Stefan Mappus zeigt sich mit seiner neuen Aufgabe in einer Zukunftsbranche zufrieden. Foto: dpa

Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus arbeitet nun für den Münchner IT-Dienstleister pmOne. Im Interview berichtet er über seine Erfahrungen in der IT-Branche.

Stuttgart - Seit November 2012 arbeitet der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus für den Münchner IT-Dienstleister pmOne, zunächst als Berater des Vorstands, inzwischen als Finanzvorstand. Er beschreibt, wie ihm seine in Wirtschaft und Politik gemachten Erfahrungen zugute kommen.

Herr Mappus, was machen Sie bei pmOne?
Ich bin im Unternehmen für Finanzen, Administration, das Partnermanagement und die strategischen Beteiligungen zuständig. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann bei der SEL AG habe ich ja Wirtschaftswissenschaften studiert und war vor meiner Zeit in der Politik drei Jahre bei der Siemens AG tätig. Meine Arbeit ist nach innen und nach außen gerichtet – das kommt mir entgegen.
Wie vertraut waren Sie vorher mit der digitalen Welt?
Ich war schon immer IT-affin, wenn auch eher als reiner Nutzer. Im Nachhinein ist mir meine Arbeit in den 1990er Jahren im Vertrieb von Siemens zugute gekommen – genau in der Zeit, als man in der Telekommunikation von analog auf digital umgestellt hat. Einen solchen Technologiesprung erleben wir nun auf gewisse Weise wieder. Welche andere Branche bietet schon jährlich zweistellige Wachstumsraten und wird in den kommenden Jahren noch stärker zulegen? Das ist nicht nur technologisch, sondern auch ökonomisch sehr spannend.
Was war Ihre größte Lernerfahrung?
Vieles ist durchaus ähnlich zur Politik. Im Vorstand arbeiten wir vor allem auch an der Strategie für die nächsten Jahre – in diesem sich rasant verändernden Markt mit allen seinen Chancen wie auch Risiken eine sehr spannende Aufgabe! Wir wachsen um rund 15 bis 20 Prozent im Jahr; das ist einerseits sehr erfreulich, andererseits bringt das viele Herausforderungen mit sich. Man muss aufpassen, dass man die Strukturen anpasst und die Beschäftigten nicht überfordert. Ein großer Unterschied zur Politik ist: Es gibt viel weniger Entscheidungsträger, und das Tempo für die Entscheidungsfindung ist naturgemäß deutlich höher.
Und das mögen Sie?
Jeder, der in der Politik ist, kennt einen gewissen „Suchtfaktor“. Das politische Umfeld ist faszinierend. Allerdings geht es in der Wirtschaft viel rationaler und schneller zu, insbesondere bei mittelständischen Unternehmen. Beides hat seinen Reiz, aber es besteht schon ein großer Unterschied. Ich war sehr gerne in der Politik tätig, weil man dort die Möglichkeit hat, etwas für die Gesellschaft zu bewegen. Bei meiner jetzigen Tätigkeit habe ich vor allem unser Unternehmen im Blick. Klar, dass man hier schneller Erfolge sehen kann. Meines Erachtens wäre es übrigens sehr wünschenswert, wenn in Deutschland die „chinesische Mauer“ zwischen Wirtschaft und Politik durchlässiger werden würde, so wie es in angelsächsischen Ländern deutlich öfter der Fall ist. Quereinsteiger haben in unserem Land leider noch viel zu selten eine Chance. Das gegenseitige Verständnis könnte dadurch wachsen – und zu einem weiteren Erfolgsfaktor für Deutschland werden.
Und wo steht nun aus Ihrer Sicht die deutsche Wirtschaft bei der Digitalisierung?
Wir sind im Vergleich zu dem, was in den USA passiert, langsamer, zumal im Umgang mit dem Endverbraucher. Aber ich sehe das nicht so negativ: Beim Thema Industrie 4.0 haben wir in Deutschland sehr viele sehr gute Ansätze, was sich bei unserem hohen Industrieanteil und unserem Know-how in der Fertigung in den nächsten Jahren nach meiner Überzeugung sehr positiv auswirken wird. Manches, was wir verzögert angehen, ist bei uns am Ende durchdachter. Und wir holen gerade ziemlich flott auf.
Tut die Politik genügend?
Wie sagt man so schön: Das Bessere ist der Feind des Guten. Es gibt Bereiche, in denen wir große Defizite haben, zum Beispiel bezüglich Kapitalbeschaffung und Regulierung. So manches Unternehmen, das in den USA als Tech-Start-up gut vorankommt, hätte es bei uns da sehr schwer. In anderen Bereichen, etwa beim Cloud-Computing hat sich in den letzten Jahren viel getan. Ich bin sicher, dass auch die Politik zügig aufholen will. Das Beispiel Cloud zeigt, wie schnell sich die Dinge ändern können: Vor zwei, drei Jahren herrschte noch Ablehnung. Nun machen wir Tempo.
Und wie steht die Wirtschaft insgesamt da?
Also, ich will mal eine Lanze vor allem für die vielen Mittelständler im Süden Deutschlands brechen. Die tun oft mehr als mancher Großkonzern. Immer mehr Unternehmer entdecken, welches Potenzial in der Digitalisierung liegt. Das betrifft alle Lebensbereiche.
Das Thema IT passt also irgendwie zu Ihnen, Herr Mappus?
Ich mag es sehr, wenn etwas sehr dynamisch nach vorne geht. Das ist in der Politik nicht immer nur hilfreich. Aber diese Form von Entwicklung und Dynamik in der IT-Branche fasziniert mich.
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