Israels Vergeltungsschlag gegen die Huthi-Miliz im Jemen schafft neues Leid. Warum er an der strategischen Lage wenig ändert, schreibt StN-Chefredakteur Christoph Reisinger.
Noch mehr Tote, noch mehr Verletzte, noch mehr Leid. In dieser Hinsicht folgt Israels Vergeltung für den tödlichen Drohnen-Angriff der Huthi-Miliz aus dem Jemen auf ein Tel Aviver Wohngebiet der grausamen Logik all der sich überlappendenden Langzeit-Konflikte im Nahen Osten. Eine Logik mit entsetzlichen Folgen für alle Betroffenen. An der aktuellen Lage aber ändert der Schlag gegen die Hafenstadt Hudaida allenfalls Nuancen.
Auf den ersten Blick scheint es anders. Nicht zuletzt, weil die israelische Luftwaffe noch nie ein so entferntes Ziel attackiert hatte, noch nie eines im Jemen. Und weil nach der palästinensischen Hamas und der libanesischen Hisbollah mit den jemenitischen Huthi nun schon die dritte vom Iran gesteuerte Miliz unmittelbar im Kampf mit Israel steht.
Letztlich setzt sich in dieser Entwicklung aber nur fort, was seit dem verbrecherischen Hamas-Überfall auf Israel im Oktober der schlimme Stand der Dinge ist. Der Iran zündelt, wo er kann. Die Huthi, die übrigens auch das EU-Land Zypern jederzeit treffen könnten, schießen mit Waffen aus dem Iran auf so ziemlich jedes Ziel, das ihnen das Teheraner Regime anweist. Die Regierung Netanjahu wiederum hat noch nichts zuwege gebracht, das Israels militärische Überlegenheit in politische Erfolge ummünzen würde. Nichts an alledem hat sich geändert – schon gar nicht zum Guten.