Libanesische Sanitäter tragen den Leichnam eines Kameraden, der bei einem israelischen Luftangriff getötet wurde – die humanitäre Katastrophe geht im Nahost-Krieg unter. Foto: Hussein Malla/dpa

Die israelische Armee eskaliert weiter im Libanon – mit vielen neuen Toten. Doch die Bundesregierung scheut klare Reaktionen. Das ist absolut unverständlich, meint unser Autor.

Es reicht längst – des jüngsten Blutbads im Libanon mit über 200 Toten hätte es nicht mehr bedurft, um die Frage zu stellen: Wann setzt die westliche Wertegemeinschaft der israelischen Regierung ein Stopp-Zeichen, das von dieser auch verstanden wird? Angesichts der Historie zeigt sich speziell die Bundesregierung unfähig, angemessen auf die unverhältnismäßige Gewalt der israelischen Armee zu reagieren. Die allzu vagen Reaktionen auch von Kanzler Merz sind unzureichend und letztlich beschämend.

 

Netanjahu darf nicht nur auf politisches Schicksal schauen

Keine Frage, Israel darf sich gegen Angriffe der von Teheran gesteuerten Hisbollah verteidigen. Doch geriert sich die von Rechtsextremisten durchsetzte und Regionalmachtstreben erfasste Regierung in Jerusalem wie ein Aggressor, dem menschliches Leid gleichgültig ist. Kollateralschäden? Hat sie schon in Gaza null interessiert. Premier Netanjahu hat US-Präsident Trump in den Iran-Krieg gelotst, dafür gibt es Belege. Er hat auch den Schlüssel für den weiteren Fortgang – vor allem weil der Iran und Vermittler Pakistan die Waffenruhe mit dem Libanon verknüpfen. Er darf nicht nur auf sich schauen.

Die wahrscheinlich bedrückendste Erkenntnis ist jedoch, dass die humanitäre Katastrophe mit etlichen tausend getöteten Zivilisten und Hunderttausenden Vertriebenen im Libanon, im Iran und – klar weniger – in Israel bei all den Bombardements gänzlich untergeht. Vor einer „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ hat Papst Leo XIV. an Ostern gewarnt. Regierung und Öffentlichkeit hierzulande sollten sich davon besonders angesprochen fühlen.