Der Ditzinger Irrgarten steht wegen des neuen, halbfertigen Verwaltungsgebäudes des Weltkonzerns Thales (ganz rechts im Bild) in diesem Jahr unter dem Motto „Mais(an)baustelle“. Foto: Familie Siegle

Für die Landwirte ist es ein lukratives Zubrot, für die Besucher jeglichen Alters ein prächtiges Vergnügen: Gut ein halbes Dutzend Bauern in der Region öffnen stets im Spätsommer ihre eigens angelegten Maislabyrinthe. Die zwei traditionsreichsten liegen nordöstlich und nordwestlich der Landeshauptstadt.

Ditzingen/Alfdorf - Stopp, Moment. Wohin geht’s jetzt noch gleich? Geradeaus, links, rechts? Oder besser ganz zurück zur Ausgangsposition? Die Schwäbische Waldfee hatte dieser Tage völlig die Orientierung verloren. Doch genau so soll es ja sein, wenn man sich ins Maislabyrinth begibt. In diesem Fall war es jenes in Alfdorf-Bonholz im Rems-Murr-Kreis. Zur Eröffnung der aktuellen Saison hatten Christina und Günther Kolb als Ehrengast Jessica Wurster eingeladen – die 19-jährigeBiologiestudentin aus Murrhardt agiert seit einigen Monaten als Werbebotschafterin für den Tourismus im Gebiet rund um Welzheim.

Die Familie Kolb gehört zu den Vorreitern unter den Landwirten: Bereits zum 15. Mal hat sie das Maisfeld ran ihrem Bauernhof in ein Labyrinth verwandelt. Zwischen 20 und 40 Minuten benötigen die Besucher in der Regel für diesen 1100 Meter langen Irrgarten, an sechs Stempelstellen müssen Fragen beantwortet werden. Beispielsweise: Was gibt es im Schwäbischen Wald – eine Holzkönigin oder eine Waldfee? „Zumindest all jene, die mit einem WN-Kernzeichen gekommen sind, wissen die Antwort“, sagt Günther Kolb. Gab’s in den eineinhalb Jahrzehnten schon dramatische Suchaktionen? „Verloren gegangen ist bisher noch keiner“, sagt er. Nur einmal sei ein Kind kurzzeitig vermisst worden, ehe eine andere Familie es aufgabelte und an den Ausgang mitnahm. Für die Familie des Landwirtschaftsmeisters ist das Labyrinthen weitere Einnahmequelle – aber auch eine Abwechslung zur Arbeit mit den 400 Mastschweinen oder den stundenlangen Fahrten auf dem Trecker.

Alljährlich steht das Labyrinth unter einem speziellen Motto

Nur ein Jahr jünger als der Alfdorfer Dschungel ist jener in Ditzingen im Landkreis Ludwigsburg. Die Familie Siegle, ansonsten ein Milchvieh- und Ackerbaubetrieb, bietet diese „Verwirr-Garantie für Klein und Groß“ in diesem Jahr zum 14. Mal an. Alljährlich steht das Labyrinth unter einem speziellen Motto. Bereits in den Winternächten werden Wege und Sackgassen auf einem Blatt mit Millimeterpapier akkurat im Maßstab 1:500 skizziert. Später, im Frühjahr, folgt die Aussaat, und weitere Schneisen werden ins Maisfeld geschlagen.

„In diesem Jahr haben wir uns beim Motto am Neubau der Firma Thales nebenan orientiert“, erläutert Anja Siegle: „Mais(an)baustelle“ heißt es, und die Umsetzung können zumindest Fluggäste wunderschön aus der Vogelperspektive erkennen. In früheren Jahren hieß es mal „Über den Wolken“ wie 2012 oder „Maisbär Knut“ im Jahr 2007.

Heuer ist die Familie Siegle mit der Mais-Wuchs auf dem 25.000 Quadratmeter umfassenden Areal mit seinen 2,5 Kilometern Weglänge sehr zufrieden. Zwar konnte die Aussaat wegen des feuchten Wetters erst später als sonst erfolgen. Doch „nach aktuellem Stand beträgt unsere Maishöhe drei Meter“, erläutert Anja Siegle am Freitag.

In diese Regionen kommt man circa 55 Kilometer weiter östlich nicht ganz heran. Wegen der nassen Witterung im Mai und Juni hat sich im Schwäbischen Wald der Mais in der Entwicklung verzögert und nicht die Höhe früherer Jahre erreicht. Ein Vorteil für Zweimetermänner oder -frauen, denn sich haben in diesem Jahr in Alfdorf dank ihres Überblicks deutlich leichteres Spiel, so schnell wie möglich ans Ziel zu gelangen.

Fackelläufe und Gruselnächte in den Labyrinthen der Region

Ditzinger Maislabyrinth: Noch bis zum Ende der Sommerferien, also bis zum 8. September, hat der Irrgarten der Familie Siegle in Ditzingen, Hülben 1, geöffnet – täglich von 11 bis 19 Uhr, samstags bis 23 Uhr. Eintritt: Erwachsene 3 Euro, Kinder (bis 16 Jahre) 2 Euro. Besondere Aktion am Freitag, 6., und Samstag, 7. September: Unter dem Titel „Mais Maze“ gibt’s „Horrornächte“ sowie „kinderfreundliches Gruseln“.

Alfdorf-Bonholz: Das Maislabyrinth an der Landesstraße zwischen Alfdorf und Adelstetten nahe der Grenze zum Ostalbkreis bietet noch bis Ende September auf dem 1,5 Hektar großen Gelände rund 1100 Meter verschlungene Pfade. Eintritt 2,50 Euro (Erwachsene), 1,50 Euro (Kinder); ein Kässchen steht am Eingang.

Stuttgart: Auch der Sonnenhof in Stuttgart-Mühlhausen nahe Remseck-Aldingen bietet in diesem Spätsommer wieder einen Irrgarten an. „Verirrt euch in einem 10.000 Quadratmeter großen Maislabyrinth“, lautet die Aufforderung. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 8 bis 18 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr.

Renningen: Das Maislabyrinth von Michaela und Andreas Weiß in Renningen (Landkreis Böblingen), Vor der Hart, hat noch bis zum 8. September geöffnet – täglich von 11 bis 19 Uhr. Eintritt 3 Euro (Erwachsene) und 2 Euro (Kinder bis 16 Jahre). Am 31. August und 1. September großer Bauernmarkt. Am 6. und 7. September großes Nachtlabyrinth.

Neustetten-Wolfenhausen: Das 12. Maislabyrinth von Manfred Maier im Landkreis Tübingen (nahe der Grenze zum Kreis Böblingen) hat montags bis freitags von 13 bis 19 Uhr, samstags von 10.30 bis 23 Uhr und sonntags von 10.30 bis 19 Uhr geöffnet. Eintritt für Erwachsene 3,50 Euro, Jugendliche 3 Euro, Kinder 1,50 Euro. Auf 30.000 Quadratmetern Fläche gibt es 3000 Meter Laufwege. Von einem sieben Meter hohen Aussichtsturm kann das Feld überblickt werden. Samstagabends ist eine Fackelbegehung durchs Maislabyrinth möglich.

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