereinigung jedes Frühjahr eine Häufung solcher Zusammenstöße.
Neben der Zeitumstellung spielt dabei auch die beginnende Setzzeit eine wichtige Rolle. Viele Wildtiere bringen im Frühjahr ihren Nachwuchs zur Welt. Junge Tiere sind noch unerfahren und reagieren im Straßenverkehr häufig unberechenbar. „Gerade jetzt ist es wichtig, an Wald- und Feldrändern besonders aufmerksam zu fahren und die Geschwindigkeit anzupassen“, so Müller.
Wildunfälle unbedingt melden
Aus den Revieren im Rems-Murr-Kreis berichten Jäger nach Angaben der Kreisjägervereinigung regelmäßig von mehreren Wildunfällen pro Jahr. Während viele Verkehrsteilnehmer einen Zusammenstoß mit einem Wildtier sofort melden, kommt es immer wieder auch vor, dass solche Unfälle nicht angezeigt werden.
Eine schnelle Meldung kann jedoch helfen, unnötiges Tierleid zu vermeiden. Immer wieder würden Wildtiere erst später aufgefunden, obwohl sie möglicherweise noch hätten erlöst werden können. Auch für die Unfallaufnahme und die Versicherung sei eine Meldung wichtig.
Richtig handeln nach einem Wildunfall
Kommt es trotz aller Vorsicht zu einer Kollision, raten die Jäger zu besonnenem Verhalten. Autofahrer sollten eine Vollbremsung einleiten, das Lenkrad festhalten und möglichst nicht ausweichen.
Anschließend gilt es, den Warnblinker einzuschalten, ein Warndreieck aufzustellen und sich selbst in Sicherheit zu bringen – etwa hinter einer Leitplanke. Danach sollte die Polizei verständigt werden. Diese kontaktiert anschließend den zuständigen Jagdausübungsberechtigten. Verletzte Wildtiere sollten keinesfalls selbst angefasst oder ins Auto geladen werden.
Wie riskant Situationen nach einem Wildunfall sein können, zeigte ein Vorfall bei Althütte im vergangenen Jahr. Ein 24-Jähriger war dort nachts auf einer Landstraße mit seinem Auto mit einem Reh zusammengestoßen. Laut Polizei hatte er anschließend die Unfallstelle abgesichert und mit den Beamten telefoniert. Als der Mann vom Grünstreifen wieder zu seinem Fahrzeug lief, übersah er einen Rettungswagen, der aus der Gegenrichtung einen Patienten transportierte. Der 24-Jährige wurde von dem Fahrzeug erfasst und schwer verletzt. Die Besatzung des Rettungswagens leistete Erste Hilfe, bis ein weiterer Rettungswagen eintraf.