Jubel bei Julia Gajer nach Platz zwei beim Ironmal Frankfurt 2015. Foto: Rauschendorfer

Im vergangenen Jahr belegte Julia Gajer aus Ditzingen Platz sechs beim legendären Ironman auf Hawaii – nun setzt sie zum ganz großen Sprung an und hat Platz eins im Blick. Dafür hat sie im Training einiges umgestellt.

Kailua Kona/Stuttgart - Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Das gilt häufig ganz besonders im Sport. Deshalb geht Julia Gajer nach diesem Motto beim Ironman Hawaii an diesem Samstag an den Start. „Ich muss mehr riskieren als vergangenes Jahr“, sagt die Triathletin aus Ditzingen, „2014 habe ich mich ganz exakt nur nach meinem Tempo gerichtet – wenn ich aufs Podium möchte, muss ich mehr wagen.“ Vor knapp einem Jahr war die 33 Jahre alte Ausdauer-Athletin als Sechste beste deutsche Starterin, 2015 traut nicht nur sie selbst sich eine Steigerung zu. Auch die Experten haben Julia Gajer unter den Top fünf eingeordnet.

Das hat mehrere Gründe, nicht nur jenen, dass die gebürtige Hannoveranerin angreifen will. Vor allem hat sie sich auf dem Rad verbessert. In den vergangenen Monaten hat sie hart an sich gearbeitet, hat ihre Trainingsmethode verändert und damit ihre Rad-Übungseinheiten mittels Wattmessung ihrer Tretleistung deutlich effektiver gestaltet. Dabei werden ihr die aktuell getretene Wattzahl sowie der Durchschnittswert angezeigt, die ihr als Anhaltspunkte dienen. So kann die Triathletin die Intensität genauer und zielgerichteter steuern. „Radfahren war lange meine schwächste Disziplin“, bekennt sie, „schon auf Hawaii 2014 half mir der Leistungsmesser im Wettkampf, insbesondere um das für mich richtige Tempo auszuloten. Auf den letzten 40 Kilometern konnte ich dadurch sogar noch einige Konkurrentinnen einsammeln.“

Auch im Schwimmen hat Julia Gajer an einigen Stellschrauben gedreht und Fortschritte gemacht, zuletzt fühlte sie sich im Trainingslager in Texas – wo sie auch mit ihrem Ironman-Kollegen Nils Frommhold einige Einheiten absolvierte – im Wasser sehr wohl. „Nach der EM im Juli hatte ich im Schwimmen einen kleinen Durchhänger“, erzählt die Wahl-Ditzingerin, „aber nun fühlt es sich wieder gut an – außerdem ist das Schwimmen im Meer etwas anderes.“

Allerdings wollen ihr einige Konkurrentinnen den süßen Traum vom Hawaii-Sieg verderben. Allen voran Mirinda Carfrae, die 2013 und 2104 triumphiert hatte. Die 34 Jahre alte Australierin ist eine extrem starke Läuferin, im Marathon kann ihr kaum eine folgen; im Wasser und auf dem Rad zählt sie nicht zu den Besten. Vizeweltmeisterin Daniela Ryf (28) will ebenfalls auf den Ironman-Thron, die Schweizerin hat ihre Stärken dort, wo Carfrae etwas schwächelt. Schließlich ist da noch Hawaii-Debütantin Eva Wutti, die als Geheimfavoritin gilt. Auf dem Rad ist die Österreicherin top, im Lauf stark, nur im Wasser offenbarte die 26-Jährige in diesem Jahr einige Schwächen.

Julia Gajer hat viel Selbstvertrauen gesammelt. „Ich gehe das Rennen offensiv an und versuche, so lange wie möglich vorn zu bleiben“, verspricht sie. Wer wagt, gewinnt.

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