Patrick Lange kann es noch immer nicht fassen, dass er auf Hawaii gewonnen hat. Foto: dpa

Patrick Lange spricht über seinen Überraschungscoup auf Hawaii, die Enttäuschung von Jan Frodeno – und sein Ziel, den bisherigen Dominator dauerhaft vom Thron zu stoßen.

Stuttgart - Mit seinem Überraschungssieg beim Ironman auf Hawaii ist ­Patrick Lange über Nacht zu einem Star des deutschen Sports geworden. Nun genießt der 31-Jährige die neue Aufmerksamkeit in vollen Zügen.

Herr Lange, wie lebt es sich als Ironman-Weltmeister?
Ich habe das noch gar nicht richtig realisiert. Das wird auch noch eine Weile dauern. In ruhigen Momenten erwische ich mich noch immer dabei, wie mich die völlige Fassungslosigkeit überkommt.
Gibt es seit Ihrem Sieg überhaupt ruhige Momente? Der Trubel ist gewaltig.
Es ist tatsächlich einiges los, aber darüber werde ich mich sicher nicht beschweren. Schon der Empfang am Frankfurter Flughafen war unglaublich. Das war ein Riesenauflauf mit mehr als hundert Leuten und 15 Kamerateams. Seither jagt ein Termin den anderen. Das ist sehr anstrengend, aber ich genieße es in vollen Zügen, weil auch das eine Form der Anerkennung ist.
Sie waren im ZDF- „Sportstudio“, im „Morgenmagazin“, in der Talkshow von Markus Lanz. Sind Sie überrascht von der Wucht der plötzlichen Aufmerksamkeit?
Ehrlich gesagt nicht. Natürlich ist es extrem, wenn man das am eigenen Leib erlebt. Allerdings hatte ich mir vorher schon gedacht, dass medial noch einmal eine höhere Stufe erklommen wird, wenn wieder ein Deutscher gewinnt. Durch den Dreifacherfolg im Vorjahr war die Aufmerksamkeit ja schon im Vorfeld des Rennens viel größer als früher.
Im Mittelpunkt des Interesses standen bis zum Start aber nicht Sie, sondern der bisherige Dominator Jan Frodeno und auch Sebastian Kienle, der Sieger von 2014. Haben Sie das als Vorteil empfunden?
Klar, vor allem Jan hat ja auch viel dafür getan, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. So konnte ich ein bisschen unter dem Radar fliegen, was etwas Druck von mir genommen hat. Jan musste gewinnen, von mir wurde das nicht erwartet.
Jan Frodeno hat es mit mehr als einer Woche Abstand als „Katastrophe“ bezeichnet, dass er körperlich nicht mithalten konnte.
Wenn man mit so markigen Sprüchen ins Rennen geht und erklärt, dass ein zweiter Platz eine derbe Niederlage wäre – dann muss man wohl im Nachhinein so reagieren, wenn man 45. wird. Ich finde es aber großartig, dass er Spirit gezeigt und das Rennen zu Ende gebracht hat.
Er hat Sie angefeuert, als Sie an ihm vorbeiliefen. Haben Sie das wahrgenommen?
Schon. Man ist ja auch immer froh über jede Ablenkung. Aber das war für mich keine rennentscheidende Situation.
Was waren die entscheidenden Augenblicke während dieser achtstündigen Tortur?
Davon gibt es während eines Ironmans jede Menge. Sehr viel spielt sich im Kopf ab. Man muss permanent Entscheidungen treffen. Gehe ich bei der Attacke mit, oder erhole ich mich lieber? Wann greife ich an? Wie ernähre ich mich? Wie kühle ich mich runter? Das sind alles rennentscheidende Fragen. Wenn man gewinnt, hat man viele richtige Entscheidungen getroffen – auch wenn man es in dem Moment nicht als positiv empfindet, die Konkurrenten beim Radfahren ziehen zu lassen.
Wann war der Moment, als Sie gespürt haben, dass Sie gewinnen?
Als es beim Marathon ins Energy-Lab reinging, also nach ungefähr 25 Kilometern. Lionel Sanders, der vor mir lief, hat immer mehr Zeit verloren. Am Anfang waren es nur fünf Sekunden pro Kilometer, dann zehn, irgendwann 30. So etwas setzt noch einmal enorme Kräfte frei. Da habe ich gemerkt, dass meine Stunde schlägt.
Welche Erinnerungen haben Sie an den Moment, in dem Sie auf dem Ali’i Drive das Zielband durchtrennt haben?
Das ist ein krasser Emotionscocktail, der da getrunken wird. Ich habe davon ein Leben lang geträumt und diese Szenen im Training immer wieder vor Augen gehabt. Und dann tritt es tatsächlich ein. Das ist wie im Film. Es ist unbeschreiblich und völlig überwältigend.
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