Die historische Pirschgänge im Böblinger Wald dienen als Kulisse für jagdliches Brauchtum – im Zeichen der Völkerverständigung.
Neun amerikanische und 18 deutsche Jungjäger sind jetzt nach bestandener Jägerprüfung in die Jägerschaft aufgenommen – erstmals erfolgte dies in einer gemeinsamen Zeremonie als Ausdruck der Völkerverbundenheit und Freundschaft.
Jägerschlag symbolisiert die Aufnahme in den Kreis der Waidmänner und Waidfrauen
Außenstehenden mag es ein wenig wie aus der Zeit gefallenes Brauchtum vorkommen, für die Beteiligten selbst war es jedoch eine feierliche Zeremonie in festlichem Rahmen: Am Samstagnachmittag fand der diesjährige „Jägerschlag“, die symbolische Aufnahme der Jungjägerinnen und Jungjäger in die Reihe der Jägerschaft statt. Dieser wurde in langen Videosequenzen auf zahlreichen Smartphones als Erinnerung festgehalten.
Für Claus Kissel, den Vorsitzenden der Kreisjägervereinigung Böblingen (KJV), war es nicht das erste Mal, dass er diese Zeremonie abhielt. Vor einigen Jahren sei an ihn der Wunsch von jagenden US-Militärangehörigen herangetragen worden, diesen Brauch nach Bestehen der Jägerprüfung bei ihnen durchzuführen, blickte er zurück.
Ein Relikt aus alten Lehrlingszeiten zum Jäger als Berufsstand
Die KJV, so Kissel weiter, pflege seit den 1960er-Jahren den Kontakt zu den Angehörigen der US-Armee, die in der Panzerkaserne stationiert sind. So sind die Amerikaner unter anderem zur jagdlichen Schießausbildung am Schießstand der KJV am Mönchsbrunnen in Sindelfingen zu Gast. Der Jägerschlag, der inzwischen auch bei den Absolventen des jedes Jahr stattfindenden KJV-Jägerkurses Einzug gehalten hat, lehnt sich an die sogenannten „Wehrhaftmachung“ der Berufsjägerlehrlinge früherer Zeiten am Ende ihrer mehrjährigen Lehrzeit an.
Dennoch feierten die US-Armeeangehörigen und die Kreisjägerschaft in diesem Jahr gleich doppelte Premiere. Zum ersten Mal erhielten die Absolventen der beiden Ausbildungskurse ihre Jägerbriefe gemeinsam. 27 waren es insgesamt, davon acht US-Militärangehörige.
Zudem war erstmals das Areal bei den herzoglichen Pirschgängen aus dem 18. Jahrhundert der Ort des feierlichen Geschehens. Da sich diese auf dem Gelände der US-Streitkräfte befinden, sind sie normalerweise nicht zugänglich. Die Idee, bei den aus Stein gemauerten Gängen zu feiern, die einst angelegt worden waren, um sich unbemerkt dem Rotwild zu nähern, sei von John Cass vom Army-Hunting-Club gekommen, so Kissel bei der Begrüßung der zahlreich erschienenen Gäste – unter ihnen auch Kirk Alexander, der neue Kommandant der US-Garnison, sowie dessen Stellvertreter Robert Gwinner, beide Jäger. Nach dem Waidmannsspruch des Kreisjägermeisters, bei dem er die Jungjäger an ihre zukünftige Verantwortung für Wild, Wald und Mitmenschen erinnerte und deren Gelöbnis zur Waidgerechtigkeit – im Wechsel auf Englisch und Deutsch – folgte der Höhepunkt der Zeremonie, die von den KJV-Jagdhornbläsern musikalisch umrahmt wurde: der eigentliche Jägerschlag. Bei diesem knieten jeweils drei Nachwuchsjäger gemeinsam vor Claus Kissel. Der entscheidende Spruch: „Der erste Schlag soll dich zum Jäger weihen. Der zweite Schlag soll Dir die Kraft verleihen, zu üben stets das Rechte. Der dritte Schlag soll dich verpflichten, nie auf die Jägerehre zu verzichten.“ Dabei berührte er nacheinander die linke Schulter der Knienden mit einem Jagdmesser und begrüßte sie – zum ersten Mal von Jäger zu Jäger – mit „Waidmannsheil“.
Im Anschluss daran bekamen die Jungjäger ihre Jägerbriefe überreicht. Nach einem gemeinsamen „Jägertrunk in Jägerrund“, einem – wie könnte es auch anders sein – Jägermeister aus einem Schnapsglas in Gestalt einer großkalibrigen Schrotpatrone – schloss sich ein gemütliches Beisammensein im in der Nähe aufgestellten Festzelt an.