Bundeskanzlerin Angela Merkel und der italienische Regierungschef Matteo Renziunter Michelangelos David-Statue in der Galleria dell’Accademia in Florenz. Foto: Bundesregierung

Die Venus von Botticelli, Michelangelos David: Italiens Regierungschef Renzi beeindruckt Angela Merkel nicht nur mit Meisterwerken seiner Heimat. Auch seinen Reformeifer lobt die Kanzlerin. Doch der Graben zwischen den Ländern bleibt.

Florenz - Die Kulisse konnte symbolträchtiger kaum sein. Unter Michelangelos David-Statue in der Galleria dell’Accademia in Florenz standen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der italienische Regierungschef Matteo Renzi und lobten die Schönheit, die Europa einst hervorgebracht habe. David, der zum Schlag gegen Goliath ausholt - dies konnte am Freitag zur Metapher für einiges herhalten. Ein kleines Europa, das vor riesigen Herausforderungen steht. Aber auch für die Beziehungen zwischen Italien und Deutschland. Italien kritisiert die Übermacht, mit der Deutschland wirtschaftlich schwächeren EU-Ländern seine Sichtweise aufdrücken wolle.

Bei den Gesprächen beeindruckte der Sozialdemokrat Renzi die CDU-Kanzlerin offensichtlich mit seinen Reformen. Immer wenn sie sich sehen, zeige ihr Renzi ein Booklet, mit dem er ihr sage, welche Reform in welchem Stadium sei, sagte Merkel. „Ich habe keinen Zweifel, dass Matteo Renzi und seine Regierung das umsetzen, was man sich vorgenommen hat.“ Sie schätze besonders, dass die Reformen nicht gemacht werden, „weil Brüssel oder jemand anderes das sagt“, sondern aus eigenem Antrieb - ein Verweis auf die Vorwürfe aus Italien, dass sich Deutschland wie ein Lehrmeister benehme.

Renzi versprach, dass sein Land trotz der Geldflut, die die Europäische Zentralbank auf den Markt spült, nicht in seinem Reformeifer nachlassen werde. „Italien muss und wird jetzt den Turbolader einschalten.“ Auf dem Programm stehen eine Reform des Wahlrechts und des Senats sowie Bürokratieabbau. Eine zentrale Arbeitsmarktreform wurde im Dezember verabschiedet. Mit der will Renzi unter anderem den strikten Kündigungsschutz aufweichen, damit Unternehmen wieder junge Leute einstellen.

Trotz aller Bemühungen verharrt Italien in der Rezession, die Arbeitslosigkeit ist mit mehr als 13 Prozent auf einem Rekordhoch. Der jugendliche Renzi, der vor einem Jahr angetreten war, kämpft mit sinkender Popularität und Gegnern in seiner Partei PD.

"Alte Vorurteile werden periodisch ausgegraben"

Trotz der Beteuerungen, dass man sich gegenseitig schätze, sind die deutsch-italienischen Beziehungen alles andere als gut. So will Renzi mehr Flexibilität, was die Sparvorgaben der EU angeht. Viele Italiener fühlen sich verletzt und diskreditiert in der EU. „Diese Vorstellung, dass Deutschland von Taschendieben umlagert ist, die ihnen den Geldbeutel stehlen wollen, ist etwas, das auf politischer Ebene gelöst werden muss. Merkel muss den Deutschen erklären, was das deutsche Interesse ist, die EU am Leben zu halten“, sagte der italienische Ex-Finanzminister Fabrizio Saccomanni der Deutschen Presse-Agentur.

„Alte Vorurteile werden periodisch ausgegraben“, sagte Mathias Jopp, Direktor des Instituts für Europäische Politik, der dpa. In Deutschland müsse gewürdigt werden, welche schmerzhaften Einschnitte Länder wie Griechenland, Italien oder Spanien hinter sich hätten.

Der Besuch in Renzis Heimatstadt Florenz wurde deshalb auch als persönliche Geste der Kanzlerin interpretiert. Selbst für Merkel, die regelmäßig in Italien urlaubt, muss eine schönere Kulisse schwer vorstellbar sein: Ein Rundgang durch die Uffizien und ein Blick auf Botticellis Venus, ein Abendessen im Palazzo Vecchio - dem Haus der Familie Medici - mit toskanischem Wein und Köstlichkeiten, um die Italien weltweit beneidet wird. „Als sie mein Büro sah und die Fresken, fragte sie mich: Arbeiten Sie wirklich hier?“, erzählte der Bürgermeister von Florenz, Dario Nardella, der dpa.

Und abschließend eine Pressekonferenz vor Michelangelos David. Da griff auch Renzi zu Metaphern: „Ich bin überzeugt, zusammen werden wir schwierige Herausforderungen meistern. Ich will nicht sagen, dass wir mit einer Schleuder bewaffnet sind wie David gegen Goliath, sondern mit der Stärke unsere Kultur und unserer Schönheit.“

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