Auch an Gymnasien gibt es viele muslimische Schüler. Foto: dpa

Das Sindelfinger Pfarrwiesen-Gymnasium ist von September an eine von drei weiteren Modellschulen. Zwanzig Prozent der Schüler sind Muslime. Referendare für das Fach Islam werden künftig dort ausgebildet.

Sindelfingen - Jeder fünfte der 480 Schüler des Sindelfinger Pfarrwiesen-Gymnasiums ist muslimisch. Bislang gibt es für diese Jugendlichen keinerlei Religionsunterricht. Von September an soll sich das ändern. Das Pfarrwiesen gehört zu einem von drei Gymnasien im Land, die zu Modellschulen für den Islamunterricht werden. Die beiden anderen stehen laut dem Ministerium noch nicht fest, weil noch die Beschlüsse der Schulgremien fehlen.

Vor einem Dreivierteljahr hatte der Rektor Bodo Philipsen die Anfrage des Ministeriums erhalten, ob die Schule sich eine Beteiligung am Projekt vorstellen könne. Für Philipsen war das keine Frage. „Wir haben Schüler aus 40 Nationen. Islamunterricht ist bei ihnen seit vielen Jahren immer wieder Thema.“ Etliche seiner Schüler würden von den Grundschulen Klostergarten und Hinterweil kommen, wo es bereits seit Jahren Islamunterricht gebe. „Wenn wir von Religionsfreiheit sprechen und 20 Prozent unserer Schüler Muslime sind, ist es nur konsequent, dass diese genauso wie die evangelischen und katholischen Kinder Unterricht in ihrer Glaubensrichtung erhalten“, sagt der Rektor. Und er verweist auf das Engagement seiner Schüler. „Die Schülersprecherin ist Muslima, der Sindelfinger Jugendgemeinderatschef Muslim. Und hier gelingt, was der bürgerliche Gemeinderat nicht schafft, obwohl die Muslime einen großen Anteil in der Stadt haben.“

Schüler, Eltern und Lehrer stimmten zu

Zwei Referendare in Ausbildung

Bei Lehrern, Schülern und Eltern und der Stadt fand der Vorstoß des Ministeriums breite Zustimmung. „Wir haben in allen Gremien das Okay für den Islamunterricht bekommen“, sagt Philipsen. Der neue Kollege solle dann in die Fachschaft Religion/Ethik, welche die Lehrer dieser Fächer konfessionsübergreifend bilden, eingegliedert werden. Der katholische Religionslehrer Jörg Weishaupt-Busse und seine evangelische Kollegin Regine Wagner freuen sich schon auf den Austausch mit dem neuen Kollegen. Dies wird voraussichtlich ein Haupt- oder Werkrealschullehrer sein, denn ausgebildete Gymnasiallehrer für Islam gibt es noch nicht. Erst diesen Sommer werden die ersten Absolventen des Islamischen Zentrums der Universität Tübingen ins Referendariat starten. Aufgabe des Hauptschulpädagogen am Pfarrwiesen wird sein, zwei Referendare auszubilden.

„Mein Ziel ist, dass wir in einigen Jahren einen festen Lehrer für islamische Religion an unserer Schule haben“, sagt der Rektor. Beginnen werde man im nächsten Schuljahr vermutlich mit Klasse sechs und neun. Noch nicht geklärt sei, nach welchem Bildungsplan unterrichtet werde. „Vom Land Baden-Württemberg gibt es einen Entwurf. Eventuell greift das Ministerium im ersten Jahr auch auf den bayrischen Plan zurück. Dort gibt es Islamunterricht schon länger.“

Unterrichtssprache ist Deutsch

Die Unterrichtssprache ist Deutsch. Dabei gehe es es nicht um Missionierung, betont Weishaupt-Busse. „Genau wie der evangelische oder katholische Unterricht ist auch der islamische ein Reflexionsunterricht.“ Es gehe nicht um Wertevermittlung – die geschehe im Elternhaus –, sondern um eine Reflexion der Werte. Glaubensunterweisung hingegen finde für evangelische Schüler beispielsweise beim Konfirmandenunterricht und für Muslime in der Koranschule statt. Das eine schließe das andere nicht aus.

Prävention gegen Fundamentalismus

Es gebe auch viele säkulare Muslime, hat die evangelische Kollegin Wagner beobachtet. „Die wissen oft kaum etwas über ihre Religion.“ Wenn sie sich im Jugendalter dann für religiöse Fragen interessierten, gebe es außer Koranschulen kaum Angebote. „Wichtig ist, dass die Kinder einen angemessenen Umgang mit Religion lernen.“ Wagner sieht deshalb im offiziellen Islamunterricht „eine Prävention gegen Fundamentalismus“.

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