Sanitäter versorgen Opfer nach dem Anschlag auf eine Moschee im Jemen. Foto: EPA

Seit Monaten wütet im Jemen ein blutiger Konflikt zwischen den schiitischen Huthi-Rebellen und der gewählten Regierung. In der von Huthis gehaltenen Hauptstadt schlagen nun Extremisten der Terrormiliz IS zu.

Sanaa - Im umkämpften Jemen hat ein verheerender Bombenanschlag auf eine Moschee der Hauptstadt Sanaa mindestens 32 Menschen in den Tod gerissen. Nach Angaben der Polizei sprengte sich am Mittwoch beim Ruf zum Abendgebet zunächst ein Selbstmordattentäter in dem Gotteshaus in die Luft. Als Helfer verwundete heraustrugen, explodierte dann nach Berichten von Zeugen auch noch eine Autobombe. Der jemenitische Ableger der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat erklärte sich für die Tat verantwortlich.

Der Anschlag sei ein Vergeltungsakt für die schiitischen Huthi-Rebellen, die seit knapp einem Jahr Sanaa unter ihrer Kontrolle halten, teilte der IS-Ableger in einer Nachricht mit, die in den Sozialen Medien zirkulierte. Die Echtheit der Erklärung konnte zunächst nicht bestätigt werden. Doch sie ähnelte anderen Bekennerschreiben des Ablegers und wurde unter Sympathisanten der Extremisten im Netz weitergereicht.

Zahl der Toten wird wohl noch steigen

IS-Kämpfer im Jemen haben bereits ähnliche Selbstmordattentate auf Moscheen verübt, darunter ein Anschlag auf ein Gotteshaus in Sanaa am 20. März mit 137 Toten. Auch den Namen des Selbstmordattentäters vom Mittwoch gaben die Extremisten bekannt. Die Behörden rechneten ihrerseits damit, dass die Zahl der Toten noch steigen werde.

Die aus dem Norden stammenden Huthi-Rebellen kämpfen seit Monaten gegen die gewählte Regierung um Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi. Die Huthis werden vom Iran unterstützt, Hadi erhält seit Ende März militärische Rückendeckung von Saudi-Arabien. Saudische Luftangriffe halfen ihm, im August die Rebellen aus der Hafenstadt Aden zu vertreiben. Insgesamt hat der Konflikt in dem bitterarmen arabischen Land bereits mindestens 2100 Zivilisten das Leben gekostet.

Zwei Mitarbeiter des Roten Kreuzes erschossen

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz meldete am Mittwoch, dass zwei seiner Mitarbeiter erschossen worden seien. Die beiden Jemeniten seien von der Rebellenhochburg Saada im Norden des Landes nach Sanaa unterwegs gewesen, sagte IKRK-Sprecherin Rima Kamal.

Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch warf beiden Seiten schlimme Verfehlungen gegen Zivilisten und Gefangene vor. So hätten Extremisten aus dem Süden des Landes, wo Hadis Truppen wieder auf dem Vormarsch sind, seit März mindestens sieben Huthis in ihrer Gewalt getötet.

„Kräfte des Südens, die wieder die Kontrolle über Aden gewonnen haben, sollten die Misshandlung von Gefangenen beenden und alles tun, in der Stadt wieder Recht und Gesetz durchzusetzen“, erklärte die Regionaldirektorin der Gruppe, Sarah Leah Whitson. „Die Huthis müssen alle freilassen, die zu Unrecht festgehalten werden, und über jeden Rechenschaft ablegen, den sie gefangen halten.“

Die Vereinten Nationen verständigten sich am Mittwoch mit der jemenitischen Regierung und dem von Saudi-Arabien geführten Bündnis, mehr dringend benötigte Lebensmittel sowie Kraftstoff und kommerziell genutzter Importwaren ins Land zu lassen. Der Jemen führt rund 90 Prozent seiner Versorgungsgüter ein. Die Kämpfe haben die Einfuhr aber gestoppt, es droht eine Hungersnot.

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