Ex-Femen-Aktivistin Ramadani: „Die Frauen sind Opfer und Täter zugleich Foto: SWR/Jörg

Kanzlerberaterin und Islamkritikerin Zana Ramadani setzt bei der Integration auf Frauen. Das Rollenkonzept im konservativen Islam ist längst überholt, sagt die Autorin.

Stuttgart - Wer Zana Ramadani fragt, ob sie eine Muslimin ist, bekommt eine interessante Antwort: „Ich bin als Muslimin geboren und aufgewachsen. Ich definiere mich aber nicht darüber. Zuallererst bin ich Frau, Mensch und noch so viel mehr“, erklärt die 35-Jährige Frauenrechtlerin und Islamkritikerin. Und wie sie das sagt: mit mindestens 100 000 Volt!

Früher war sie Rechtsanwaltsfachangestellte. Dann baute sie den deutschen Ableger der feministischen Bewegung Femen mit auf, stürmte oben ohne die Bühne von Heidi Klums „Topmodel“-Show, protestierte halb nackt vor einer Berliner Moschee.. „Fuck Islamism“ (Scheiß auf den Islamismus) war auf ihrem Oberkörper zu lesen.

Flucht ins Frauenhaus

In Skopje, Hauptstadt des heutigen Nordmazedoniens, geboren, kam sie 1991 als Siebenjährige mit ihrer Familie als Flüchtling nach Wilden in Westfalen. Seit Jahren Mitglied in der CDU, ist sie längst deutsche Staatsbürgerin, lebt heute mit Töchterchen und Partner in Berlin. Vom Femen ist sie weg.

Ihre Mission: der Kampf gegen die patriarchalen Strukturen des konservativen Islam, heute nicht mehr mit nacktem Busen, sondern mit Büchern („Die verschleierte Gefahr“), in Workshops und als Beraterin in der Denkfabrik des österreichischen Kanzlers Sebastian Kurz. Immer wieder tritt sie in Talkshows auf.

An diesem Donnerstag spricht sie in der Stuttgarter Heßbrühlstraße auf Einladung des Liberal-Säkularen Bündnisses Leinfelden-Echterdingen um 19 Uhr in einem italienischen Restaurant. Der Verein kämpft gegen die Einrichtung eines Schülerwohnheims, Supermarkts und Friseurgeschäfts bei einer im Bau befindlichen Moschee des örtlichen Ablegers des türkisch-muslimischen Verbands der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) in der Filderkommune.

„Ich bin Überzeugungstäterin“, sagt Ramadani. „Wie könnte ich nach meinen eigenen Erfahrungen den Mund halten?“ Etwa wie sie als 18-Jährige von zu Hause in ein Frauenhaus flüchtete, weil sie befürchtete, ihre Onkel könnten sie nach Mazedonien entführen und dort verheiraten, um die Familienehre zu retten. Oder wie ihre Mutter sie als Hure beschimpft habe, nur weil sie es gewagt habe, als Kind ein Zimmer mit Männern zu betreten.

Westliche Freiheiten

Ramadanis Angriffspunkt: das überholte Rollenkonzept im konservativen Islam. „Die Frauen sind Opfer und Täter zugleich. Die Mutter, selbst Sklavin, erzieht ihre Tochter zur nächsten Sklavin der Familie. Sie bringt ihr bei, dass Frauen sich unterzuordnen haben“, sagt sie. Bei den Jungs dagegen spricht Ramadani vom „muslimischen Söhnchenkult“. Sie würden zu Prinzen erzogen, verwöhnt und verhätschelt, aber als künftige Ernährer der Familie auch unter Erfolgsdruck gesetzt. „Scheitern sie, sind alle anderen schuld: die Lehrer etwa oder die Westler.“

Sie hält es für wichtig, auf die Frauen zu setzen und ihnen die Errungenschaften des Westens zu zeigen. „Wir müssen den Frauen helfen, aus ihrem Glaskasten auszubrechen.“ Wenn die Frauen erkennen würden, „dass es eine andere als die in Tradition, Pflicht und Ehre erstarrte Welt gibt und diese keineswegs des Teufels ist, besteht für deren Söhne und Töchter die Hoffnung auf eine gleichberechtigte Erziehung“. Sie fordert Pflichtkurse für Flüchtlingsfrauen in Rechts-, Sexualkunde und zu Erziehungsfragen. Bei anderen, die unbefristet in Deutschland lebten oder die Staatsbürgerschaft besitzen, helfe nur, „klare Grenzen zu setzen“. Auf keinen Fall darf in ihren Augen der Staat die Integration Islamverbänden anvertrauen. „Die tun doch seit Langem alles, um Integration zu verhindern“. Deren Bildungsangebote dienten dazu, ihre intolerante Gesinnung zu verbreiten.

Den Vorwurf, ihre Kritik würde vor allem die Islamfeindschaft der Rechten stärken, weist Ramadani zurück: „Unsinn.“ Sie benenne Probleme. Und um eine offene Debatte zu ersticken, seien die Verbände schnell mit der Rassismus-Keule zur Stelle. „Ich weiß aber, wovon ich rede.“

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