Vor allem die rechtsextremen Parteien zeigen – wie hier in Rom – Präsenz im Wahlkampf. Foto: AP

Am 4. März wählen die Italiener ein neues Parlament und damit eine neue Regierung. Die Wähler sind frustriert und haben genug von den Versprechungen der Politiker. Überzeugen kann sie niemand so richtig. Dabei wird das Land gar nicht so schlecht regiert, kommnntiert Almut Siefert.

Rom - Für die Italiener ist die anstehende Wahl einer neuen Regierung und des Parlaments nur eines: frustrierend. Man werde am Sonntag wohl „Male Minore“ wählen, heißt es von vielen, das kleinere Übel also. Was das genau sein soll, weiß niemand. Viele Italiener setzen ihre Hoffnung auf die Fünf-Sterne-Bewegung. Sie schätzen vor allem, dass diese sich weder links noch rechts verorten will. Und immerhin hat die Bewegung den anderen politischen Kräften etwas voraus: sie hat einen echten Spitzenkandidaten. Der 31-Jährige Luigi di Maio ist mit seinem akkuraten Haarschnitt, dem weißen Hemd und dem biederen Anzug das komplette Gegenteil des Gründers und Showmans Beppe Grillo. Di Maio soll für die Wandlung der Bewegung hin zu einer seriösen Partei stehen.

Auch von der einstigen Kernforderung, dem Ausstieg aus dem Euro, hat sich die Partei in ihrem Wahlprogramm verabschiedet. Geschadet hat der Imagewandel nicht: Zwischen 27 und 28 Prozent erreichen die Fünf Sterne in den Umfragen und sind damit seit Monaten die stärkste Partei.

Renzi macht keinen Platz

Das beste Personal hätte der sozialdemokratische Partito Democratico zu bieten. Für Italien ungewohnt leise und besonnen führt Paolo Gentiloni seit 15 Monaten als Ministerpräsident die Geschicke des Landes. Auch Innenminister Marco Minniti hat in der Flüchtlingskrise Weitblick und Handlungsfähigkeit bewiesen und zumindest die Zahl der eintreffenden Flüchtlinge gesenkt. Doch die Sozialdemokraten ignorieren die Beliebtheitswerte ihrer Spitzenleute und gehen lieber ohne eine Spitzenkandidaten ins Rennen. Parteichef Matteo Renzi, der Ende 2016 nach seinem verlorenen Verfassungsreferendum vom Amt des Ministerpräsidenten zurückgetreten war, wird von vielen Italienern als arrogant und machtversessen eingeschätzt. Mit Renzi als Gesicht der Wahlkampagne hat der PD immer mehr Wählerstimmen verloren.

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